
Die Freiheitsredner. Das ist ein Netzwerk engagierter Bürgerinnen und Bürger, die ehrenamtlich Vorträge über den Wert der Privatsphäre und andere Freiheitsrechte halten. Die Organisation wurde ursprünglich vom AK-Vorrat ins Leben gerufen. Sie ist ebenso unabhängig von politischen Parteien, Lobbyisten und sonstigen Interessengruppen. Über 100-mal wurden die Referenten inzwischen eingeladen, um über eine gesunde Balance zwischen Freiheitsrechten einerseits und staatlichen Kontrollrechten sowie privatwirtschaftlichen Datenerhebungsbedürfnissen andererseits zu sprechen.
Es kommt in diesem Sektor einiges an ungünstigen Faktoren zusammen: Unser aller Grund- und Freiheitsrechte werden derzeit von Vater Staat mehr und mehr beschnitten. Die Politiker sind uns noch immer die Antwort schuldig geblieben, an welcher Stelle wir konkret durch Terror oder organisierte Kriminalität bedroht werden. Unklar bleibt auch, inwiefern die geplanten Maßnahmen überhaupt greifen können. Viele privatwirtschaftliche Konzerne zeigen außerdem unablässig ihren ungezügelten Datenhunger und lassen sich auch durch Negativpreise wie den Big Brother Award nicht von ihrem Treiben abhalten. Am schlimmsten aber ist die Tatsache, dass viele Menschen aus Unwissen sorglos - man könnte auch sagen fahrlässig - mit ihren eigenen Daten umgehen. Sie stellen diese öffentlich zur Verfügung, ohne zu ahnen, wie diese von Dritten missbraucht werden könnten.
70 Personen gehören derzeit deutschlandweit dem Netzwerk an. Ihre Vorträge finden im überschaubaren Kreis eines Klassenzimmers, Vorlesungsraumes an der FH bzw. Uni, im Aufenthaltsraum einer Firma oder in einem Vereinsheim statt. Die Fragen der Besucher sollen beantwortet, auf die Gefahren im Umgang mit den eigenen Daten hingewiesen werden. Dass die Bevölkerung sich zunehmend des Problems bewusster wird, beweisen schon die Teilnehmerzahlen bei der Demonstration "Freiheit statt Angst" am 11. Oktober 2008 in Berlin. Völlige Gleichgültigkeit ist nicht zu spüren. Und doch denken viele Menschen noch immer, dieses Problem würde sie nicht oder nur wenig betreffen.
Jeder kann einen Freiheitsredner in seine Schule, Uni, Firma etc. einladen. Aufgrund der ehrenamtlichen Tätigkeit der Sprecher entstehen in der Regel keine Kosten. Vortragsmanuskripte, Präsentationen und Artikel können zum Selbstkostenpreis per Post bezogen oder gratis von der Website heruntergeladen werden. Wer bei der Umsetzung dieses Gedankens helfen möchte, die Organisation ist noch immer auf der Suche nach Nachwuchs.
O-Ton aus der Pressemitteilung: "Da besonders junge Menschen dem Thema Datenschutz einerseits oft uninformiert gegenüberstehen und andererseits sorglos mit persönlichen Informationen umgehen, etwa bei der Nutzung sozialer Netzwerke wie Schüler VZ, Studi VZ oder Facebook und MySpace, liegt den Freiheitsrednern besonders viel daran, hier Aufklärung zu leisten. Erfolge wie der Privacy Workshop für Schülerinnen und Schüler in Siegen zeigen, dass dies der richtige Weg ist." Hopfen und Malz scheint noch nicht verloren zu sein. Und doch gibt es noch viel zu tun. (Ghandy)
Interessant erscheint in diesem Zusammenhang auch der Videocast mit einer Gegenüberstellung von polylog.tv. Jeweils ein Video sammelt die Argumente für die Einführung eines Überwachungsstaates, eins dagegen. Der absolute Klassiker in diesem Sektor ist allerdings der interaktive Aufklärungsfilm von Panopti.com. Wer ihn noch nicht kennt: unbedingt anschauen!
Die Grafik entstammt der "Feder" unserer Leib- und Magengrafikerin Liorin, danke dafür!
News Redaktion am Donnerstag, 04.12.2008 13:32 Uhr
Ja, aber die meisten wären wohl mehr als aufklärungsresistent. Das wäre ungefähr so als würde ein Wissenschaftler mit einem Esoteriker sprechen.:confused: Aber trotzdem gut das es solche Freiheitsredner gibt. Wirklich schön.:) ...
Oh ja, wie wahr! ...
Schade, dass die Freiheitsredner niemand in den Bundestag zum Vortrag eingeladen hat. Unsere Volksverträter hätten die Aufklärung wohl auch mal dringend nötig gehabt. :D ...
Fast scheint es so, derzeit verändert sich die Gesetzgebung bezüglich der Überwachung und Datensammlung in unserem Land im Schweinsgalopp. Gleichzeitig wurden in den letzten Monaten derart viele Skandale zum Thema Datenschutz publik, dass mittlerweile einige unserer Leser nach anderen Themen r ...
Lars Sobiraj am 04.02.2012, 11:32 Uhr
Während Die Linke zur Teilnahme an einem europaweiten Aktionstag gegen ACTA aufruft und Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger die Kritik am internationalen Handelsabkommen zurückweist, führte der Jurist Jens Ferner eine ausführliche Analyse jedes einzelnen Artikels durch. Wir fragten ihn, wie gefährlich ACTA tatsächlich ist. In welchem Rahmen bedroht dieses Abkommen unser aller Freiheit?
Lars Sobiraj am 09.02.2012, 11:40 Uhr
In der südenglischen Grafschaft Sussex ereignete sich letzten Monat ein Fauxpas der besonderen Art. Statt einen Einbrecher zu fassen, jagte ein Polizist mit Hilfe von Kameras für etwa 20 Minuten sich selbst. Sein Kollege an den Monitoren hatte ihn nicht erkannt und fand sein Verhalten sehr auffällig. Der beobachtete Mann habe auf heißen Kohlen gesessen, weswegen er dringend tatverdächtig sei.
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