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SellYourRights.com: neues Vermarktungsmodell für Musik im Probelauf

Der Countdown für die erste Runde eines neuen experimentellen Vermarktungsmodelles läuft. Ab heute bis zum 26.12. wird auf ReleaseMyAlbum.com beziehungsweise SellYourRights.com das Album des Pianisten Markus Loeber zum Verkauf angeboten. Nicht aber auf dem herkömmlichen Weg. Die Macher des Projekts haben sich ein interessantes und recht erfolgsversprechendes Distributionsmodell einfallen lassen, welches hoffentlich funktionieren wird. Wovon der Erfolg abhäng ist? Letztlich nur von euch!

Nicht nur den Lesern von gulli dürfte dieses Szenario allzu bekannt vorkommen. Denn seit Jahren werden Musikfans als Piraten mit Messern zwischen den Zähnen und Musiker als von Hunger und Abhängigkeit bedrohte Leibeigene stilisiert. Die ehemals ach so stolze und prächtige Armada der Plattenfirmen leidet unter den ständigen Attacken und fühlt sich zunehmend von allen Seiten bedroht. Noch vor wenigen Monaten holte man auf der Musikmesse Popkomm aus, um das allseits bekannte Klagelied anzustimmen. Gorny, Gibb & Co.: Uns geht es so schlecht! Demnächst also Kiel holen für die RaubMordKopierer? Schiffbruch ahoi oder etwa doch Land in Sicht?

Diesen Kampf um die digitalen Medien kann am Ende wirklich niemand gewinnen. Fans werden kriminalisiert und in der Nutzung digitaler Inhalte beschränkt. DRM, Verbote, Abmahnungen und der Three-Strike der ISPs als die finale Lösung? Bis auf die ganz populären Vertreter können die meisten Musiker über ihre Einnahmen aus dem Online-Geschäft je nach Gemütslage nur lachen oder weinen. Und die obersten Kapitäne der Armada der Musikindustrie führen ihre Flotte in die immer gleiche Richtung. Sie jammern auf dem Weg zum Riff, dass ihnen das Geld fehlt, um neue Stars zu fördern. Unter Deck schuften zahlreiche Musiker in der Hoffnung, vielleicht doch irgendwie und irgendwann ihre Chance zu erhalten. Und zahlreiche Musikfans liegen schon in Ketten.

Der Fisch stinkt vom Kopf her!

Wer glaubt er kann mit Holzschiffen auf den Mond fliegen. Tja, der ist auf dem ... Holzweg. Geschäftsmodelle, die mit großer Marktmacht und Kapital aus der realen in die digitale Welt übertragen werden, sind zum Scheitern verurteilt. Die Welt um die Musikindustrie herum hat sich in den letzten Jahren dramatisch verändert. Leider waren die Kapitäne der schwerfälligen Kriegsschiffe nur sehr wenig in der Lage, ihren Kurs dementsprechend anzupassen. Wer tatsächlich fliegen will, braucht dafür Flügel. Die Macher des Projekts SellYourRights glauben, sie haben den Weg zum digitalen Himmelreich gefunden. Sie wollen mit ihrem Geschäftsmodell ein gänzlich neues Zeitalter zum Vertrieb digitaler Medien einläuten. Ob sie die Pforten zum himmlischen Garten öffnen können, liegt letztlich primär an euch, den Kunden.

Wie aber soll das Wunderwerk vonstattengehen? Ganz einfach: Der Musiker sprich der Urheber eines digitalisierbaren Produktes - so auch Musik - bestimmt im Vorfeld einen Total-Buy-out Betrag, zu dem er sein Produkt unter Creative Commons Lizenz frei verfügbar macht. Die Macher der Website halten also für eine gewisse Zeit die Hand auf und reichen den virtuellen Klingelbeutel herum. Gefällt die Musik, kann man einen beliebigen Betrag angeben, zu dem man das Album kaufen würde, wenn es denn wirklich genügend Abnehmer findet. Kann der im Vorfeld festgesetzte Betrag eingesammelt werden, wird das Produkt unter Anwendung der Creative Commons veröffentlicht und der vorher selbst bestimmte Betrag wird von der Kreditkarte bzw. Paypal abgebucht. Wenn nicht, dann bleibt alles beim Alten, so auch der Kontostand.

Das Abenteuer beginnt: Der erste mutige Astronaut im Rauschiff auf dem Weg zum Himmel ist Marcus Loeber. Er wird als Pianist und Komponist aus Hamburg versuchen, sein aktuelles Album "At the Very Moment" via SellYourRights/ ReleaseMyAlbum zu vertreiben. Flugzeit ab heute bis zum 26.12. Wir werden in jedem Fall darüber berichten, ob die nachweihnachtliche Landung gelingen wird. Der Countdown läuft also!

gulli meint:

Hier haben wir eine sehr nette Idee am Start, die es verdient beachtet zu werden. Noch hat keiner - weder in den Reihen der Musikindustrie noch bei deren Kritikern - den Stein der Weisen gefunden. Die bisherigen Strategien zur Publikation von Musik sind überholt, das wissen alle. Bahnbrechende neue Verkaufsmodelle waren bis auf wenige Ausnahmen bislang nicht in Sicht. Auch die Einführung einer Kulturflatrate ist in weiter Ferne. Es wird spannend, ob sich das hier vorgeschlagene System in der heutigen Zeit durchsetzen kann.

Denn für so manche Hörer sollte im Idealfall wirklich alles umsonst sein. Steht zu befürchten, dass sie selbst diese Initiative nicht unterstützen werden, weil es ja doch etwas von ihrem Geld kosten könnte, wenn auch nicht viel. Auch unklar, ob man ausgerechnet Musik diesen Stils gut vertreiben kann. Welche Art von Musik wäre aber aussichtsreicher? Benötigt der Künstler oder die Gruppe eventuell einfach mehr Popularität? Wer aber soll diese aufbauen, wenn nicht die Labels? Die fetten Jahre der Unternehmen dieser Branche sind längst vorbei. Experimente jenseits des Mainstreams kann und will sich sicher kaum noch eine Plattenfirma leisten. Schade um die Musik, die uns unter solchen Umständen angeboten wird!! Auf Anspruch wird man unter solchen Konditionen nicht achten können, lediglich auf die Verkaufschancen. Künftig also nur noch Musik von Kid Rock und Britney Spears? Nein, danke!

Und wenn nicht: Mit welchem Modell aber können die Musiker ihre Rechnungen bezahlen, ihre Kosten decken? Wie sorgt man sonst dafür, dass Musik per Creative Commons veröffentlicht wird, was den Nutzern den Vorteil verschafft, dass sie die Musik auch legal teilen dürfen? Ist der Sockelbetrag eingefahren, darf folglich kopiert werden, bis der Arzt kommt und die Drähte bzw. USB-Sticks glühen. Das ist doch mal was gänzlich Neues! Solche Angebote haben uns die Plattenfirmen bislang nicht gemacht.

(Lars "Ghandy" Sobiraj)

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Video zu ReleaseMyAlbum.

News Redaktion am Freitag, 12.12.2008 13:02 Uhr

tagsTags: releasemyalbum sellyourrights.com

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8 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • baummuetze am 14.12.2008 03:00:59

    ich versteh nicht wo das problem ist... man kann nicht verlangen das man 1 jahr an nem album arbeitet oder 2 jahre und dann 50 jahre lang damit geld verdient und aber millionen kassiert. wer geld verdienen will muss arbeiten. die meisten musiker veröffentlichen hier und da mal ne cd alle paar jahre ...

  • jkp am 13.12.2008 12:03:32

    Ehrlich gesagt interessiert es mich wenig, ob ein Künstler seine Musik unter der CC herausgibt oder nicht. Daher seh' ich keinen Sinn, mich in einem Fonds zu beteiligen, der nix anderes bedeutet als die Musik für andere Leute verfügbar zu machen, die womöglich keinen Cent dafür bezahlt haben. ...

  • Guga am 13.12.2008 11:52:52

    Die Idee an sich finde ich sehr gut. Das ist mal ein Schritt in eine neue Richtung. Ich finde sie allerdings in ersteler Linie gut, weil sie eine ordentliche Portion Mut beweist. Mir wird allerdings nicht klar, wie dieser Vertreiber sein Geld damit verdient. ...

  • KidZler am 12.12.2008 20:09:32

    Die methode ist zu unbekannt und wer kennt die seite schon ... Toller test sollte man nicht alzuviel von erwarten ... Erst wen die leute auf der strasse davon wissen kann man als test ansehen ... mFg ...

  • Xenor am 12.12.2008 19:56:45

    ich glaube nicht, dass das funktioniert, dafür sind die Menschen zu egoistisch (warte ich einfach 14 Tage und zahle nichts) und die Musiker würden definitiv weniger Geld bekommen (außer es gäbe kein Label mehr dazwischen). Mal ganz abgesehen davon, dass die Musik nicht wirklich mein Stil ist ;) ...

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