
gulli.com: Sie haben sich kürzlich bei der Staatsanwaltschaft Hannover selbst angezeigt. In welcher Form ist dies geschehen?
Jürgen Seeger: Wir haben die Anzeige am 19.12.08 per Brief geschickt. Bislang gab es noch keine Reaktion.
gulli.com: Nach Ihrer Meinung zum Thema Hackerparagraf muss man Sie wahrscheinlich nicht befragen. Fehlt den Administratoren in den Unternehmen eine eigene Lobby in den Reihen der politischen Entscheidungsträger? Oder wie erklären Sie sich und uns die Entstehung dieser Gesetze?
Jürgen Seeger: Man könnte vielleicht in Sachen Lobbyismus noch einen Zahn zulegen. Aber bei diesem Gesetz haben sich die Parlamentarier schlicht beratungsresistent gezeigt.
gulli.com: Das deckt sich exakt mit den Aussagen von Fefe auf dem 25C3. Er erzählte, die Parlamentarier haben sich nicht selten exakt für das Gegenteil von dem entschieden, wozu ihnen im Vorfeld von den angehörten Experten geraten wurde.
Erwarten Sie eine Strafe dafür, dass Sie gegen den Paragrafen 202c StGB verstoßen haben? Ich könnte mir vorstellen, die Rechtsabteilung beim Heise Verlag war sicherlich nicht sonderlich begeistert von Ihrem Vorhaben. Oder liege ich da falsch?
Jürgen Seeger: Die Vorgehensweise ist sowohl mit der Geschäftsleitung als auch der Rechtsabteilung abgestimmt. Wir arbeiten natürlich auf einen begründeten Freispruch hin, um für uns und die IT-Szene im positiven Sinne Rechtssicherheit zu erreichen.
gulli.com: Für den Fall, dass man die Veröffentlichung der Toolsammlung in der iX und damit das rechtswidrige Verhalten ignorieren würde - könnte dies nicht auch andere Personen dabei unterstützen, dass sie ähnliche Schritte unternehmen? Oder haben Sie mit einer breiten Wirkung in der Öffentlichkeit oder zumindest in den Fachkreisen gerechnet? Was glauben Sie: Wie sehr oder wenig interessiert sich die Frau beziehungsweise der Mann von der Straße für solche Fragen? Vor allem solange es sie nicht selbst konkret betrifft.
Jürgen Seeger: Den "Mensch von der Straße" dürfte das wenig interessieren, es ist ein Problem für IT-Fachleute. Wir hoffen natürlich auf entsprechende Aufmerksamkeit in der Fachöffentlichkeit, Nachahmungen sind ausdrücklich erwünscht.
gulli.com: Welche Auswirkungen hatte der Hackerparagraf bereits auf die deutsche IT-Branche? Ist für Sie bereits eine Migration von Unternehmen erkennbar? Könnte dieses Gesetz für Unternehmen tatsächlich Grund genug sein, um unser Land und damit das Hoheitsgebiet unserer derzeit gültigen Gesetze verlassen zu wollen? Wie gehen die meisten Systemadministratoren mit dieser Problematik und der damit verbundenen Zwickmühle um? Die Anfälligkeit des eigenen Netzwerkes nicht zu testen wäre fahrlässig. Es zu tun ist hingegen verboten.
Jürgen Seeger: Ich sehe die Gefahr, dass IT-Administratoren nur noch heimlich oder gar nicht ihre Netze auf Sicherheit testen. Was die Entwickler von Sicherheitssoftware angeht: Mir sind zwar konkret keine Fälle von Abwanderung bekannt, aber Rechtsunsicherheit und Überreglementierung sind immer Standortnachteile.
gulli.com: Vielen Dank für die kurzfristige Beantwortung unserer Fragen. Wir wünschen Ihnen für Ihren eingeschlagenen Weg weiterhin viel Mut und Ausdauer!
(Lars "Ghandy" Sobiraj)
News Redaktion am Montag, 29.12.2009 21:05 Uhr
Ausserdem gibt es ja noch keine Reaktion seitens der pilizei / Staatsanwaltschaft. Was soll da auch groß interviewed werden? Der Paragraph ist ja nicht mehr neu. Anzeige am 19.12.2008. Da gibt es infolge der Feiertage nicht vor Mitte Jannuar nicht einmal eine Mitteilung des Ak ...
Ausserdem gibt es ja noch keine Reaktion seitens der pilizei / Staatsanwaltschaft. Was soll da auch groß interviewed werden? Der Paragraph ist ja nicht mehr neu. Die Neuigkeit an dieser Neuigkeit ist ja schließlich, dass Herr Seeger sich angezeigt hat und nun erklärt, warum. ...
Ich hätte es sicherlich auch gerne länger gehabt. Aber für die Gestaltung der Antworten bin ich nun mal nicht verantwortlich. ...
Ich fand es okay. ...
Das war doch jetzt ein relativ kurzes und eher inhaltloses Interview... Ich fand es kurzweilig und informativ! ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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