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Deckel Drauf: Die Gulli Glosse (Woche 01/09)

Langsam aber sicher lichtet sich der Nebel um die allgemein vorherrschende Festtagsstimmung, weshalb es Zeit wird, der allgemeinen Euphorie doch wieder einmal eine Vollbremsung zu verpassen. Einige Elemente haben die Feiertage nämlich überlebt, und verdienen einer Würdigung.

Die "wichtigen" Feiertage sind überstanden, was zurück bleibt, ist die Erinnerung daran und die Vorfreude auf zukünftige Festtage. Wie beschauerlich die Weihnachtszeit diesmal war, zeigt sich auch in der Menge der News, die bei gulli niederging.

Dies hat aber auch noch einen anderen Grund. Die verehrten Kollegen haben es nämlich auf dem 25C3 so richtig krachen lassen. Leider war ich verhindert und konnte meine Reise nach Berlin nicht antreten. Mit einer Kollegin überstand man dann auch die paar Tage der Abwesenheit der Rest-Redaktion. Natürlich ist der Input nicht erheblich größer, wenn das Team um fünf Mann dezimiert wird. Aber schreiten wir zur Tat. Was brachte uns Weihnachten? Ein Geschenk der RIAA. Keine Jagd mehr auf böse Filesharer, wird in Übersee gepredigt. Die Prozesse führen ja zu nix, man belästigt ja nur die eigene Kundschaft, die potenziellen Käufer. Welchen Weihrauch hat man denn da inhaliert, um zu dieser finalen Erkenntnis zu gelangen? Eigentlich wollte ich es gar nicht wissen, aber man wäre ja nicht, wer man ist, hätte man nicht noch etwas in der Hinterhand behalten. Gegen Power-User wolle man weiterhin rigoros vorgehen. Also die Leute, die sich mal so - mir nichts, dir nichts - 5.000 MP3s mit eMule saugen. Woher der Sinneswandel? Nun, vielleicht war die negative Presse rund um den Fall von Jammie Thomas ausschlaggebend. Es macht sich nicht so gut, wenn ein Prozess neu aufgerollt wird. Insbesondere wenn es so aussieht, als könnte man ihn nicht noch einmal gewinnen. Eigentlich erbärmlich, aber man versteht es, das noch zu toppen. Siehe Major-Labels.

Man plant eine YouTube-Nachbildung. Wer sich jetzt denkt "Na und?" der sei darauf hingewiesen, dass die Majors bislang auch bereits Verträge mit YouTube hatten, und nicht zu verachtende Einnahmen dadurch hatten. Manches Label wagt ja sogar die Äußerung, es ginge gar nicht mehr um CD-Verkäufe. Man müsse ein "Gesamtbild" erfassen, aus allen Einnahmequellen. Um ehrlich zu sein, ich wäre beinahe vom Stuhl gefallen. Wie gelangt man in der friedlichen Weihnachtszeit zu dieser Erkenntnis? Saßen die "Big 4" zusammen, als plötzlich einem von ihnen die Erleuchtung kam. "Kollegen, ich habe eine Idee!" - "Lass hören!" - "Wir haben unsere eigene Kundschaft lange genug gejagt und mit Prozessen terrorisiert. Ich weiß, wie wir auf gutem Wege wieder an Geld kommen." - "Nun sag schon!" - "Ich denke da an ein Portal, wo wir die Videoclips unserer Künstler und Bands hochladen, dann preisen wir das weltweit an, und durch Werbung zu Merchandising und Konzerttickets verdienen wir uns bis zum Wahnsinn. So etwas hat die Welt noch nicht gesehen!" Derjenige aus der Runde, welcher seine Videos bereits bei YouTube hatte, hat jetzt den Vertrag aufgelöst.

Aber nun gut. Man ist zu einer Erkenntnis gelangt, und die Nächste folgt sicher im neuen Jahr. Es ist ja nicht gerade so, als würde der CD-Markt schrumpfen und man müsste bereits wieder heimlich eine Jagd nach Filesharern einläuten.

Gratulieren möchte man der größten Online-Enzyklopädie Wikipedia, welche endlich ihr Spendenziel erreicht hat. Satte sechs Millionen US-Dollar (dies entspricht etwa 0,1 Prozent der Einnahmen der Major-Labels) konnte man sammeln. Ein nettes Sümmchen, mit dem das Portal sicherlich weiterhin "am Laufen" gehalten werden kann.

Die chinesische australische Webmauer schreitet ja inzwischen auch immer weiter voran, wie man (bislang noch) hört. Ganz interessant finde ich hierbei jedoch immer, wie leicht sich die Masse manipulieren lässt, sobald bestimmte "magische" Wörter fallen. Im australischen Beispiel lautet eines von diesen "Kinderpornografie". Zack. Schon springen hundertausende willige Bürger auf den Zensur-Zug auf, der nur eine Richtung kennt. Erste Haltestation bei 1.300 Websites. Zweite Haltestation bei etwa 10.000 Websites. Wer dagegen meckert, wird schief angeschaut. "Wie? Du bist gegen eine Firewall die Kinderpornografie blockiert?" Insgeheim folgt der Gedanke: "Sicher auch so einer!" Dass "nicht drüber nachdenken" scheint ganz groß in Mode zu sein, obwohl sich viele Australier bereits zusammenfanden, um gegen die Zensur zu demonstrieren. Das Problem ist jedoch nicht die Regierung - zumindest nicht allein. Das Kernproblem ist ein Volk, welches sich einfach fügt, ohne nachzudenken. Politik und die Teilnahme daran ist etwas Schwieriges. Jedoch ist eine Demokratie nur so nützlich, wie das Volk, welches sie ausüben lässt.

In diesem Sinne ein gutes neues Jahr 2009. (Firebird77)

News Redaktion am Sonntag, 04.01.2009 21:24 Uhr

tagsTags: filesharing p2p riaa deckel drauf einnahmen majorlabel mediasentry firewall gulli glosse 25c3 youtube australien kinderporno

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2 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • xerox123 am 04.01.2009 22:39:46

    Wer dagegen meckert, wird schief angeschaut. "Wie? Du bist gegen eine Firewall die Kinderpornografie blockiert?" Insgeheim folgt der Gedanke: "Sicher auch so einer!" Dass "nicht drüber nachdenken" scheint ganz groß in Mode zu sein, obwohl sich viele Australier bereits zusammenfanden, um geg ...

  • Mr.Harmlos am 04.01.2009 21:49:57

    meeeh ... hab n fehler entdeckt : Dass "nicht drüber nachdenken" scheint ganz groß in Mode zu sein sollte wohl heißen: Dass "nicht denken" scheint ganz groß in Mode zu sein ;) mfg ...

  • gullinews am 04.01.2009 16:07:21

    Langsam aber sicher lichtet sich der Nebel um die allgemein vorherrschende Festtagsstimmung, weshalb es Zeit wird, der allgemeinen Euphorie doch wieder einmal eine Vollbremsung zu verpassen. Einige Elemente haben die Feiertage nämlich überlebt, und verdienen einer Würdigung. Die "wichtige ...

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