Der unabhängige IT- und Tech-Kanal!
internet.board.entertainment.games.hardware

VUT Neuberechnung: Was Musiker wirklich verdienen

Der Verband unabhängiger Musikunternehmen e.V. (VUT) hat ermittelt, wie viel ein Musiker heute tatsächlich verdient. Die Ergebnisse sind durchweg interessant.

Vor etwa zwei Wochen berichteten wir über zwei nette Grafiken, die auf der Homepage der Bundeszentrale für politische Bildung lagerten. Diese wurden von Olga Hottes/netzwelt.de und Amke Block/momag.net erstellt und sollten wiedergeben, wie viel ein Musiker heutzutage pro verkaufter CD / digitalem Download daran verdient. Das Ergebnis war durchweg ernüchternd und rangierte bei vier Prozent. Lange Zeit hat niemand diese Diagramme angezweifelt, doch faktisch waren sie alles andere als richtig. Woher die Zahlen wirklich stammen, ist noch nicht eindeutig klar. Allem Anschein nach jedoch primär von den Majorlabels. Dass der deutsche Musikmarkt jedoch zu 95 (!) Prozent aus Independent-Labels besteht, ist den wenigsten Musikfans bewusst. Auf der c/o-pop Podiumsdiskussion wurden die Diagramme ebenfalls genannt, woraufhin sich Stefan Herwig zum Ziel setze, diese Falschinformation der Bundeszentrale wieder ins rechte Licht zu rücken. Er ermittelte eine korrigierte Grafik, welche wir in dem Artikel vor zwei Wochen ebenfalls veröffentlichten.

Nun meldete sich auch der VUT zu Wort. Im Auftrag des Vereins recherchierten Amke Block (Audiomagnet) sowie Thomas Schlegel (Kanzlei Sasse&Partner), um neue Berechnungen aufzustellen. Amke Block war bereits an den ersten Diagrammen, die bei der Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht wurden, beteiligt. Das Ergebnis der aktuellen Recherchen zeigt ein völlig anderes Bild. Diesmal fragte man bei "Independents und Künstlern" nach. Dabei ist man zu einem "deutlich anderen Ergebnis" gekommen.

"Die Befragten waren sich einig, dass der Künstleranteil nur in den seltensten Fällen unter zwölf Prozent liegt. Hat der Künstler auch die Komposition und den Text verfasst, sind im Schnitt 17 Prozent des Endverkaufspreises für ihn drin, da dann auch Einnahmen aus den GEMA-Lizenzen an ihn zurückfließen", so der Verband. Somit dürfte ein Künstler, der bei einem Independent-Label unter Vertrag steht, durchschnittlich zwischen 1,90 und 2,60 Euro pro verkauftem Album bekommen. Dies gilt unter der Prämisse, dass der Verkaufspreis bei 15 Euro liegt. Je nach Bekanntheitsgrad des Künstlers können diese Werte jedoch noch weiter nach oben steigen. Der konkrete Mittelwert, den der Künstler beim Verkauf einer CD erhält, liegt bei 1,84 Euro. Im Falle eines Musikdownloads für 99 Cent werden ihm 19 Cent zuteil. Zu diesen beiden Werten kann man unter Umständen die Ausschüttung der GEMA hinzurechnen, sofern die Musiker bei dieser Mitglied sind. Die Ausschüttung sind zwar verhältnismäßig niedrig, sollten jedoch nicht unerwähnt bleiben.

"Im Gespräch mit den Labels wurde klar: Es gibt keine standardisierte Einnahmeverteilung. Aber in einem waren sich alle einig: In der Regel teilen Label und Künstler die Einkünfte aus Tonträgerverkäufen fair", so Block und Schlegel.

"Wir sollten jede Chance nutzen, der Öffentlichkeit zu verdeutlichen, wie die Einnahmen der Musikwirtschaft wirklich verteilt werden. Sonst setzen sich Falscheinschätzungen in den Köpfen der Musiknutzer fest und Filesharing scheint nur mehr ein Kavaliersdelikt zu sein. Jeder, der sich Musik umsonst besorgt, sollte sich darüber bewusst sein, dass Künstler und Labels ohne Rückflüsse aus dem Verkauf von physischen oder digitalen Tonträgern keine neue Musik mehr produzieren und veröffentlichen können", so die VUT-Geschäftsführerin Eva Kiltz.

"Im digitalen genau wie im physischen Markt werden die Künstler in der Regel angemessen an den Einkünften der Labels beteiligt. Dennoch muss die Frage künftig beantwortet werden, wie junge, unbekannte Musiker noch Musik schaffen und davon leben sollen, wenn ihre Werke ohne Einwilligung und Kenntnis frei im Netz verfügbar sind?", so das VUT Vorstandsmitglied Oke Göttlich. "Hier sind Firmen wie MyVideo, Rapidshare, aber auch die Internet Service Provider wie United Internet, T-Online und Vodafone gefragt, gemeinsam Modelle mit uns - den gesprächsbereiten und nicht konzerngesteuerten Indies - zu entwickeln, um gerne auch neue Vergütungs- und lohnende Promotionkanäle zu öffnen. Denn eines muss endlich klar werden: Auch wenn sich die Aufmerksamkeit in Einzelfällen durch kostenlose Verbreitung erhöhen lässt, können so viele Bands gar nicht auf der Welt in Konzerten auftreten oder T-Shirts verkaufen, um die Verluste aus den nicht lizenzierten Nutzungen zu kompensieren."

Pikanterweise stellt sich natürlich die Frage, wieso man mit Amke Block jemanden mit der Recherche beauftragt hat, welche als Mit-Urheber der ursprünglichen Grafik auch mitverantwortlich für dessen Falschinformationen war. Einen skeptischen Blick gilt es auch auf die Kanzlei Sasse und Partner zu werfen, die sich ebenfalls in der "abmahnenden Zunft" auf der Jagd nach Filesharern befindet. Dies mag man interpretieren, wie man will. An den Zahlen dürfte es jedoch wenig zu rütteln geben. Den unten stehenden Grafiken kann man deutlich zu entnehmen, wie sich die Ausschüttung pro verkauftem physischem Tonträger und pro Single-Download (Online) im Independent-Sektor aufsplittet. Bleibt zu hoffen, dass sich dieses Bild auch in der schreibenden Zunft der Netzkultur verankern wird. (Firebird77)

(via vut, thx!)

News Redaktion am Freitag, 11.09.2009 13:33 Uhr

tagsTags: musik amke block analyse einnahmen künstler neuberechnung recherche thomas schlegel verband unabhängiger musikunternehmen e.v. vut verdienst

Bookmark and Share
Rating Rating Rating
vgwort
 
Weitere interessante News
36 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • StefanHerwig am 15.09.2009 07:53:09

    Musss das so sein? Wie wäre es mit einem Darlehn an die Künstler? wir geben doch bereits darlehen an die miesten Künstler, in form eines Albumvorschusses, mit dem sie sich meistens neues studioequipment kaufen und so weiter. das ist ja quasi ein darlehen., Aber die meisten Künms ...

  • Grazer57 am 14.09.2009 19:58:43

    @ Stefan Herwig ZUm Beispiel übernehmen die Label als Einzige das volle finanzielle Risiko für die ganze Nummer.Musss das so sein? Wie wäre es mit einem Darlehn an die Künstler? Natürlich fallen dann auch die ausschließlichen Verwertungsrechte an den Werken weg usw. ... ...

  • StefanHerwig am 14.09.2009 13:48:20

    solange labels mehr als halb so viel wie der Künstler bekommen is da was falsch. künstler verkaufen IHRE ARBEIT, und sollten damit AM MEIßTEN verdienen. "I am sorry Miss Jackson...." Aber bevor man so eine Berrechnung aufstellt, sollte man erst einmal wissen, WIE die g ...

  • MrsJackson am 14.09.2009 13:30:20

    solange labels mehr als halb so viel wie der Künstler bekommen is da was falsch. künstler verkaufen IHRE ARBEIT, und sollten damit AM MEIßTEN verdienen. ...

  • Grazer57 am 14.09.2009 13:12:45

    . So lange müssen diese offiziellen Zahlen leider ausreichen: http://www.musikindustrie.de/statistik-publikationen und meine Aussage, dass die Indies 25% Marktanteil haben, muss leider ohne Beleg im Raum stehen bleiben. Das dachte ich mir schon ...... We ...

weitere Kommentare lesen     Nachricht kommentieren

 
Fotostrecke
News [Kurioses]

Apple filterte den Begriff "Jailbreak" im iTunes Store

Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr

befreit: ipad 3 & iphone 4s

Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.

mehr mehr lesen...

Browsergames
Gondal World

TOPTIPP: Gondal World

Kämpfe als Held in diesem einzigartigen Fantasy Game. Viele Gefahren und Abenteuer erwarten dich! Escaria spielen

Escaria

Escaria

Erschaffe deine eigene Insel und erobere die Welt. Krieg oder Wachstum - deine Strategie entscheidet! Escaria spielen

Artyria

Artyria

Werde Gladiator und kämpfe im antiken Zeitalter um Ruhm und Ehre. Gehe Bündnisse mit anderen Spielern ein und kämpft gemeinsam gegen die schrecklichen Barbaren. Artyria spielen

Gondal

Gondal

Ziehe als einsamer Waldläufer oder an der Seite von Kampfgefährten in einem Fantasy-Spiel von Abenteuer zu Abenteuer. Gondal spielen

Last Emperor

Last Emperor

Tritt gegen legendären Samurai aus Japan des 19. Jahrhundert an und werde der gefürchtetste aller Samurai. Last Emperor spielen

Nightcreeps

Nightcreeps

Tritt in eine epische Schlacht zwischen Werwölfen und Vampiren, in der nur die Stärksten überleben werden, ein. Nightcreeps spielen

gulli:picsArtikel empfehlengulli RSS News Feedsgulli RSS NewsPresso Feedsgulli:Newslettergulli twittertgulli bei facebookgulli:news im AppStoreSeitenanfang