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Reporter ohne Grenzen: "Klima der Straffreiheit" machte Doppelmord in Russland möglich (Update)

Der Doppelmord in Moskau, bei dem am 19. Januar der russischen Anwalt Stanislaw Markelow und die Journalistin Anastasija Baburowa auf offener Straße erschossen wurden, löste auf der ganzen Welt Bestürzung, aber auch heftige Kritik an den russischen Zuständen aus. Viele Beobachter vermuten eine Beteiligung oder zumindest Billigung der russischen Regierung - beide Opfer galten, wie auch die 2006 ermordete Journalistin Anna Politkowskaja, als Kritiker des derzeit herrschenden Regimes. Markelow war Politkowskajas Anwalt im derzeit stattfindenden Prozess um ihre Ermordung. Heftige Kritik an der russischen Regierung übte als Reaktion auf die Morde auch die Journalisten-Organisation "Reporter ohne Grenzen" (ROG).

ROG spricht in einer Pressemitteilung von einem "Klima der Straflosigkeit", das Verbrechen wie das am Montag geschehene begünstigt. "Die meisten Morde an Journalisten und Menschenrechtsaktivisten bleiben unaufgeklärt, die Täter entkommen straffrei," kritisiert die Organisation.

ROG ehrt die beiden Ermordeten als Kämpfer für ein demokratischeres Russland und für rechtsstaatliche Werte. "Wir würdigen den großen Mut der beiden Mordopfer: Markelow hat auch zahlreiche Journalistinnen und Journalisten vertreten - darunter die im Oktober 2006 erschossene Anna Politkowskaja sowie den im November 2008 attackierten Michail Beketow. Russland verliert einen kühnen Anwalt, der die Interessen von Opfern von Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien verteidigte. Die Journalistin Anastasija Baburowa berichtete unerschrocken über tabubehaftete Themen wie dem Ultranationalismus. Ihren Mut bewies die Journalistin auch, als sie versuchte, einzuschreiten, als Markelow niedergeschossen wurde", erklärt ROG. Genau in diesem mutigen Auftreten der Getöteten allerdings vermuten viele das Mordmotiv.

So ist es fraglich, ob die Forderung ROGs, "Die Behörden müssen die Täter dieser brutalen Morde finden und sie bestrafen. Nur so kann die Herrschaft der Straflosigkeit beendet und die Ermordung weiterer Journalisten, Anwälte und Menschenrechtsverteidiger in Russland verhindert werden," jemals erfüllt werden wird. Auch im Prozess um Anna Politkowskajas Tod geht ROG davon aus, dass keiner der Angeklagten zu den wirklichen Tätern gehört. (Annika Kremer)

Update:

Zusammen mit Amnesty International ruft Reporter ohne Grenzen am heutigen Mittwoch zu einer Mahnwache vor der Botschaft der russischen Föderation in Berlin auf, weitere Informationen gibt es hier.

News Redaktion am Mittwoch, 21.01.2009 15:59 Uhr

tagsTags: pressefreiheit rog russland anastassija baburowa markelow

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5 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • am 19.02.2009 19:26:40

    Es gibt mehr als genügend Fälle in denen unliebsame Reporter in Russland "entsorgt" wurden. Mich würde es nichtmal wundern, wenn die Familie zu der Aussage "geleitet" wurde. Auch wenn die Angeklagten nur Bauernopfer sein sollten, spiegelt der ganze Fall einfach nur die russische Rechtsmentaliä ...

  • Annika_Kremer am 19.02.2009 16:51:36

    Nun ja, die Familie des Opfers findet den Freispruch offenbar richtig, da sie die Angeklagten von vorneherein als "Baunernopfer" sah. ...

  • am 19.02.2009 16:22:08

    "Angeklagte im Mordfall Politkowskaja freigesprochen" wäre hätte es gedacht.. ist nunmal Russland, da wird kritisches einfach "beseitigt" und niemand hat was gesehen ...

  • MrDraco am 21.01.2009 17:41:16

    Warum sollte die Regierung was machen? Läuft doch super für die. Haufenweise Systemkritiker und sonstige "Gefährder". ...

  • DasFragezeichen am 21.01.2009 16:06:59

    Wenn die Machthaber dem Ganzen kein Ende machen wollen, muss man vielleicht den Machthabern ein Ende machen. Also, nur so ein Gedanke. ...

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