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Südkorea: Polizei hilft Filesharern

Die südkoreanische Polizei zeigt auf, was es heißt, den Bürger vor der Verfolgung durch die Content-Industrie zu schützen, indem die geforderten Schadensersatzsummen durch einen juristischen Kniff reduziert werden.

Die südkoreanische Polizei hatte die Instrumentalisierung durch die Content-Industrie endgültig satt.

"Jeden Tag werden zehn solcher Anzeigen ausgefüllt. Wir haben keine Zeit mehr für andere Dinge. Und es wird noch ernster, weil die Jugendlichen richtige Straftaten begehen, um die Strafen zahlen zu können", so ein Polizeibeamter der Dongdaemun Polizei in Seoul. Natürlich stellen diese sich nicht hinter die Filesharer, welche urheberrechtlich geschütztes Material tauschen, schließlich ist dies nach wie vor illegal. Jedoch schreitet man vor der Anklage ein, um die Strafen auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Die Polizei hat nahegelegt, dass man solche Verfahren zukünftig als gesammelte Klagen behandeln sollte. Die daraus resultierende Folge wäre, dass der maximal geforderte Schadensersatz auf rund 146 US-Dollar festgelegt wäre. "Wir haben gekämpft, um einen Weg zu finden, damit das Justizsystem nicht länger missbraucht werden kann. Also haben wir uns entschlossen unser Polizeirecht auszuüben, einen Fall zu den gesammelten Klagen abzulegen. Es war eine Lösung, um die Kinder zu schützen", so Hwang Un-ha, der Polizeichef in Daejeon Jungbu.

Das Prozedere in Südkorea ist vergleichbar mit dem in Europa. Von der Content-Industrie beauftragte Anti-Piraterie-Unternehmen durchsuchen das Netz nach Filesharern, welche urheberrechtlich geschütztes Material verbreiten. Gegen die ermittelte IP-Adresse wird eine Anzeige erstattet, um den Klarnamen herauszufinden. Die Polizei behandelt diese Anzeigen nun jedoch nicht mehr separat sondern als zusammengehörig, weshalb der Höchstbetrag für den Schadensersatz 146 US-Dollar nicht überschreiten darf. Der erste Betroffene - ein 18-jähriger Schüler - konnte bereits davon profitieren. Eine Rechtsanwaltskanzlei, welche ihn in Zusammenarbeit mit einem Anti-Piraterie-Unternehmen ermittelt hatte, wollte stolze 725 US-Dollar, damit der entstandene Schaden abgegolten wäre. Die Familie des Schülers konnte sich diesen Betrag unter keinen Umständen leisten, weshalb die Polizei diesen Fall zu den gesammelten Klagen legte. Im Prinzip entspricht diese Variante einer Sammelklage, mit dem kleinen Unterschied, dass es nicht mehrere Kläger sondern mehrere Beklagte gibt, von denen Schadensersatz gefordert wird. Die Polizei kritisierte bereits, dass einige Anwälte hier eine äußerst lukrative Marktnische für sich entdeckt hätten, die die Jugendlichen ausnimmt, welche nicht aus Profitgründen zu Urheberrechtsverletzern werden. "Anwaltskanzleien haben sogar Teilzeit-Mitarbeiter angestellt, um die Urheberrechtsverletzer im Internet zu protokollieren. Danach haben sie die Rechteinhaber kontaktiert und über den Sachverhalt informiert, wobei man angeboten hat, dass man diese gerne repräsentieren würde", so ein Vertreter der Polizei in Daejeon. Aus der einfachen Tat, das Urheberrecht verletzt zu haben, würden für die Jugendlichen oftmals größere Probleme entstehen. Viele würden zu richtigen Straftätern werden, welche beispielsweise stehlen, um die immensen Schadensersatzsummen zu tilgen.

Dass die Rechteinhaber global auf einer Welle schwimmen, zeigt sich deutlich wenn man dem Chef der Rechtsabteilung der Korea Music Copyright Association, Yu Hyeong-seok zuhört: "Wir stimmen überein, dass die Ausnutzung des Rechtsstreits durch die Anwaltskanzleien unangemessen ist. Aber das fundamentale Problem sind die Portale, welche ein Kind blind für die Urheberrechtsverletzungen machen, während man selbst enorme Profite einfährt. Die Unternehmen die Blogs und andere Internet-Communitys hosten müssen verantwortlich gemacht werden." Ein rascher Wink mit dem Zaunpfahl auf die Dienstleister, zu denen auch die Provider zählen. Diese hätte man nur zu gerne im Boot. Ein Wunschtraum, hoffentlich für lange Zeit. Die südkoreanische Polizei kann stolz auf sich sein. Sicherlich hat man die Abmahnmaschinerie dort nicht unterbunden. Finanziell wurde sie jedoch erheblich ausgebremst - im Gegensatz zur 100-Euro-Deckelung in Deutschland. (Firebird77)

(via zeropaid, thx!)

(Bild via internet.magnus, thx!)

News Redaktion am Freitag, 23.01.2009 20:44 Uhr

tagsTags: filesharing p2p urheberrechtsverletzung polizei südkorea anwalt beträge summe schadensersatz abmahnung

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8 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • hydrofire am 25.01.2009 16:22:24

    Die Polizei hat in der Regel die Aufgabe Verbrechen auf zu klären und möglichst zu verhindern. Wenn nun in Korea aufgrund durch diese Klagen die Familien so überschuldet sind das die Kids nun stehlen gehen, auf Grund das sie sich ein Spiel besorgt haben was sie sich so nicht gekauft hätten, dann ...

  • Molnitza am 24.01.2009 12:13:10

    Die Unternehmen die Blogs und andere Internet-Communitys hosten müssen verantwortlich gemacht werden. Richtig so - schaltet am besten gleich das Internet ab. Manche Menschen kommen auf Ideen. ...

  • titus_shg am 24.01.2009 09:48:18

    Und die 100,- € Deckelung in .de gibt es nicht! Das ist sicher - frisch erfahren. Wie meinst Du das? Inwiefern "frisch erfahren"? Aber da ist irgendwie schon was dran, diese Regelung ist vom Gesetzgeber wohl mit purer Absicht so schwammig formuliert worden, damit s ...

  • BoMb_ am 23.01.2009 22:43:38

    Ab nach Südkorea :D Vor 2 Jahren war ich da zuletzt ...

  • Harald10 am 23.01.2009 21:42:47

    Und die 100,- € Deckelung in .de gibt es nicht! Das ist sicher - frisch erfahren. ...

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