
In seiner Doktorarbeit beschäftigte sich Till Kreutzer intensiv mit dem Urheberrecht, nachdem er feststellt, dass mit der aktuellen Rechtslage etwas nicht stimmen kann. Die Ursachen dafür sieht er darin, dass wir im Prinzip noch immer sehr stark auf den Urheber fixiert sind, und mit einem Modell arbeiten, welches im Wesentlichen aus dem 19. Jahrhundert kommt, als Sinfonien komponiert und Bilder gemalt wurden. Diese starke Bindung an die Persönlichkeit des Schöpfers, sagt er, ist aber heutzutage nur in den seltensten Fällen gegeben, da massenhaft Alltagsschöpfungen kreiert werden, die nichts persönliches mehr an sich haben und "an denen das Herz des Urhebers auch gar nicht mehr hängt". So sagte er in einem Interview mit dem Portal Telemedicus. "An diesen Werken werden oft auch Leistungen erbracht, die gar nicht kreativer oder schöpferischer Natur sind. Das wird durch das jetzige Urheberrecht nicht berücksichtigt. Außerdem werden die Nutzerinteressen und die Nutzerrechte völlig vernachlässigt. Das Recht ist darauf ausgerichtet, dass der Urheber möglichst viele Rechte bekommt, aber die Interessen der Nutzer und auch der Allgemeinheit werden nur nachrangig berücksichtigt."
Er beschäftigt sich infolgedessen mit unterschiedlichen Bestimmungen des Urheberrechts und fordert unter anderem, dass der starke Schutz des Urhebers aufgelöst werden sollte. Genauer betrachten sollte man die Bedingungen, unter welchen einzelne Werke entstehen und auch wie der Bezug der Nutzerinteressen, so auch der Allgemeinheit, dazu ist. "Interessen der Urheber und Verwerter sollen nur insoweit geschützt werden, wie sie auch gerechtfertigt sind - gemessen an den Interessen der Allgemeinheit."
Auch sollte das Urheberrecht nicht mehr nur den Auftrag haben, allein Interessen der Urheber und Verwerter zu sichern, sondern es soll, wie er es nennt, einen "multipolaren Schutzauftrag" erhalten. "Ich meine, dass es in einer Informationsgesellschaft nicht mehr angemessen ist, dass der Schutz des Urhebers oder auch der Schutz des Werkes das allüberstrahlende Prinzip sein muss. Vielmehr werden Nutzungsfreiheiten immer wichtiger und sollten daher auch rechtlich größere Bedeutung haben."
Auch in der Frage der Schutzdauer von urheberrechtlich geschützen Werken sollte stärker differenziert werden. Aus welchem Grund sollen alle Werke pauschal gleich behandelt werden? "Die Schutzdauer ist heute für alle Werkarten gleich: 70 Jahre post mortem auctoris. Ich meine, dass diese Regelung für sehr viele Werke höchst unangemessen ist. Wenn man sich vorstellt, dass jemand eine kleine Shareware für ein bestimmtes Betriebssystem schreibt, dann hat diese Software eine Halbwertzeit von vielleicht drei Jahren, danach ist sie gar nicht mehr benutzbar. Dennoch beträgt die Schutzdauer möglicherweise 120 Jahre und mehr. Ich meine, dass das nicht angemessen ist und zu großen Schwierigkeiten führt."
Es ist sehr lohnenswert, einen tieferen Einblick in sein Modell zu bekommen, zum Beispiel indem man das gesamte Interview auf Telemedicus liest und sein dreistufiges Modell eines neuen Urheberechts genauer untersucht. Würden wir ein Urheberrecht in dieser oder einer ähnlichen Ausgestaltung haben, so wäre das eine oder andere Problem unserer Zeit gelöst. Er sagt: "Nach meiner Idealvorstellung müssen Nutzer nicht ins Gesetz schauen. Schon von vornherein soll klar sein, dass der private Bereich nicht unter ein Verbotsrecht des Urhebers fällt. Man soll sich in diesem Bereich nicht strafbar machen oder Abmahnungen kassieren. Es sollen aber Vergütungen bezahlt werden."
Till Kreutzer engagiert sich für ein zeitgemäßes Urheberrecht im 21. Jahrhundert, unter anderem als Redakteur auf dem Portal iRights.info, sowie also Autor für unterschiedliche Zeitschriften und als Rechtsanwalt. (020200)
(via Telemedicus, thx!)
News Redaktion am Montag, 02.02.2009 03:22 Uhr
Ich weigere mich, einige Künstler als Künstler zu bezeichnen :D Deren Musik ist mir selbst zum Downloaden zu scheisse. ...
auserdem, wenn man pauschal geld einsammelt wird das wieder ungerecht verteilt, so das 3-4% der "künstler" 95% davon bekommen und der rest zu sehen muss wie er zurechtkommt. du meinst wohl eher 3-4% der Plattenfirmen, denke nicht das die Künstler davon etwas sehen würden ...
Das ist so, wie wenn die Regierung auf die Idee kommt, für den Drogenverkauf Steuern zu kassieren. bring die nicht auf dumme ideen, sonst versuchen die noch wirklich ihr Kasse damit zu füllen. auserdem, wenn man pauschal geld einsammelt wird das wieder ungerecht vert ...
Das ist so, wie wenn die Regierung auf die Idee kommt, für den Drogenverkauf Steuern zu kassieren.Ähm... Tabak- und Alkoholsteuern? ...
Kurzlösung: Auf jeden Verkauften Rohling 0,50 € Auf jede Verkaufte Hardware 5,- € Das alles unter Musikindustrie, Softwarehersteller, und Buchautoren etc. aufteilen. Dann kann jeder machen (kopieren) was er will. :T Du weist aber schon, dass das schon lange der Fall ist? ...
Julian Wolf am 27.05.2012, 21:08 Uhr
Die amerikanische Fluglinie „American Airlines“ muss sich aktuell gegen Vorwürfe wehren, das Unternehmen benachteilige Kunden mit bestimmten moralischen Ansichten. Weil eine Passagierin auf ihrem T-Shirt den Spruch „If I wanted the government in my womb, I’d f*ck a senator“ trug, konnte sie nicht an Bord ihres Anschlussfliegers.
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