
Trotz der zahlreichen Social Events, die gestern Abend jeweils von den einzelnen Communities veranstaltet wurden, waren die meisten Besucher heute früh wieder pünktlich an Ort und Stelle. Gestern hatte unser Besuch ein jähes Ende gefunden. Der Sicherheitsdienst warf die Teilnehmer aus allen Gebäuden recht unsanft hinaus. Dieses weniger freundliche Unterfangen machte erneut deutlich, dass die hiesige Universitätsverwaltung keine Ahnung davon hat, wen sie da eigentlich in den eigenen Räumlichkeiten unterbringt. Sind wir denn wirklich nur ein paar Verrückte, die gerne auf unseren Maschinen rumhacken? Betrachtet man die Szene, die heutige Open Source Bewegung, ist sie alles andere als das. Ein anonymer Besucher äußerte gegenüber der Redaktion, hätten Intel, Nvidia, ATI oder Microsoft das Event ausgerichtet, man hätte uns allen den roten Teppich ausgerollt und der Bürgermeister von Brüssel hätte die Eröffnungsrede gehalten. Auf die Rede des Politikers mag man gerne verzichten, auf etwas moderatere Öffnungszeiten nicht so gerne.
Wir haben zwei Organisatoren der geplanten Veranstaltung OpenRheinRuhr getroffen. Derzeit sucht man noch nach einer ausreichend großen und trotzdem bezahlbaren Location im Ruhrgebiet. Nachdem im Vorjahr die Come2Linux sehr kurzfristig abgesagt wurde, sollen die Freunde Freier Software in 2009 wieder eine Heimat im Ruhrgebiet finden. Der Name wurde absichtlich in dieser Form gewählt, um alle Teilnehmer, die sich nicht direkt mit Linux befassen, nicht auszuschließen. Wenn die wichtigsten Eckdaten stehen, wird in Kürze auch das Call for Papers bekannt gegeben. Man möchte sich sowohl an die zahlreichen privaten Endanwender in diesem Bereich wenden, als auch an Unternehmen, die quelloffene Betriebssysteme und Software bei sich einsetzen und nach Kontaktmöglichkeiten zu Entwicklern suchen. Im Herbst werden im Raum Oberhausen erneut bis zu 1500 Gäste erwartet, wir werden weiterhin zeitnah über das Ereignis berichten.
Bei Debian stehen derzeit alle Zeichen auf Lenny. Der Nachfolger von Etch wird in wenigen Tagen erwartet und wurde vor allem in Bezug auf seinen Installer verbessert. Das neue Update enthält daneben natürlich noch zahlreiche andere Neuerungen und Bugfixes. Debian hat wegen seiner Stabilität und der konservativen Updatepolitik gerade beim Betrieb von Webservern eine wichtige Rolle inne. Lenny soll sich aber natürlich auch an alle Privatanwender richten. Recht unterhaltsam war auch die Pinnwand quer gegenüber vom Debian-Stand. Dort durften die Besucher Sticker an der Pinnwand anbringen, welche Punkte für und welche gegen Gnome sprechen. Die unter Love beziehungsweise Hate angebrachten Notizen fanden kaum genügend Platz.
Am Stand von MySQL kam es bereits gestern zu einem ausführlichen Gespräch mit dem Community Manager von Sun Microsystems. Seine Aufgabe ist es, in Bezug auf die eigenen Anwender von MySQL am Puls der Zeit zu sein und das Unternehmen auch nach außen hin zu vertreten. Es ist schon ein wenig überraschend, dass ausgerechnet eine Lösung für Datenbanken einen eigenen Community Manager beschäftigt. Hersteller Sun bemüht sich im Moment darum, vom Image eines reinen Hardwareunternehmens wegzukommen. Noch habe der Community Manager in seinem Bereich keine Auswirkungen der Finanzkrise spüren können. Ein Entwickler vom Konkurrenzprodukt PostgreSQL (auch ein Datenbanksystem) bemerkte allerdings, dass uns alle die Krise früher oder später treffen wird. Selbst wenn im Moment primär die Banken, die Autoindustrie und deren Zulieferer erhebliche Verluste einstreichen, so werden die dort freigestellten Mitarbeiter weniger konsumieren, was im Wirtschaftskreislauf weitere Wellen schlägt. Es ist nicht die Frage, ob wir die Krise zu spüren bekommen, sondern eher wann. Für seinen eigenen Arbeitgeber, der auch auf PostgreSQL setzt, sieht er weniger problematische Zeiten auf sich zukommen. Ihre individuellen Branchenlösungen würden den Auftraggebern Geld und Zeit sparen, weswegen die Auftragslage noch immer unverändert sei. Trotzdem könnte man feststellen, dass immer mehr Entscheidungsträger vorsichtig agieren, wenn sich Gespräche um neue Geldausgaben drehen.
Auch bei Mandriva, einer schon über 10 Jahre alten Linux-Distribution blickt man zuversichtlich in die Zukunft. Auch Anfänger sollen angesprochen werden, weswegen man sehr viel Wert darauf legt, dass das eigene Betriebssystem möglichst problemlos auf jeglicher neuer Hardware und mit allen möglichen Erweiterungen funktioniert. In Bezug auf das eigene Desktop bezeichnete sich der Entwickler aus Frankreich als regelrechter Grafik-Fetischist. Ihm wäre es sehr wichtig, dass die Oberfläche seines Desktops sehr ansprechend aussieht. Die zahlreichen Netbooks am Stand haben diesen Wunsch eindrucksvoll unterstrichen. Mandriva hat schon im Jahr 2007 die ersten 3D-Effekte aufs Desktop gebracht. Er persönlich hat sich als Programmierer beruflich wie auch privat für diesen Sektor entschieden. Seine Motivation war es, die Bewegung für Freie Software aktiv mit seiner Arbeit zu unterstützen.
Harsche Kritik war weder von den Personen zu hören, die einen Stand organisieren, noch von den Besuchern selbst. Ein Mitarbeiter eines Standes gab zu bedenken, die Aufteilung der Räume wäre teilweise etwas unglücklich ausgefallen. Eher kleine Usergruppen verfügen über viel zu große Räume, in denen sie sich verlaufen könnten. Andere Gruppen hingegen wussten nicht wohin mit den vielen Seminarteilnehmern. Ansonsten war für alle Interessierte ausreichend Platz für jegliche Aktivitäten vorhanden. Man sollte dabei aber auch bedenken, dass sich diese Veranstaltung wie immer ausschließlich durch die Einnahmen durch Sponsoren finanziert. Trotz des enormen organisatorischen Aufwands ist der Eintritt traditionell umsonst.
Derweil ist die Fosdem bei schönstem Wetter noch immer in vollem Gang. Die Mittagszeit wurde eingeläutet, viele Leute zieht es weg vom Rechner und hin zum Pommeswagen vor der Tür oder in die eigene Kantine vor Ort. Die meisten Aussteller werden noch bis in die Abendstunden anwesend sein. Besucher aus aller Welt waren nach Brüssel gekommen, um sich auszutauschen. Letztlich wendet sich dieses Event als das europaweit größte Entwickler-Meeting der Szene auch primär an sie und weniger an die Endanwender. (Ghandy)
Bild1: Platz satt! So riesig war der größte Hörsaal der Universität.
Bild2: Nicht jeder Fuchs ist der Firefox - Werbetafel in Brüssel
Bilder und Text: Lars Sobiraj aka Ghandy
News Redaktion am Sonntag, 08.02.2009 15:38 Uhr
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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