
Der Blogger "pantoffelpunk" ist dem einen oder anderen kritischen Internetnutzer schon durch seine oft bösen, aber immer sehr treffenden satirischen und lustigen Postings über politische Themen bekannt. Nun scheint es, als hätte besagter Blogger seine Bekanntheit noch einmal gesteigert: Mit einer spektakulären Aktion macht er auf die Problematik geplanter Internetsperren aufmerksam und sorgt gleichzeitig für Lachanfälle vor zahlreichen deutschen Bildschirmen.
Unter dem beunruhigenden Titel "Erste deutsche blogs und kritische News-Seiten gesperrt" steht einer der aktuellen Blogeinträge des pantoffelpunks. In diesem Beitrag wird der Leser informiert, dass einige bekannte kritische News-Seiten und Blogs, beispielsweise annalist, fefes Blog und auch das Heise-Magazin Telepolis, vom Bundesinnenministerium bereits blockiert werden. Darunter führen Links auf die entsprechenden Seiten. Was nur der aufmerksame Betrachter sieht: Diese führen über einen Redirecter und landen so bei einer vom pantoffelpunk selbst gestalteten Seite.
Diese Seite sieht der des Bundesinnenministeriums täuschend ähnlich, hat es inhaltlich aber in sich. An so ziemlich jeder Stelle wird sich gnadenlos und sehr gekonnt über aktuelle deutsche Antiterrormaßnahmen und die oft als Panikmache empfundene Rhetorik von Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble lustig gemacht. Das fängt schon mit der Anrede an, werden Besucher doch mit "sehr geehrter Gefährder, sehr geehrte Gefährderin" begrüßt.
Es folgt ein informativer Text darüber, dass die gewünschte Seite gesperrt ist. "Wir bitten nicht nur um Ihr Verständnis sondern auch um demütigen Dank, denn mit der Sperrung der Seite schützen wir nicht nur uns und unsere Posten und Tantiemen sondern auch Sie vor gefährlichem, grausamem, menschenverachtendem Terrorismus (z.B. von Islamisten, Kommunisten oder Kindern)," heißt es.
Der dankbare Leser wird im Folgenden über mögliche Gründe der Sperrmaßnahme aufgeklärt. Aufgeführt werden Gründe wie "Die Seite enthält südländisch wirkende Gebete", "Die Seite enthält kritische Anmerkungen zur Politik der Regierung" und "Die Seite schadet in irgendeiner Form einer unserer gut zahlenden Lobbys (z.B. Musik)". Besonders böse auch folgende Begründung: "Die Seite enthält soziologische Begriffe, die wir noch nie gehört haben (Gentridingenskirchen)" - Anspielung auf den Soziologen Dr. Andrej Holm, der durch die Verwendung eben dieses Begriffes in Terrorverdacht geriet und Hausdurchsuchungen, Haft und Überwachung durch das BKA hinnehmen musste.
Darüber hinaus ist die Seite mit Werbeanzeigen für alles vom "vom Bundesinnenminister empfohlenen" Waffenhändler Klaus Schreiber bis hin zu einem "Wer wird Millionär"-Prominentenspecial mit Wolfgang Schäuble sehr liebevoll gestaltet und durchaus auch einen zweiten und dritten Blick wert.
Die Reaktionen der Community auf die Aktion waren lebhaft. Die Mehrzahl der Besucher begrüßt die Aktion und freut sich an dem gelungenen Scherz auf Kosten des in diesen Kreisen notorisch unbeliebten Innenministers. Allerdings gibt es auch einige kritische Stimmen. Die meisten dieser Leute erzählen, sie hätten die Seite eine Weile für echt gehalten. Daher sind sie über den damit verbundenen Schock-Effekt weniger begeistert oder halten die Seite gar für "geschmacklos".
Bei allem Spaß, den die meisten Leser an der Aktion hatten (und der ja auch sehr wichtig und in diesen Zeiten mehr als notwendig ist) darf man aber nicht vergessen, dass diese Aktion, wie es bei Satire meistens der Fall ist, einen ernsten Hintergrund hat. In der Tat befürchten Viele, dass die von der Bundesregierung derzeit stark vorangetriebenen Internetsperren früher oder später für das unterdrücken abweichender Meinungen und kritischer Berichterstattung genutzt werden - auch wenn das natürlich etwas diskreter geschehen würde, als es uns der pantoffelpunk vormacht. Auch die Tendenz, alle möglichen Verhaltensweisen als "terrorverdächtig" einzustufen, hat schon sehr viel reales Leid verursacht und Unschuldige in Verdacht gebracht. Wer also herzlich über die Aktion des pantoffelpunks gelacht hat, könnte sich überlegen, die dort in humoristischer Weise gezeigten Missstände durch politisches Engagement zu bekämpfen. (Annika Kremer)
News Redaktion am Sonntag, 22.02.2009 14:04 Uhr
Lustige Seite - und doch bittere Realität. ...
Gelungene Comedy :D Auch das Bild, welches auf der gefakten Innenministeriumsseite verlinkt ist, finde ich sehr gelunfen: http://blog.pantoffelpunk.de/brechmittel/wwm-wolfgang-wird-millionaer :T ...
Habe sehr gelacht. Hut ab für diese klasse gemachte und richtig gemeinte Aktion! Weiter so! :T PS: Bei den Tittenbildern wär mir fast das Malzbier aussem Gesicht gefallen ... Sauber ;) ...
Die Idee ist mal wieder genial. Und das dies auch noch realen Gesetzesentwürfen entspricht macht das ganze irgendwie tragikomisch. ...
Ich lache mich kaputt ... Klasse gemacht. :T ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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