
Alastair Reynolds, der Autor von "Revelation Space" and "Century Rain", fragt sich, ob wir es uns mit unserer modernen Technik nicht ein wenig einfacher machen könnten, um (aus der) Geschichte zu lernen. Silberstreifen am Horizont, dunkle Wolken, demnächst kommen die Geisterjäger. In den Häuserschluchten von NewYork springt Spiderman von Dach zu Dach und Hulk linst um die Ecke und bekommt gleich einen Verwandlungs-Anfall. Die CGI (Computer Generated Imagery - 3D Computer-Animation) genannte Technologie, die all diese faszinierenden Bilder liefert, könnte nicht nur dazu eingesetzt werden, um uns einen neuen Blockbuster zu präsentieren, meint Reynolds, sondern auch, um uns etwas unendlich interessanteres zu präsentieren: die Vergangenheit.
Er meint die Technologie steht bereits zur Verfügung.
"Stellen Sie sich vor, Sie könnten in simulierten Szenen aus der Geschichte herumlaufen, wäre das nicht wert, sich eine Stunde damit zu beschäftigen? Ich rede hier nicht vom Holodeck, ich rede von einer Sache, die wir schon nächste Woche haben könnten, wenn wir die erforderlichen Technologien kombinieren würden." Reynolds will einen Anfang machen, indem er die Technologien zusammenfügt, wie kombiniert man aber Simulation und z.B. eine super-leistungsfähige Spiele-Konsole? Die Bemühungen der Spielindustrie, die uns in den 80ern noch einen Datenhandschuh (data glove siehe unten) anziehen wollten und uns die virtuelle Welt hinter einer Datenbrille verkaufen wollten, meint Reynolds nicht.
Wir bräuchten ein Gerät, ein display device, das die räumliche Umgebung dauernd erzeugt und den Blickwinkel des Users erfasst, imitiert und darstellt, so etwas wie ein virtuelles Headset. "Wir könnten sie goggles nennen, aber sie müssen nicht wie Bonos Sonnenbrillen aussehen. Sie wollen ja nicht aussehen wie ein kompletter Idiot, oder? Also lassen wir das mit Bonos Gläsern."
"Das Problem mit der virtuellen Realität ist, dass es so 90er Jahre besetzt ist, alles schreit auf und fürchtet den Rasenmähermann. Können wir es besser machen? Können wir die Simulation mit der realen Welt besser kombinieren?", fragt Reynolds und antwortet im gleichen Satz, "Ja, einfacher als man glaubt, es passiert jetzt schon."
Nach seiner Ausführung, brauchen wir kein motion capture: Diese aufwendige Verfahren, in dem mittels verdrahteten Anzügen, die Bewegungen von Menschen auf digitale Objekte übertragen werde. Dies sei zu kompliziert.
Das System, von dem Reynolds spricht, soll nicht aufzeichnen, wie sich die Person (User) bewegt, sondern soll die Bewegung der Schutzbrille ("goggles" genannt - was keine Erfindung des Autors ist, das Wort existiert) aufzeichnen und diese in Umlaufbilder um wandeln. Aha. Da ist der Science Fiction Autor dann doch zu den Sternen galoppiert, möchte man vermuten. Aber der Mann hat auch Physik und Astronomie studiert und deshalb, scheint die Idee auf den zweiten Blick nicht ganz unmöglich. Mit einem GPS Signal, dass in die Brille integriert ist, sollen alle Daten geliefert werden, die das System braucht.
Wenn es nach ihm geht, muss man nun nicht mehr "in einem fensterlosen Raum eingesperrt sein" und darin wie ein "wahnsinniger Pantomime" herumtollen. Man kann in seiner Lieblingsstadt mit der Brille auf der Nase herumlaufen,, gleichzeitig liefert diese Bilder, die die Gebäude 1:1 überlagern, gespeist aus der Computersimulation. Eine perfekte Integration von Simulation in die reale Welt.
Das Ziel der Übung ist es, dass die Brille nun nicht die Bilder von heute liefert, sondern die Bilder der Vergangenheit. So kann man Geschichte erlebbar machen. Schnell mal auf dem Alexanderplatz zurückspringen in die Kaiserzeit oder weiter zurück, als die ersten Siedlungen Berlins dort unten, in der Nähe des Roten Rathauses entstanden. Geschichte wäre präsent und nicht mehr staubiges Bücherwissen. Mit einer Zeitleiste würde man einfach das (Maus)Rädchen zurückdrehen und sich spielend Wissen aneignen.
Der Aufbau und Fall von Gebäuden, Zerstörungen durch den Krieg, der Wiederaufbau usw. "Es würde sich anfühlen wie in der Zeitmaschine von HG Wells und es würde einem einen völlig neuen Eindruck seiner gewohnten Umgebung vermitteln."
An diesem Punkt seines Artikels führt Reynolds aus, welche Vorteile man nun mit dieser neuen Technologie gegenüber dem herkömmlichen Aneignen der Geschichte hätte. Allerdings vergisst er einige zentrale technische Problemchen, was zum Beispiel die Genauigkeit der Simulation betrifft. Die Grenzen des GPS liegen in der (absichtlich integrierten) Ungenauigkeit, die bis zu 10 Meter betragen kann. Eine genaue Überlagerung wäre also nur möglich, wenn man diese Ungenauigkeit ausgleicht. Womit? Der Science Fiction Autor Reynolds wird sicher eine Lösung aus dem Hut zaubern.
Dummerweise gab es auch schon mal die Idee, GPS in eine Brille zu integrieren. Die Firma Rodenstock hatte dies 2007 versucht. "Ein weiterer Einsatzbereich (für die Brille) ist die GPS-gestützte Navigation", schrieb damals ZDNet. Wie das Projekt ausging konnte leider nicht ermittelt werden. Hier zeigt sich, wer als Science Fiction Autor sein Geld verdienen will, der muss heute weit in die Zukunft blicken können, um nicht von der Realität überholt zu werden. Die Spieleindustrie wird die Idee vielleicht aufgreifen oder hat sie schon längst erprobt.
Brille auf und los, wie wäre es mit einem Blick in die Zukunft? Gleiche Umgebung, aber anderes Umfeld? Stell dir vor du bist Computernerd und musst mit dieser Maus arbeiten? Da möchte man doch lieber in der Realität bleiben und die Brille beiseite legen.
(via BBC Danke!)
(Bildquelle Blendernation Danke!)
News Redaktion am Freitag, 06.03.2009 11:29 Uhr
Die GPS-Ungenauigkeit ist zum einen dem System selbst geschuldet und zum anderen absichtlich (lokal) einschränkbar, nach Gusto der USA. ...
Allerdings hätte man den Artikel straffer und vom Ausdruck her besser fassen können. Stellen wie "ein Gerät, ein display device" oder "Schutzbrille ("goggles" genannt - was keine Erfindung des Autors ist, das Wort existiert) ...
Ja, die Idee der Augmentierung. Es wird an einigen Universitäten an ähnlichen Technologien gearbeitet, so zum Beispiel das genannte mit High-End Laptop oder als Low-Version für PDAs. Es gab auch schon Praxistests, bis zur Marktreife dauert es noch ein wenig. ;) ...
Die Idee ist nicht verkehrt, auf die Genauigkeit kommt es da imo auch nicht so an, eher auf die Möglichkeit. Außerdem kann man ja in "ein paar Jahren" von GPS auf Galileo umstellen und dann hat sich das auch erledigt. ;) Problematisch dürfte eher der Teil des "Gerätes" sein, daß diese Bilder er ...
Der Science Fiction Autor Alastair Reynolds beschreibt in der Kolumne "Tech Lab" bei BBC online, wie er sich Geschichte lernen im 21. Jahrhundert vorstellt. So ähnlich wie auf dem Holodeck? Nein nicht ganz... Alastair Reynolds, der Autor von "Revelation Space" and "Century Rain", fragt sich ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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