
Der gestrige Vorfall klingt fast wie eine Steilvorlage für das Aufflammen der Killerspieldebatte.
Der Täter in Baden-Württemberg soll eine schwarze Kampfuniform getragen haben. Er und sein Vater interessierten sich sehr für Waffen - im Haus des Jungen befand sich ein umfangreiches Waffenarsenal. In Interviews gaben Mitschüler an, der Täter wäre sehr zurückhaltend gewesen. Anstatt sich an gemeinsamen Ausflügen zu beteiligen, hätte er seine Freizeit lieber alleine vor dem Computer verbracht, Counterstrike und World of Warcraft gespielt. Wie in der virtuellen Realität hätte Tim K. dabei seinen Opfern gestern gezielt in den Kopf geschossen. Scheinbar war der Tathergang gut geplant und vorbereitet gewesen, die Polizei fand weitere Patronen für die Neun-Millimeter-Pistole des Vaters. Wahrscheinlich hatte er die Patronen dort mit Absicht deponiert um alle Eventualitäten abzusichern. Zudem gelang dem Täter unbemerkt die Flucht vom Schulgelände, weitere Massaker konnten nur durch das energische Eingreifen der Beamten verhindert werden.
Wie lange also wird es dauern, bis die Politiker anfangen wieder härtere Gesetze und Verbote zu fordern? Die Fahnen sind auf Halbmast, noch haben die Killerspiele Schonfrist, diese wird aber bald abgelaufen sein.
Das letzte Mal wurde das Jugendschutzrecht im Jahr 2003 verschärft. Im Vorjahr wurden 43 gewalttätige Computerspiele auf den Index gesetzt. Diese dürfen weder öffentlich ausgestellt noch beworben werden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diesem Attentat die nächsten Verschärfungen folgen werden.
In unserem gulli:Interview mit dem Betreiber der Electronic Sports Leage, Turtle Entertainment, erläuterte Jan Saarmann sehr deutlich, dass er keinen Zusammenhang zwischen solchen Amokläufen und der Benutzung von Egoshootern erkennen kann. "Da gibt es keine Verbindung. Die wird künstlich hergestellt, weil es für einige die einfachste Erklärung ist. Mit den Spielern haben die Aktionisten unter den Politikern einen Sündenbock gefunden, auf den man verweisen kann und der - solange das Thema in den Medien akut ist - ablenkt von eigenen Versäumnissen und vielleicht die eine oder andere Wählerstimme einfängt. Neue Medien machen immer auch zu einem gewissen Grad Angst, schon Aristoteles hat sich über die Auswirkungen von Theaterstücken auf die menschliche Seele den Kopf zerbrochen. Dazu kommt, dass für viele Angehörige der älteren Generationen Dinge wie das Internet und virtuelle Welten unbegreiflich sind - und damit leider auch automatisch gefährlich."
Saarmann sieht die Gründe dafür in einem mangelhaften Familienumfeld und einem nicht funktionierenden sozialen Netz. Schon im Jahr 2006 wurde Counter-Strike pro Monat weltweit fünf Milliarden Minuten lang gespielt. Stimmen die Theorien der Politiker auch nur annähernd, die Straßen der Welt müssten stets angefüllt von mordenden Attentätern sein. Zudem ist bei dieser Menge die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass CS tatsächlich auch von gewalttätigen Menschen gespielt wird. Verurteilen und verbannen was man selbst nicht verstehen kann. Wir sind also sehr gespannt, wie lange es dauern wird, bis der erste Politiker die Steilvorlage für sein Eigentor nutzen wird. (Ghandy)
(Bildquelle: Yannic Meyer @ flickr, thx!)
News Redaktion am Donnerstag, 12.03.2009 12:22 Uhr
alle in der politik und so haben keine ahnung, wie so ein amoklauf sich bildet... killerspiele haben dabei einen nur seeeeeeehr geringen anteil (etwa 1,15%) denn amokläufe werden begangen, durch falschen verhalten der mitschüler und der einsamkeit. viele sehen das leben nicht mehr als sinnvoll an ...
ich habe geweint als ich ein mädchen vor der kamera gesehn habe das in der 5.-6. klasse war und gesagt hatt mein freundin ist tot und ich bin echt geschockt und solche menschen wie dieser Tim.K kotzen mich an.. looser die probleme haben und andere umlegen. und mein vater hatt ne ...
Eben. Aber wollen wir uns "schuldig" bekennen, dass wir die "letzten Ärsche" sind oder wollen wir lieber den "bequemen Weg" gehen und abnicken, falls Spiele mit sehr viel Gewalt drin (eigentlich so gut wie jedes Spiel), verboten bzw. noch mehr indiziert werden sollen. Da finde ich na ...
Eben. Aber wollen wir uns "schuldig" bekennen, dass wir die "letzten Ärsche" sind oder wollen wir lieber den "bequemen Weg" gehen und abnicken, falls Spiele mit sehr viel Gewalt drin (eigentlich so gut wie jedes Spiel), verboten bzw. noch mehr indiziert werden sollen. Da finde ich natürlich ein s ...
Garousan, dein Beitrag hat mich sehr angesprochen. Ich denke ähnlich wie du. Unsere Gesellschaft vergisst Werte und Menschlichkeit. Die Gründe für solche Amokläufe liegen in der entmenschlichten Psyche des Handelnden. Nur dort wird man fündig. Dort muss der Anfang liegen, wenn man sich auf die ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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