
Es ist noch gar nicht sonderlich lange her, dass die Kanzlei Davenport Lyons dem britischen Which?-Magazin einige unangenehme Fragen hätte beantworten sollen. Die Antworten darauf blieben sie natürlich schuldig.
Vorausgegangen war der Intervention des Magazins der Hilferuf eines älteren Ehepaars, welches angeblich urheberrechtlich geschützte Werke via Tauschbörse verbreitet haben soll. Äußerst rasch stellte sich heraus, dass ein Fehler unterlaufen sein musste, und die Kanzlei nahm von ihren Forderungen Abstand. Eines wurde dadurch jedoch deutlich: Die Maschinerie "Abmahnungen für Urheberrechtsverletzungen" ist alles, aber definitiv nicht fehlerfrei. Vielleicht war es gerade diese Erkenntnis, die Atari kurze Zeit später dazu brachte, der unter Filesharern inzwischen gefürchteten Kanzlei den Rücken zu kehren. Für ein Unternehmen dürfte wohl nichts schlimmer sein, als wenn öffentlich festgestellt würde, dass manche ihrer Schritte auch Unschuldige treffen. Die Kanzlei arbeitete - selbstverständlich - weiter und befeuerte den britischen Postweg kontinuierlich mit Material. Nun ist es jedoch so, dass man Fehler niemals zugeben wird - verständlicherweise. Ein wichtiges Wort in dieser Branche: Fehler. Von diesen soll es nämlich keine geben. Umso erstaunlicher deshalb der jüngste Fall aus Großbritannien, von welchem The Register berichtet.
Ein 64-jähriger Leser des Portals berichtet darüber, dass er vergangenes Jahr von Davenport Lyons eine Abmahnung erhalten hat, weil er ein urheberrechtlich geschütztes Werk illegal verbreitet haben soll. Das Werk trägt natürlich einen Namen: Euro Domination 5. Die Rechte an diesem Werk hat das deutsche Unternehmen DigiProtect inne, welche ebenfalls dafür bekannt sind, Jagd auf Filesharer zu machen. Interessant wird das Ganze jedoch aus einem anderen Grund.
Der 64-Jährige konsultierte einen Fachanwalt, um sich rechtlichen Beistand in dieser prekären Situation zu sichern. Dieser kostete ihn 150 Britische Pfund. Zu Anfang dieser Woche erhielt er nun erneut einen Brief der Kanzlei Davenport Lyons, jedoch kein "Erinnerungsschreiben" wie sonst üblich. Ein nicht unterschriebener Brief, in welchem man sich für die entstandenen Unannehmlichkeiten entschuldigt, darf der Betroffene nun in Händen halten.
"Nach weiteren Gesprächen mit ihrem Internet Provider und unserem Klienten zu dieser Thematik hat unser Klient entschieden, dass wir nicht weiter gegen Sie vorgehen sollen. Sie können diese Angelegenheit als erledigt betrachten. Wir möchten uns für alle Unannehmlichkeiten [...] entschuldigen, welche diese Angelegenheit verursacht haben könnte."
Für den 64-Jährigen bleiben lediglich offene Fragen. Ihm fehlen 150 Britische Pfund, die er für eine angemessene Rechtsberatung ausgegeben hat. Wer steht für diese Kosten nun gerade? Was aber viel wichtiger ist: Wieso stellt man plötzlich die Aktivitäten gegen einen 100 Prozent beweissicher überführten Filesharer ein? Von Fehlern wird nicht gesprochen, was sind also dann die Gründe? (Firebird77)
(via theregister, thx!)
(Bild via davenportlyons, thx!)
News Redaktion am Freitag, 13.03.2009 18:51 Uhr
Leider wird sich das nur schwerlich auf Deutschland übertragen lassen, aber es zeigt doch sehr schön, was da teilweise läuft. ...
Ich hoffe für alle Torrent Nutzer dass sich dieser Fall zu einem Präzidensfall, auch in Deutschland, entwickelt. ...
Toll :D ,aber es unterlaufen ja überall Fehler ^^ ...
Die Kanzlei Davenport Lyons ist insbesondere englischen Filesharern ein geläufiger Begriff. Deren Anwälte versenden im Auftrag von Rechteinhabern der Contentindustrie zahllose Abmahnungen an vermeintliche Filesharer in Großbritannien. Dass die angeblich fehlerfreie Abmahn-Maschinerie jedoch al ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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