
Die Journalismus-Professorin Rebecca MacKinnon befasste sich ausführlich mit den Auswirkungen der Netzzensur in China und hielt über ihre Erkenntnisse auf der Emerging-Technology-Konferenz (ETech) einen Vortrag.
Gefiltert werden in China nicht nur Suchbegriffe, die auf kritische Beschäftigung mit politischen Themen hindeuten. Auch bestimmte als unmoralisch angesehene Wörter, vor allem Schimpfwörter, sind verpönt und werden oft zensiert.
Die Chinesen aber wissen sich zu helfen. In der chinesischen Sprache sorgen oft schon geringe Unterschiede bei Aussprache und Betonung eines Worts für eine völlig andere Wortbedeutung. Das machen sich viele netzaffine Chinesen zunutze, indem sie im Internet statt zensierter Begriffe andere, phonetisch ähnliche Wörter verwenden. Ein im chinesischen Internet besonders populäres Beispiel ist laut MacKinnon das Alpaka-Kamel. Eine leichte Veränderung der Aussprache macht aus dem Namen dieses Tiers eine sehr unanständige Beschimpfung, die darauf abzielt, man solle doch Sex mit der eigenen Mutter haben. "Zu den populärsten chinesischen Online-Videos gehört derzeit das Musikvideo eines Kinderchor-Songs über die zotteligen Tiere - oder sollten die Kleinen etwa doch über etwas anderes singen?," berichtet MacKinnon.
Ein für die Zensurgegner fast ebenso beliebtes Maskottchen wie das Alpaka ist der Flusskrebs, da das chinesische Wort dafür fast genauso klingt wie das Wort harmonisch. Das ist deswegen so beliebt, weil der verbreitete Optimismus für die Zensurmaßnahmen der Regierung lange Zeit "Harmonisierung" lautete. Dieses Wort ist inzwischen selbst auf dem Index gelandet, um Beschwerden, dass bestimmte Postings "harmonisiert" wurden, von der Öffentlichkeit fernzuhalten. Die Blogger und anderen Cyberdissidenten, deren Beiträge der virtuellen Schere zum Opfer fielen, wichen daher kurzerhand darauf aus, Fotos von Flusskrebsen zu veröffentlichen.
Mittlerweile haben sich diese Netzmetaphern derart verselbstständigt, dass es bereits erste Mash-ups gibt. "Es gibt derzeit plötzlich ausufernde ernsthafte intellektuelle Debatten darüber, ob Flusskrebse den Lebensraum der Alpaka-Kamele bedrohen", berichtete MacKinnon. Auch der erhoffte Sieg der Cyberdissidenten über die Netzzensur wurde in dieser Form in einem Musikvideo verewigt, in dem Alpakas zu Hip-Hop-Klängen gegen Flusskrebse kämpfen.
Die chinesische Regierung, so MacKinnon, wird derweil im Internet immer selbstbewusster. Einige Politiker beteiligen sich mittlerweile schon an Chats und Diskussionsrunden im Netz. So versucht die Regierung, moderner und toleranter zu wirken. Die Hände schmutzig machen sollen sich andere: Die Zensur wird meist an die Internet-Provider oder die Anbieter von Diskussionsforen und anderen Online-Diensten delegiert. MacKinnon sagte, dass sie kürzlich versucht habe, bei einem chinesischen Blog-Anbieter einen Artikel über die Mütter der auf dem Platz des himmlischen Friedens getöteten Demonstranten zu veröffentlichen. Als sie auf den Button zum Veröffentlichen klickte, erklärte eine Meldung, ihr Artikel sei in einer Moderationswarteschlange. "Und da wird er dann wohl auch bleiben", so MacKinnon.
MacKinnon warnte davor, dass Tendenzen wie in China auch in anderen Ländern momentan zu beobachten sind. Informations- und Meinungsfreiheit im Netz müssen nur zu oft hinter angeblichen Notwendigkeiten der Verbrechensbekämpfung und der Sicherheit zurückstehen. So könnte die Frage auch in anderen Ländern bald lauten: Alpakas oder Flusskrebse? (Annika Kremer)
(via futurezone, thx!)
News Redaktion am Freitag, 13.03.2009 22:39 Uhr
weil der verbreitete Optimismus für die Zensurmaßnahmen der Regierung lange Zeit "Harmonisierung" lautete. ...Euphemismus... :p netz zensur bringt nix Nur schade, dass die Verantwortlichen nie davon erfahren, selbst wenn man es ihnen ein Dutzend mal erklärt. So wie es an f ...
Na da kann man ja bei den Chinesen lernen ... Und zwar netz zensur bringt nix ... mFg ...
Die chinesische Internet-Kultur setzt sich zunehmend und teilweise sehr kreativ gegen die allgegenwärtigen Zensurmaßnahmen der Regierung zur Wehr. Die Journalismus-Professorin Rebecca MacKinnon befasste sich ausführlich mit den Auswirkungen der Netzzensur in China und hielt über ihre Erk ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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