
Die Liste enthält 318 URLs. Sie wurde von Lycos Europe für Sperrungen verwendet, bis der Anbieter im November 2008 aufgelöst wurde. "Die Liste [...] bietet eine wichtige Perspektive fuer die angehenden Debatten um Zensursysteme in Deutschland wie auch dem Rest von Europa", heißt es in der Beschreibung zu dem Dokument auf Wikileaks.
"So gibt die Liste einen Ueberblick welche Inhalte geblockt werden wenn ein Zensursystem besteht und Lobbies ihre Begehrlichkeiten durchsetzen koennen", liest sich die Einführung weiter. Spekulationen über von Sperrungen gefährdete Angebote gibt es immer wieder. Sie fundieren auf Äußerungen von Politikern und Lobbyisten, aber auch auf der Analyse von an die Öffentlichkeit gelangten Sperrlisten wieder dieser.
Jörg-Olaf Schäfers hat sich die Liste für netzpolitik.org angesehen und stellt fest: "Zumindest auf den ersten Blick schaut es so aus, als ob es sich bei einem großen Teil der 318 Einträge um Angebote handelt, die Lycos im Rahmen des einstweiligen Rechtsschutzes aus der Anzeige für Suchergebnisse nehmen musste. Ein paar der gelisteten Seiten deuten auch auf Phishing oder mögliche Betrugsfälle hin."
Andere Einträge haben offensichtlich unappetitlichere Pornographie zum Thema; eine URL verweist auf eine Indymedia-Story über einen Drogenschmuggler, der behauptet, im Auftrag der CIA unterwegs zu sein. Zwischen eklig und absurd finden sich allerdings auch einzelne Seiten von Heise, FAZ und Stiftung Warentest.
Ist es also der große Zensurhammer? Schäfers meint, dass die Aufregung zu spät kommt: "Bereits 2001/2002 wollten Jugendschutz.net und die Bertelsmann Stiftung deutschen Suchmachinenbetreibern eine 'Verpflichtungserklärung' zur Einrichtung einer schwarzen Liste abringen, über die 'unzulässige und jugendgefährdende Adressen' und Suchbegriffe (Schon damals sprach man von 'Stopwörtern') für die Ergebnislisten gesperrt werden sollten."
Lycos Europe, dessen Sperrliste Wikileaks nun veröffentlicht hat, wurde von der Bertelsmann AG als Joint Venture mit dem amerikanischen Unternehmen Lycos Inc. gegründet. Bertelsmann hielt auch bis zuletzt Anteile an Lycos Europe. Die Liste ist also wohl tatsächlich ein Beispiel dafür was passiert, wenn Lobbyisten - die Bertelsmann Stiftung ist Deutschlands wohl einflussreichster Think Tank - die Möglichkeit zur Zensur erlangen.
Wer sich die gesperrten URLs anschaut, wird sich über so manchen Eintrag wundern. Wirklich überrascht sein sollte aber niemand. Denn Suchergebnisse sind nie "unverfälscht": Die Betreiber greifen mit Lokalisierungen, Aufwertungen und Abstrafungen ein, Gerichte verfügen über Sperrungen einzelner Seiten. An Transparenz mangelt es dabei überall. Solange Unternehmen mit Websuchen Geld verdienen, wird sich das allerdings auch nicht ändern. (Simon Columbus)
News Redaktion am Sonntag, 20.09.2009 22:42 Uhr
Wikileaks scheint sehr genau zu prüfen ob Dokumente "echt" sind, wobei freilich immer eine gut gemachte Fälschung vor kommen kann. SCHEINT Hier fehlt mir aber genaueres Wissen zu Wikileaks. Hier mehr Infos wie Wikileaks arbeitet: h ...
Wikileaks scheint sehr genau zu prüfen ob Dokumente "echt" sind, wobei freilich immer eine gut gemachte Fälschung vor kommen kann. Hier fehlt mir aber genaueres Wissen zu Wikileaks. Hier mehr Infos wie Wikileaks arbeitet: https://chaosradio.ccc.de/cr149.html Chaosradio Podc ...
Wie wollt ihr wissen, ob diese Liste überhaupt echt ist?! ...
Das sieht so aus, als hätte irgend nen Prakti jede Beschwerde einfach gesperrt. Ist eigentlich aus Suchmaschinen sicht auch der einfachste Move. Soll erstmal einer beweisen, dass er gesperrt wurde :dozey: ...
Vielleicht schonmal drüber nachgedacht das gewissne kreisen nicht gefallen hat was da stand und sie einfach nur ihren anwalt vorgeschickt haben um das sperren zu lassen? Lycos ist ein scheisshaufen gewesen und wahrscheinlich wollten sie keinen stress und haben im gegensatz zur telekom einfach alles ...
Julian Wolf am 27.05.2012, 21:08 Uhr
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