
Professor Ed Felten, der bekannt dafür ist, die Dinge auch mal von einem anderen Blickwinkel aus zu betrachten, entwickelte zusammen mit seinem Team von Forschern eine neue Sicherungsmethode. Statt mit zusätzlichen Wasserzeichen und Farbstoffen im Papier zu experimentieren, hat Felten sich darauf konzentriert das Papier selbst eindeutig zu identifizieren. Dabei nutzt er herkömmliche Hardware.Das Forschungsteam unter der Leitung des bekannten Computer-Professors Ed Felten hat gerade eine Studie beendet, die der Frage nachging, ob künftige Anti-Fälschungs-Maßnahmen mehr Erfolg haben werden, wenn sie sich auf das Printmedium selbst konzentrieren. Ist es möglich ein einzelnes Stück Papier mit einem "Fingerabdruck" zu versehen, der das Blatt eindeutig identifizierbar macht?
Laut der Studie kann die Frage mit ja beantwortet werden und man braucht dazu nicht einmal eine besondere Hardware.
"Diese Studie stellt eine neuartige Methode für die Authentifizierung der physischen Dokumente dar. Auf der Grundlage von randomisierten, natürlich vorkommenden Mängel in der Textur der Papierform", heißt es in der wissenschaftlichen Arbeit. "Wir stellen hiermit eine neue Methode zur Messung der dreidimensionale Oberfläche eines Papierblattes vor. Dazu braucht man nur einen Scanner. Das Dokument wird in keiner Weise modifiziert. Aus dieser physikalischen Eigenschaft des Papiers, generieren wir einen präzisen Fingerabdruck, der das Dokument eindeutig identifiziert."
Mit anderen Worten taucht das Team in die Microstruktur von Papierblättern ein und sucht nach wiedererkennbaren eindeutigen Details im Papier (Bilder siehe unten). Die Technik sei fälschungssicher, robust und "kann verwendet werden, noch bevor Inhalte auf die Seite gedruckt werden." Die Tatsache, dass Feltens Methode die Vorteile von einfachen Scannern nutzt, ist wichtig. Andere Sicherheits-Techniken können zwar das Material verdächtiger Dokumente untersuchen, aber alle diese Verfahren, das Material genau zu datieren, sind teuer oder aufwändig, oder beides. Feltens primäre Behauptung ist, dass diese Scan-Methode sowohl wenig kostet, als auch sicher ist.
Die Arbeitsgruppe veröffentlichte einen Blog-Eintrag und ein Dokument (PDF) zur Erläuterung ihrer Vorgehensweise. Felten schreibt dort, dass "Im Gegensatz zu früheren Bemühungen, braucht unser Verfahren zur Untersuchung der 3-D-Struktur von Papier, keine exotischen Gerätschaften, es produziert einen prägnanten Dokument imanenten Fingerabdruck, und verlangt keine Veränderung des Dokuments."
Zwar sind auch moderne Scanner nicht in der Lage in die Microstruktur von Papier mit dieser Genauigkeit (Foto: Papier unter dem Microskop) einzutauchen, aber Felton beschreibt den Weg, wie man dennoch zu einem eindeutig identifizierbaren Dokument kommt. Vorsicht, dieser Weg ist steinig, erfordert viel Übung und bleibt nicht ganz ohne Schwierigkeiten. Aber dafür soll er eben mit herkömmlicher Hardware funktionieren. Das Dokument scannen, eine Ecke vergrößern, digital so weit aufblasen wie möglich, diesen Schritt aus unterschiedlichen Blickwinkeln wiederholen, dann erhält man eine Art 3-D Ansicht, eine "Karte, die die kleinen Hügel und Täler auf der Oberfläche des Papiers" abbilden. Wenn man nun ein Wort in diese gescannte Zone druckt, sieht es wie folgt aus:
Was nun folgt, ist eine Tonne Mathematik, die rechtfertigt, wie das Konzept funktioniert, wie die Felder von Licht und Schatten berechnet werden, und was es genau braucht, damit ein Dokument einen eindeutigen Fingerabdruck bekommt. Es gibt auch weitere Informationen darüber, wie vorzugehen ist, wenn das Papier feucht, bekritzelt oder bedruckt ist. Feltens Bericht zu folge kann man anschließend eine Art Fingerabdruck erhalten, der "gegenüber gewöhnlicher Abnutzung des Papiers, wie Knittern, Kritzeln oder Feuchtigkeit und Druck besteht."
Wer also seinen Desktop-Scanner zum Glühen bringen will, der kann sich genauer mit Feltens Anleitung beschäftigen.
Die Zielsetzungen von Feltens "Fingerabdruck-System" sind:
- Eindeutigkeit: Jedes Dokument sollte erkennbar und unterscheidbar von allen anderen sein.
- Konsistenz: Ein Fingerabdruck sollte von mehreren Parteien über die gesamte Laufzeit des Dokuments hinweg nachprüfbar sein
- Prägnanz: Dokument Fingerabdrücke sollten kurz und leicht berechenbar sein (Hüstel!)
- Robustheit: Es sollte möglich sein, den Dokument-Fingerabdruck leicht zu überprüfen, auch wenn das Papier einer "harten Behandlung" unterzogen wurde
- Widerstand gegen Fälschung: Es ist sehr schwierig oder kostspielig ein zweites Dokument, mit dem gleichen Fingerabdruck als das Original herzustellen.
Das vorgeschlagene System kann in all diesen Fälle bestehen. Deshalb sehen Felten und sein Team eine große Zahl von potentiellen Anwendungsmöglichkeiten für diese Technologie zum Vergrößern der Sicherheit in der realen Welt.
Es gibt Überlegungen zum Beispiel auf Stimmzetteln oder für andere anonyme Anwendungen Fingerabdrücke schon ab Fabrik auf dem Papier auszuweisen. Im Gegensatz zu Wahl(ergebnisfälschungs)maschinen hätte man es mit einer Art von Papier zu tun, das der Sicherheit einer Banknote gleichkommt.
Auf zurück zum Papier! Es hält länger als jede Festplatte oder anderes digitales Medium und kann dank Ed-Feltens Forschung nun auch noch individualisiert werden. (double_screening)
(via ars technica Danke!)
News Redaktion am Montag, 16.03.2009 12:39 Uhr
Ich finde die Idee auch sehr gut. Fingerabdrücke sind fälschungssicher- hoffe ich doch. Und so könnte vielleicht die nächste Generation Euro-Scheine aussehen. Denn die Fälschungen sollen immer besser sein. Es gibt sogar erste Hologrammfälschungen. Und das, obwohl ein Hologramm doch so gut wie ...
jetzt diese ID oder whatever noch aufs papier drucken und das ganze ist noch bisschen praktischer. Diese ID digital signieren, Signatur aufdrucken und man hat eine billig herzustellende, quasi fälschungssichere Banknote (solange es nicht möglich ist gezielt ein Papier mi ...
wie ist das genau zu verstehen? die sicherheit besteht darin, dass man das papier untersucht, die genauen unebenheiten (und all die anderen parameter halt) aufgezeichnet werden, daraus eine art hash oder sonstige id entsteht und diese dann irgendwo gespeichert wird, damit man z.B. beim "einlösen" ...
Hm, interessante Methode. Bloß, wird die Textur nicht durch Knicken oder festes Aufdrücken beim Schreiben verändert? :confused: ...
Wasserzeichen im Papier sind von gestern. Eine neue Technik erlaubt es "Fingerabdrücke" im Papier eindeutig zu erkennen. Professor Ed Felten, der bekannt dafür ist, die Dinge auch mal von einem anderen Blickwinkel aus zu betrachten, entwickelte zusammen mit seinem Team von ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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