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Studie zu Amokläufern: Deutliche Risikomerkmale erkennbar

In einer aktuellen Studie zum Thema Amoklauf und deutlichen Gewalttaten der Technischen Universität Darmstadt will man eindeutige Anzeichen für solcherlei Taten gefunden haben. Von Integrationsproblemen, bis hin zum Hang zu brutalen medialen Inhalten werden nicht mit sogenannten Indikatoren gespart. Auftraggeber war das Institut für Gewaltprävention und angewandte Kriminologie Berlin. Ausschlaggebend und dieser Studie zugrundeliegend waren dabei auch Forschungen und Risikomodelle aus den USA, die der Krisenfrüherkennung dienten und 2006 zu einem Ansatz für ein Lösungsmodell führten.

Dr. Jens Hoffmann, forensischer Psychologe von der TU Darmstadt nahm dazu in Zusammenarbeit mit Karoline Roshdi die sieben der mittlerweile acht in Deutschland vorgekommenen Amokläufe als Grundlage, um repräsentative Ergebnisse ausmachen zu können. Schon an dieser Stelle mag sich der Leser fragen, ob es ausreicht, anhand dieser geringen Anzahl an Fällen, eine verallgemeinernde Studie erstellen zu können.

So nennt man als übereinstimmende Merkmale unter anderem soziale Probleme wie Kränkungen, unverarbeitete Verlusterfahrungen, eine problematische und unzureichende Integration ins soziale Umfeld, sowie damit einhergehende Isolation. Trotzdem seien die meisten der Jugendlichen in Vereinen gewesen und hätten auch Freizeitinteressen gehabt. Öffentlich war aus polizeilicher Sicht kaum eine Auffälligkeit registriert.

Was die Entwicklung und das nähere Umfel angeht, so werden die Altersgruppe 14 bis 22 genannt, deutsche Staatsbürgerschaft, sowie in drei Fällen jeweils die Schulzugehörigkeit der betroffenen Schule, jeweils einmal als aktiver Schüler und zahlenmäßig ebenso als ehemaliger Schüler. Hauptsächlich kamen die Jugendlichen aus der Mittelschicht und lebten bis auf eine Ausnahme noch bei ihren Eltern.

Ein Zusammenhang sei weiterhin darin zu erkennen, dass die Jugendlichen von Selbstmord sprachen, ihren Amoklauf ankündigten und ihren Hang zu Waffen durch Vorzeigen selbiger in der Schule demonstrierten. Auch die sogenannten "Todeslisten" seien in der Mehrzahl vorgefunden worden.

Ein weiterer vorrangig übereinstimmender Aspekt sei das Interesse an Mediendarstellungen mit tendentiell hohem Gewaltausmaß, was man bei vier von ihnen auch bei den Ermittlungen im Rahmen der privaten Lebensräume vorfinden konnte in Form von Videospielen, die scheinbar auch einen Großteil der Freizeitbeschäftigung darstellten. Ebenso auffallend war, dass die Taten in manchen Fällen kurze Zeit nach einem ähnlichen Ereignis stattfanden. Es sei also anzunehmen, dass sich so mancher dadurch angespornt gefühlt habe. Eine entsprechende Idolisierung will man auch im Bezug auf die konsumierten Medieninhalte erkannt haben.

Herr Dr. Hoffmann dazu: "Diese schrecklichen Taten junger Menschen stellen den Endpunkt eines Weges zur Gewalt dar, der immer von Warnsignalen begleitet ist und dessen einzelne Schritte in sich logisch sind. Denn zielgerichtete Gewalttaten und Amokläufe sind aus Sicht des Täters ein letzter Ausweg aus einer Krise, für die er keine anderen Lösungsmöglichkeiten mehr hat."

MSX von gulli meint:

Nun, bei so vielen "manche", "teilweise", "größtenteils" und ähnlich ungenauen Mengenangaben in Kombination mit der recht geringen Anzahl der untersuchten Fällen und der schwammig definierten Problemen, ist es wohl etwas schwer, hier nun eine allgemein gültige und aussagekräftige Studie zu erkennen. So beschäftigt sich Herr Dr. Hoffmann zwar bereits seit längerer Zeit innerhalb seiner Tätigkeiten mit dem Bereich Stalking, psychologisches Bedrohungsmanagement, Integritätstests, zielgerichtete Gewalt und Amok an Schulen, sowie Psychologie von Attentaten und Workplace Violence, doch die wirkliche Aussagekraft erscheint etwas fraglich, auch wenn gewisse Punkte sicherlich rein grundsätzlich zutreffend sind. Weiterhin fraglich erscheint, warum man sich gerade jetzt mit einer solchen publicityträchtigen Studie an die Öffentlichkeit wendet, wo die Studien zu nicht tödlichen, aber allgegenwärtigen Gewalttaten unter Jugendlichen oder der hohen Selbsmordrate zu finden sind und wo die weitreichenden Lösungsansätze und -umsetzungen von seitens Politik und Bildungswesen bleiben, die über den engen Horizont "Killerspiele" und "gewaltbeinhaltende Mediendarstellungen" hinausgehen.

In der Aprilausgabe der Zeitschrift "Kriminalistik" kann sich der geneigte Leser dann in der dortigen Publikation der Studie ein Bild der Details machen.

(MSX)

(via Telepolis, merci!)

News Redaktion am Dienstag, 17.03.2009 08:48 Uhr

Tags: studie amoklauf jugendliche gewalttaten risikomerkmale schule

 
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29 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • soricsoon am 19.03.2009 13:26:03

    @eliveo die Forschungsinstitute werden heimlich von der Regierung bezuschusst Nein, nicht heimlich...jedes Institut in Deutschland kann doch ganz offiziell Forschungsgelder beim Bund beantragen. Die Frage ist, wieviel ein einzelnes Institut bekommt wenn es sich mit einer Studie gegen ...

  • eliveo am 18.03.2009 16:05:54

    Das frage ich mich auch. Und ich glaube, die Forschungsinstitute werden heimlich von der Regierung bezuschusst, damit die nachweisen können, dass Amokläufer alle andere als an "friedvollen" PC- und Videospielen interessiert sind. Hauptsache, ihre Studien ähneln sich bzw. beschwichtigen nur "s ...

  • soricsoon am 18.03.2009 13:19:41

    Wie entstehen eigentlich diese -im Tenor- immer gleichen Studien zu den Computerspielen...ich meine, bei der "Fülle" von wichtigen und unabhängigen Forschungsinstituten in Deutschland -die sich in den letzten Jahren ja alle in irgendeiner Form schon mal mit diesen "Ballerspielen" beschäftigt haben- ...

  • MSX am 18.03.2009 13:15:45

    Lieber MSX, du hast recht. Ich bin müde und habe einen Fehler begangen. Ich hoffe ich kann meine Ehre mit einem konsequenten Seppuku wiederherstellen. Danke und ab. Runkelrübe PS.: Liebe Abschiedsgrüße auch an Prepassenger;) Och, Runkelruebe. Nun begeh doch nicht gleich ...

  • Matek0101 am 18.03.2009 12:30:06

    Mir fehlt bei den Psychoanalysen das Umfeld. Denn ich kann ich kann mich dem Gedanke nicht erwehren das sein Umfeld nicht so ganz ehrlich ist.(Psychologie) ...

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