
Peer-to-Peer-Netze wie eD2K, Gnutella und öffentliche BitTorrent-Tracker seien unsicher, tönt es latent paranoid aus Filesharing-Kreisen. Überall lauerten die Überwacher der Industrie und loggten fleißig IP-Adressen. Auch das Herunterladen von Warez über One-Click-Hoster wie Rapidshare kann nach jüngsten Meldungen nicht mehr als völlig sicher bezeichnet werden. Vom Communitygedanken, der laut Kritikerstimmen dabei längst verloren gegangen sei, ganz zu schweigen.
Dass die Filesharer-Subkultur genügend Selbstheilungskräfte besitzt und denjenigen stets einen Schritt voraus ist, die die Szene zerstören wollen, beweisen die jüngsten technischen Entwicklungen. "Darknets" oder Friend-to-Friend (F2F)-Netze, also abgeschlossene Netzwerke, in denen nur Benutzer Daten tauschen, die sich gegenseitig vertrauen, sind im Kommen. Zugegeben: Darknets sind nichts Neues. Mit DirectConnect (DC++) hat es ein Vertreter dieser Filesharingtool-Gattung bereits zu einiger Bekanntheit gebracht und wird vor allem an US-amerikanischen Universitäten verwendet. Schwachpunkt von Direct Connect ist, dass ein solches Netz stets abhängig von einem zentralen Server (Hub) ist. Ferner existiert keine Verschlüsselung des Protokolls, so dass DC-Traffic sehr leicht aufgespürt und per Filterung unterbunden werden kann.
Diverse Tools versuchen seit einiger Zeit mit verschiedenen Konzepten, die Lücke zu füllen, die Direct Connect hinterlässt. Neben privaten BitTorrent Trackern (in die zu gelangen nicht gerade trivial ist) gibt es etwa den "virtuellen" Webhoster Wuala (wir berichteten), das ebenfalls Server-basierte Windows-only-Tool ExoSee, das serverlose Alliance (dessen Entwicklung leider stagniert) und das an Funktionen überfrachtete RetroShare. Auch der kommerzielle und mit dem Image als Adware-Schleuder behaftete Gnutella-Client LimeWire hat seit kurzem Funktionen zum privaten Tausch von Dateien integriert. Das Firefox-AddOn AllPeers ist indes sang- und klanglos eingegangen.
Zum jetzigen Zeitpunkt ist keines der Programme komplett bugfrei, auf allen Plattformen verfügbar, serverunabhängig, einfach zu bedienen und/oder quelloffen. Es fehlt schlicht an einer Killerapplikation, auf die sich ein Großteil der Webnutzer einigen kann und die dadurch eine "kritische Masse" hinsichtlich der Nutzerzahl erreicht. Immerhin, es gibt einen neuen Kandidaten für den F2F-Thron: OneSwarm.
OneSwarm ist ein mittlerweile privat weiterentwickeltes Projekt, das seinen Ursprung an der University of Washington hatte. Es handelt sich um ein in Java geschriebenes Open Source-Programm, das für Windows XP und Vista, Mac OS X 10.4+ und Linux verfügbar ist. Es ist leider bis jetzt nur in englischer Sprache vorhanden. OneSwarm sticht dadurch hervor, dass es nicht nur direkte Datentransfers zwischen Benutzern zulässt, die sich gegenseitig als "Freunde" markiert haben (und Verzeichnisse auf der Festplatte freigegeben), sondern auch "indirekte" Transfers möglich sind.
Ein Beispiel: Ich (Adam) suche über die programminterne Suchfunktion eine Datei "Urlaubsvideo.avi". Mein OneSwarm-Freund Bert besitzt diese Datei nicht, hat aber einen Freund Carl, der die Datei sein Eigen nennt. Carl und ich sind nicht befreundet. Die Datei wird trotzdem gefunden und der Transfer mit Bert als "Mittelsmann" durchgeführt. Carl weiß nicht genau, wer die Datei von ihm herunterlädt - ich (Adam) kenne hingegen die Identität des ursprünglichen Uploaders nicht. Dieses Prinzip wird in einem OneSwarm-Screencast genauer erklärt.
Diese "Transferketten" können in der Praxis noch länger sein. Dadurch sinken zwar die Übertragungsgeschwindigkeiten insgesamt, mithilfe dieses Prinzips wird jedoch sicher gestellt, dass Filesharingaktivitäten nicht von den dubiosen "Kopfgeldjägern" der Contentindustrie in Augenschein genommen wird. Auch dürfte die geringere Transfergeschwindigkeit durch die im Mittel immer schneller werden Breitbandanschlüsse teilweise kompensiert werden. Zum Wesen des F2F-Filesharing gehört es freilich, dass man wirklich nur mit denjenigen tauscht, die man kennt. Die hier und da auftauchenden öffentlichen Tauschgruppen widersprechen diesem Prinzip - der neue Freund Mr. X mit der kompletten Beatles-Diskographie könnte zukünftig durchaus Herr Meier von der GVU mit seinem Honigtopf sein. Dafür, wem man wie weit vertraut, ist jeder selbst verantwortlich.
OneSwarm besitzt eine aufgeräumte Programmoberfläche, die über ein Webinterface oder wahlweise eine (weniger komfortable) eigenständige GUI gesteuert wird. Die Datenübertragung findet SSL-verschlüsselt statt, Benutzer authentifizieren sich gegenseitig per X.509-Zertifikat. Im Programm sind ein klassischer Torrent-Client integriert, eine Vorschaufunktion, die Möglichkeit, herunterladende Musik und Videos zu streamen und einige weitere Kleinigkeiten. Auf Wunsch kann detailliert festgelegt werden, welcher Freund welche Dateien einsehen und herunterladen kann. OneSwarm kann auf Wunsch über das Webinterface auch remote gesteuert werden. Leider hat das Tool noch einen hohen Verbrauch an Systemressourcen (170 MB Speicherverbrauch unter Vista in unserem Test). Auch die Unterstützung für das UPnP-Protokoll zum Vermeiden der leidigen Router-Portfreigaben fehlt noch. Am größten Problem arbeiten die Programmierer jedoch momentan: Bis dato ist es nicht möglich, dass ein freigegebenes Verzeichnis die gesamte Verzeichnisstruktur bewahrt. Schenkt man den Programmierern Glauben, soll dieses Feature bis Mitte April integriert sein.
Fazit: OneSwarm ist ein Programm mit viel Potential, das die Welt von F2F auch Anfängern zugänglich macht. Wenn die Programmierer konsequent daran weiterarbeiten, andere Sprachen integrieren, es zugänglicher machen und nicht mit unnötigen Features überfrachten, könnten wir es hier möglicherweise mit einem neuen Napster zu tun haben.
Mehr Informationen gibt es unter oneswarm.cs.washington.edu/.
Wie lautet Eure Meinung zu OneSwarm und vergleichbaren Programmen? Haltet Ihr F2F für ein Konzept mit Zukunft? Lasst es uns wissen - in den Kommentaren. (fraencko)
News Redaktion am Sonntag, 29.03.2009 15:06 Uhr
Zum Topic - eine Kombination aus Stealthnet und OneSwarm würde langsam aber sicherer sein. Grüße ALOA Diese Funktion wurde in die aktuelle Version (0.6.2) von OneSwarm eingebaut. Das Feature nennt sich "Community Server" und ist äquivalent zu den Webcaches von StealthNet/RShare ...
Schönes Konzept. Fragt sich nur ob es sich auch durchsetzt.:T ...
Hmm, schade dass da nichts genaueres darüber steht, wie sie an die IPs kamen, in Anbetracht der Funktionsweise. ...
Ich möchte ja nicht meckern aber offensichtlich wurden bereites leute wegen Share verhaftet http://www.uguu.org/share/2008-05-13.txt und dabei ging es dort um daten, um die sich hier eigentlich kein schwein kümmert (Animes). gibt es denn sowa ...
@ aloa5: Fall B trifft eingeschränkt zu. Die Dritte Partei, über die Traffic beim zerteilten und verschlüsselten Datenaustausch geleitet wird wird setzt sich aus den 26 Personen selbst zusammen: Person A kennt in diesem F2F-Netzwerk auf Share oder PD-Basis nur Person D, E, ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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