
Um es mit den Worten des Veranstalters zu sagen, so war "Music meets Media" in den vergangenen Jahren für Stars, Sternchen und Manager the "place to be". Stets zeitgleich zur Popkomm organisiert war man in der Lage, prominente Gesichter aller Couleur anzuziehen. Wir haben uns von der Mixtur aus Party, Konferenz, Jobbörse und Social Event lediglich eine Diskussionsrunde mit überaus interessanten Teilnehmern herausgepickt. Das Panel wurde zum Thema "Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise und Internetpiraterie auf die Musikbranche und mögliche Lösungswege" abgehalten.
Wer könnte von der Krise besser berichten, als Katja Gross, die Direktorin der Popkomm höchst selbst. Hatte man doch die Popkomm offiziell wegen der Verluste aufgrund der bösen Filesharer abgesagt. Geladen waren aber auch der Vizepräsident von Musicload, Joachim Franz, Bernd Hocke, General Manager der EDEL AG, der überaus sympathische Medienunternehmer Frank Otto und Stefan Michalk, der Geschäftsführer vom Bundesverband Musikindustrie (BVMI). Aus den Reihen der Politik waren Laurenz Meyer (CSU) und der FPD-Politiker Hans-Joachim Otto geladen. Manfred Gillig-Degrave hatte die Podiumsdiskussion als Chefredakteur der MusikWoche mit organisiert und im Vorfeld den mangelnden Gestaltungswillen der Politik in Bezug auf die Sicherung der Urheberrechte beklagt. Neben dem Moderator Prof. Dr. Jo Groebel saß auch er oben im Kreis der Diskutanten.
Die Diskussion an sich verlief leider recht zäh und wenig kontrovers. Teilweise lag es an der doch sehr hohen Zahl der Diskussionsteilnehmer, aber teils auch an der Tatsache, dass die beiden Politiker mit ihren Beiträgen am meisten zum Zuge kamen. Wie deren Aussagen so kurz vor der Wahl klangen, mag sich jeder vor seinem geistigen Auge ausmalen. Dies bedarf keiner weiteren Erläuterung. Möglicherweise war es auch der derzeit sehr beliebte Kuschelkurs der in der Diskussion Einzug gehalten hatte. Diesen hatte wenigen Tage vorher das Duo Merkel & Steinmeier vorgelebt. Überaus schade die Tatsache, dass der Saal trotz des spannenden Themas recht leer blieb.
Zu unserer Überraschung entdeckten wir wenige Sitzreihen vor uns den ehemaligen VIVA-Moderator und jetzigen Berater Mola Adebisi nebst seinem Auftraggeber, den Rapidshare CEO Bobby Chang. (siehe Bild links). Stefan Herwig versuchte die beiden Herren mit seiner Publikumsfrage bzw. der Aussage, wie schädlich sich Filehoster auf die Einnahmen auswirken, aus der Reserve zu locken. Diese schauten aber unbeteiligt weiter nach vorne, ganz so als ob nichts geschehen wäre.
Inmitten des gut bewachten Bereichs für das Social Event prangerte eine riesige Werbetafel inklusive Rapidshare Logo, welches bei manchen Besuchern für Erstaunen aber auch für ablehnende Äußerungen sorgte. Die Aktiengesellschaft aus Cham war beim Meet & Greet als Sponsor aufgetreten. Wahrscheinlich, um den Kontakt zur Führungselite der Musikbranche herzustellen. Der Internetdienstleister möchte offensichtlich eine ähnliche Funktion einnehmen, wie dies bereits beim Projekt RapidGames der Fall ist. Anzubieten hat man jede Menge. So ist der Filehoster mit seiner Internetpräsenz im weltweiten Vergleich laut Alexa auf Platz 17. Genügend Aufmerksamkeit könnte man damit als Musikfirma allemal auf sich ziehen. Auch die in den Rechenzentren verbaute technische Infrastruktur kann sich mehr als sehen lassen.
Der Haken an der Sache? Während ein Spielehersteller oder Publisher sehr viel davon hat die Trailer und Betaversionen seiner neuen Games dort anzubieten. Wie aber könnte ein One-Click-Hoster mit der Musikindustrie ein für beide Seiten akzeptables Geschäftsmodell entwickeln? Das müssen sich auch die Geschäftsführer der anwesenden Major-Labels gefragt haben, denn uns wurde aus verschiedenen Quellen berichtet, dass zumindest öffentlich keinerlei Gespräche stattgefunden haben.
Spreeblick-Blogger Johhny Haeusler sprach auf dem Eröffnungspanel der c/o pop von einer cloud, einer Wolke innerhalb dessen sich Musik heutzutage bewegt. So sehr er vom Ende der herkömmlichen Vertriebswege überzeugt ist, so lange wird es höchst wahrscheinlich dauern, bis die Musikwirtschaft diesbezüglich ihre Strategie ändern kann, wenn sie dies überhaupt schon will. Dazu kommt: Während die Lizenzierung von eigenen Patches oder spielbaren Betaversionen für jeden Spielehersteller weniger ein Problem darstellt, so komplex stellt sich die Realisierung mit urheberrechtlich geschützten Musikstücken dar. So darf man nicht vergessen, dass neben dem eigentlichen Rechtinhaber die GEMA als auch die GVL ein Wörtchen mitzureden haben. Selbst wenn eines der Labels diese Strategie ausprobieren möchte gilt zu beachten, dass die bestehenden Verträge mit den Verwertungsgesellschaften nicht gebrochen werden dürfen. Ein klanglich minderwertiges Exemplar eines Songs zum Anfixen oder lediglich die ersten Sekunden eines Liedes anzubieten, würde ebenfalls wenig Sinn ergeben. Von der juristischen Problematik mal ganz abgesehen.
Folgen nach Einführung der RapidGames also demnächst neue Portale wie RapidPornos, Rapid e-books, RapidJournals, Rapid audio books, RapidMusic, RapidSoftware, Rapid-TV oder RapidMovies? Dumm wäre es sicherlich nicht auf diesen Zug aufzuspringen. Wer so die Popularität eines seiner Künstler oder Produkte steigern kann, den würden bezogen auf die Musikindustrie die Fans mit Umsätzen physikalischer Tonträger oder vollen Konzertsälen belohnen. Hätten sie nur die Möglichkeit, nicht wenige Musiker würden sicher lieber ihre Werke verschenken, um dann später etwas daran zu verdienen. Das Problem ist und bleibt das starre System, das dahinter steckt. Wer in der GEMA ist, kann bekanntlich nur GEMA-lizensierte Musik veröffentlichen. Wer nicht, kann unter seinem eigenen Namen noch nicht einmal etwas zu einem GEMA-lizensierten Musikstück beitragen. Entweder er verzichtet auf seine Namensnennung und verschenkt quasi seinen Anteil. Oder aber es geht schilchtweg nicht, weil es von der Verwertungsgesellschaft untersagt wird.
Mal abgesehen von den Acts aus dem Bereich der Indie-Labels - den Sprung raus aus der GEMA und z.B. in die Welt der Creative Commons wagen bisher nur die wenigsten Musiker. Soll bedeuten, sie würden vielleicht gerne Rapidshare (RS) als Sprungbrett benutzen - aber sie werden es simpel ausgedrückt aufgrund ihrer Verträge nicht dürfen.
Sollte sich dann wirklich eines schönen Tages alles in einer virtuellen Wolke aufgelöst haben, kann man dann als Songwriter, Musiker oder Interpret noch genügend Umsätze damit generieren? Ohne Ersatz für die jetzigen Verfahren wohl kaum. In einer Umfrage des Magazins MusikWoche gaben 30% der Kreativen an, dass sie in Zukunft hauptberuflich Taxi fahren müssen, weil sie fürchten dann nicht mehr von ihren Einnahmen leben zu können. Der Schuh drückt enorm, leider ist aus den Reihen der wirklich populären Musiker keine öffentliche Kritik zu hören. Wer aber verscherzt es sich gerne mit der Firma, die für den Vertrieb der eigenen Werke zuständig ist? Würde sich nur einer wagen das zu sagen, was er denkt - viele weitere Interpreten und Kulturschaffende würden ihm besimmt öffentlich beipflichten. Erotikunternehmer Tobias Huch will (nach eigenen Angaben) ironisch bei Bobby Chang und Mola Adebisi hinterfragt haben: "Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing nicht ihre Lieder?" Am Stand von RS soll es bis auf ein paar aufgeschlossene Zeitgenossen relativ leer gewesen sein, daneben war für viele eine merkliche Distanz zu spüren. Aber vielleicht gibt es doch irgendwann Möglichkeiten, aus dem schwarzen Schaf der IT-Branche einen Vermarkter zu machen, der allen Parteien zu einem gerechten Lohn verhilft. Wenn es irgendwie geht - eine solche Lösung wäre für alle von Vorteil. Traurig aber wahr: Vielleicht muss nach der finanziellen Schieflage von EMI einfach noch mehr passieren, bis man aufwacht und begreift, dass die Zeit für Veränderungen überreif ist! Es ist nicht fünf Minuten vor zwölf. Nein. Der nächste Tag bricht bereits an, das Morgengrauen hat begonnen.
Darüber hätte man besser im Klartext auf dem Podium sprechen sollen, anstatt sich wie für Politiker nicht unüblich, hinter Worthülsen zu verstecken.
Text & Fotos: Lars "Ghandy" Sobiraj.
Bild rechts (v.l.n.r.): Stefan Michalk (BVMI), Frank Otto (GF von ferryhouse productions) und Katja Gross (Direktorin der Popkomm).
News Redaktion am Donnerstag, 24.09.2009 17:57 Uhr
Der P2P Blog hat das Thema aufgegriffen. ...
Hier ist ein Pressemitteilung: http://www.new-business.de/koepfe/detail.php?rubric=K%D6PFE&nr=585782 Zu Adebisis Aufgaben gehören Messekoordination, Aufbau des neuen Bereiches RapidMusic und die Anbahnung sowie Umsetzung von Kooperationen aus der Unterhaltungsindustrie. ...
Der hat da irgend ne Funktion Chief irgendwas afaik. ...
Btw was hat Mola eigentlich mit RS zu schaffen? Der ist schon letztes Jahr immer auf deren GC Stand gewesen. ...
Ich denke auch, dass sich Rapidshare sich heimlich trotz der DRM-Lobbyisten im Bundestag mehr durchsetzen wird. Also es wird weiter einen Kampf zwischen Filesharing-Unternehmen und der GEMA bzw. anderen "Rechteverwaltungsbehörden" auf der ganzen Welt geben. Sogar in Deutschland wird sich der Kampf ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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