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Urheberrecht: Künstler verletzt eigene Rechte?

Dass das Urheberrecht inzwischen die abartigsten Züge annimmt, erlebt der Designer Jon Engle gerade am eigenen Leib. Er wird beschuldigt, die Urheberrechte diverser Logos mehrfach verletzt zu haben. Die Sache hat aber einen winzigen Haken.

Dieser präsentiert sich in der Form, dass Engle die Logos selbst entworfen hat. Nach einem kurzen Augenblick wird man somit zu der Erkenntnis gelangen, dass er somit der Urheber selbiger ist, wie kann er also zivilrechtlich attackiert werden?

Die Antwort auf diese Frage ist nicht ganz einfach. Sie beginnt mit einer Stock-Art Website, also einem Portal, welches für zahlende Kunden Bilder bzw. Fotografien zur Verfügung stellt, so dass diese nicht erst selbst einen (zumeist) teuren Fotografen oder Künstler engagieren müssen. Diese kontaktierten Jon Engle und erklärten ihm, dass sie die Urheberrechte an 65 Logos hätten. 65 Logos, die Jon Engle lange Zeit zuvor für Kunden entworfen hatte und auch auf seiner Homepage präsentierte. Man forderte ihn auf 275 US-Dollar an Schadensersatz für jedes (!) Logo zu begleichen, somit knapp 18.000 US-Dollar. Das Problem ist lediglich, dass die Website eben nicht die Rechte an den Logos hat, da Engle sie erstellte. Er kann sich nicht erklären, wie die Logos auf die Stock-Art Website gelangten, vermutet jedoch, dass jemand diese von seiner Website nahm, den Copyright-Hinweis retuschierte und dann auf das Portal lud. Diesen Sachverhalt versuchte er auch den Betreibern der Website zu erklären.

Was danach kam, wurde für Jon Engle immer unverständlicher: "Als ich mich weigerte die Rechnung zu bezahlen, nahmen sie sich einen Anwalt, welcher auf Urheberrechtsverletzungen spezialisiert war. Dieser rief mich an und bot mir eine außergerichtliche Einigung über 18.000 US-Dollar an. Wo ist da bitte ein Unterschied zur eigentlichen Forderung? Ich weigerte mich, sie für die von mir geleistete Arbeit auch noch zu bezahlen. Das ist der Gipfel der Lächerlichkeit. Der Anwalt mochte meine Antwort nicht. Er drohte mir zu klagen. Ich sagte 'Dann tut das!' Ich habe keine Zweifel daran im Gerichtssaal zu gewinnen."

Was nun jedoch geschah, ist nicht nur fern abseits jeglicher juristischen Ehre, sondern für Jon Engle regelrecht existenzgefährdend. Der Anwalt bzw. dessen Mitarbeiter begannen, alle Kunden von John Engle, welche sie von dessen Website herausfinden konnten, zu kontaktieren. Sie erklärten ihnen, dass das Logo urheberrechtlich geschützt sei und Jon Engle nicht der Rechteinhaber wäre. Somit würden sie die Urheberrechte verletzen und überhaupt, würde gegen Engle wegen Urheberrechtsverletzung ermittelt. Engle berichtet: "Nun, die neue Taktik, die ich diesen Morgen entdeckt habe, ist viel schwieriger zu bekämpfen. Sie rufen oder mailen an alle meine Kunden, die sie finden können. Sie informieren meine Kunden, dass gegen mich wegen Urheberrechtsverletzung ermittelt würde, und dass das Logo, welches ich für sie entworfen habe, von deren Klient gestohlen wurde. Nachdem ich von Design Outpost gesperrt wurde, begann ich damit, meine Kunden zu kontaktieren, um herauszufinden, mit wem sie Kontakt hatten. Inzwischen habe ich von drei Kunden eine Rückmeldung erhalten. In allen Fällen sind meine Kunden aufgebracht über mich. Sie nehmen die Warnung des Anwalts ernst, ohne mich vorher zu kontaktieren. Ich verstehe ihre Reaktion bis zu einem gewissen Punkt. Ich bin mir sicher, dass sie befürchten, auch bestraft zu werden, weil sie 'gestohlene' Werke benutzen, so dass es das Beste für sie ist, sich von mir zu distanzieren."

Bereits an diesem Punkt sollte man sich fragen, mit welchen Werten die Kanzlei versehen ist, die auf solch niederträchtige Art und Weise versucht, die nicht existenten Urheberrechte ihres Klienten durchzusetzen. Jon Engle indes will weiterhin kämpfen.

"Ich glaube dass ist nicht mehr als eine billige Kampagne, die mich demoralisieren und meinen Ruf zerstören soll. Wenn man sich deren Website ansieht, erkennt man, dass sie auf Erfolgsbasis arbeiten. Dies bedeutet, sie bekommen kein Geld, wenn ihr Kunde keines erhält. Ich habe auch sehr deutlich klar gemacht, dass ich unter keinen Umständen bezahlen werde. Ich melde lieber Insolvenz an und gehe zu McDonalds arbeiten, bevor das passiert. Glauben die wirklich die können mich so unterwerfen? Glauben die, ich stimme einer außergerichtlichen Übereinkunft zu, nur damit alles weg geht? Denkt mal drüber nach. Ich habe die Wahrheit auf meiner Seite und ich werde NIEMALS einen abgehalfterten Künstler oder dessen erpresserische Anwälte bezahlen." (Firebird77)

(via techdirt, thx!)

News Redaktion am Montag, 06.04.2009 19:38 Uhr

tagsTags: künstler verletzung artlaws eigene rechte jon engle stock-art urheberrecht logo bild

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27 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Duckmichweg am 07.04.2009 11:12:40

    Was genau hat dich auf der Seite denn stutzig gemacht? Ist doch verständlich, dass er als Grafiker nicht unbedingt genug Geld für einen guten Anwalt hat, den er gerade definitiv braucht. Das ist mir auch klar, dass man als Freiberufler nicht gerade leicht hat. Trotzdem feh ...

  • rrrrr am 07.04.2009 10:10:25

    Rufmord vom feinsten. Echt heftig, ich will mir gar nicht vorstellen wieviele Kunden er durch die skrupelosen Methoden der Kanzlei verliert. ...

  • irthda am 07.04.2009 09:59:49

    in einem Film gestern im Fernsehen ging es um das Genre der Gangsterfilme und Hollywood. Da sagte ein Produzent: Was ist der Unterschied zwischen einem Hollywood-Anwalt und einem Mafiosi? Wenn du mit einem Mafiosi ein Geschäft machst, kannst du dich darauf verlassen, daß er sich an die Abmachung ...

  • am 07.04.2009 09:17:43

    @Liorin: In manchen Berufen muss man warscheinlich über eine Rechtsschutzversicherung nachdenken. Wobei ich Grafiker nicht unbedingt dazugezählt hätte... Stimmt. Mitlerweile habe ich eine. Hätte auch vorher nicht gedacht, dass man als Grafiker sowas braucht. Am Anfang v ...

  • Toronto am 07.04.2009 08:47:14

    :mad: Ja, in solchen Momenten denke ich an Mord... Wir bewegen uns rasend schnell auf weltweite Guerilla-Kämpfe zu, wenn diese Affen so weiter machen... ich freu mich auf das Feuer! ...

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