
Wenn es um die Verbreitung von urheberrechtlich geschützten Materialien geht, liegt das Hauptaugenmerk gegenwärtig auf diversen P2P-Netzen oder One-Click-Hostern.
Zumindest der wilde Datentausch bei Ersteren hat in Deutschland einen mitunter massiven Dämpfer erhalten, was nicht zuletzt an den zahlreichen Novellierungen des Urheberrechts sowie der Einführung des Zivilrechtlichen Auskunftsanspruches lag. Über ed2k bis hin zu BitTorrent scheint es für die Industrie nur wenige wirklich gefürchtete Gegner im Internet zu geben. Bislang schienen neben den gewöhnlichen Filesharing-Netzen die One-Click-Hoster weit oben auf der Liste derjenigen zu stehen, die es zu bekämpfen galt. Nun offenbart sich jedoch immer mehr ein neuer Gegner, der irritierenderweise älter ist als jede der vorbenannten Methoden.
Die Rede ist vom Usenet, dem Vorläufer des heute bekannten Internets. Es ist nach wie vor aktiv und Anlaufstelle für Tausende von Menschen über den ganzen Globus, sei es um Diskussionen zu führen oder eben auch Dateien zu tauschen. Der besondere Vorteil des Usenet liegt darin, dass die Dateien nicht von einem User zum anderen übertragen werden, und somit nur mäßige Geschwindigkeit erreicht werden. Mit den passenden Zugangsanbietern lässt sich die Kapazität der eigenen Internetanbindung oftmals vollständig ausreizen. Ein "Service", den man bislang nur von One-Click-Hostern gewohnt war. Zu der überdurchschnittlichen Geschwindigkeit gesellt sich zumeist ein Sicherheitsniveau, welches nicht zu verachten ist, erhält man doch keine Abmahnung oder Ähnliches, sobald man sich im Usenet eine Datei herunterlädt. Viele Zugangsanbieter werben sogar mit der absoluten Anonymität, welche sie ihren Kunden zur Verfügung stellen. Der neuerliche Zulauf zum Usenet beruht also keinesfalls nur darauf, dass sich viele von regulären P2P-Netzen vertreiben haben lassen.
Natürlich birgt das Usenet auch seine negativen Seiten, die sich primär in einer relativ langen Eingewöhnungsphase ausdrücken. Leider ist nicht alles so einfach wie der alltägliche P2P-Client.
Diese Vor- wie Nachteile sind inzwischen natürlich auch der Contentindustrie bekannt. Grund genug, sich einen neuen Gegner zu suchen. Einer der ältesten Usenet-Indexing-Websites mit dem Namen Newzbin droht nun eine Klage seitens der Motion Picture Association. Auf der Website lässt sich, ähnlich wie bei The Pirate Bay, eine Datei herunterladen, welche die Endung .nzb trägt. Diese lässt sich in jedem Newsreader öffnen. Führt sie zu einer Datei, so erfolgt der Download selbiger. Bereits im Mai 2008 erhielt Newzbin eine Abmahnung seitens der Motion Picture Association (MPA). Darin erklärte man, dass einige der bei Newzbin zur Verfügung stehenden .nzb-Files zu Werken im Usenet verlinken würden, die von Mitgliedern der MPA urheberrechtlich geschützt wären. Wenige Monate später folgte eine Ankündigung von 'Caesium', dem Betreiber von Newzbin: "Newzbin hat kürzlich zwei ernst zu nehmende Beschwerden bezüglich unseres Indexservices erhalten, es wurden Zweifel laut, ob dies legal sei. Es ist anzunehmen, dass wir in den kommenden Wochen vor Gericht gebracht werden und unsere Rechte verteidigen müssen." Man erklärte, dass man sich rücksichtslos gegen die Anschuldigungen wehren würde, auch sei man der Ansicht, dass das Verlinken auf Inhalte im Usenet legal sei. Man sehe die bisherigen Maßnahmen, um gesetzeswidrige Inhalte auszusondern, als angemessen an.
Anfang Dezember 2008 bestätigte Newzbin, dass man einige der .nzb-Files entfernt hätte, welche zu urheberrechtlich geschützten Filmen im Usenet führen. Dies schien der MPA nun jedoch nicht genug. Man füllte eine Klageschrift gegen Newzbin aus und nun, vier Monate später, stehen die Zeichen auf Sturm. Die Website ist zwar nach wie vor funktionsfähig, doch erste Details zum ungleichen Kampf stehen bereits fest. "Das letzte was wir gehört haben ist, dass es eine Anhörung geben wird (um an die administrativen Details zu gelangen) innerhalb der nächsten paar Monate. Der Fall selbst soll zwischen November 2009 und Januar 2010 vor Gericht verhandelt werden", so Caesium in einer Ankündigung.
Man wird gespannt beobachten können, wie die Judikative auf die Aktivitäten von Newzbin reagiert, gab es doch bislang keinen vergleichbaren Fall. Man hat jedoch bereits jetzt angekündigt, die .nzb-Files notfalls automatisch erzeugen zu lassen und menschliche Eingaben auszuschließen. Interessant dürfte es vor allem jedoch deshalb werden, weil Newzbin selbst nie urheberrechtlich geschütztes Material gehostet hat. Diejenigen, die dies bewerkstelligen, scheinen jedoch bislang nicht das Ziel der Contentindustrie zu sein. (Firebird77)
(via torrentfreak, thx!)
News Redaktion am Dienstag, 07.04.2009 16:37 Uhr
Solange USPs nicht gezwungen werden, urheberrechtliche Dateien von ihren Serverfarmen zu löschen, geht alles noch. Bei Giganews haben Rechteverwerter schon Inhalte gemeldet und löschen lassen. ...
auch für die uploader? da ist doch in D schonmal einer von seinem eigenen Provider abgemahnt und gekündigt worden... ...
Usenet dürfte momentan anonymer als 1-Klick-Hoster sein ... ...
mittel-langfristig wird die Contentindustrie auch das Usenet und alle anderen nichtanonymen "Netzwerke" austrocknen. Ist aber auch eine riesige Chance für anonyme Netzwerke wie Stealthnet etc. :T vielleicht kann man ja irgendwann die Usenetserver dafür nutzen, endlich von der Trafficbremse zu geh ...
€dit: Heißt die Organisation nicht MPAA?definitiv MPAA... edit: hmm, es scheint doch noch ne andere organisation zu geben. also zumindest laut wikipedia, ein "filmverband". Krieg ich jetzt nin Paypal-Cent? :D meld dich bei mir, dann kriegst nen paypal-ce ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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