
Mit ihrer aggressiven neuen Initiative zur Bekämpfung der "Veruntreuung" von News-Inhalten liefert The Associated Press ihren Beitrag zur Urheberrechtsdiskussion von journalistischen Arbeiten.
Auf der jährlichen Sitzung am Montag hielt Dean Singleton, der Vorsitzende von The Associated Press, in San Diego eine aggressive Rede, in der er ankündigte, dass man "Copyrightverletzungen im Internet" nicht mehr hinnehmen wolle.
Wenn dies nun wirklich der Fall sein sollte, dann wird der Markt für die zeitnahe Berichterstattung eng und jede Newsredaktion muss ein wenig schlucken. Blogger und andere Schreiberlinge können sich ihre eingeübte "Strg+C/V" oder auch "Apfeltaste+C/V"-Routine wieder abgewöhnen. Übersetzen, Abschreiben, Umschreiben, Zitieren und neu Zusammenbasteln sind deren/unser Alltag. Welche Redaktion kann es sich leisten (außer vielleicht das Handelsblatt) einen Berichterstatter vor Ort in sagen wir San Francisco zu haben?
In seinen Ausführungen beschreibt Dean Singleton zum Beispiel, dass der Nachrichtenchef Howard Beale stocksauer ist und dass die Agentur "nicht länger zusehen wird, wie andere mit unserer Arbeit unter falschen rechtlichen Voraussetzungen davonziehen. Es macht uns wahnsinnig und wir werden das nicht länger hinnehmen." AP wird also in Zukunft "alle notwendigen Maßnahmen zum Schutz der Inhalte von Associated Press und der AP Digital Genossenschaft vor Veruntreuung im Internet" ergreifen.
Man wird zum Beispiel die wenig beachtete gesetzliche Regelung anwenden, nach der in den Staaten der Newsschreiber ein kurzzeitiges Nachrichtenmonopol auf jede Meldung hat - unabhängig davon, ob diese im Wortlaut oder abgewandelt verwendet wird.
In dem besagten Gesetz zum geistigen Eigentum (Intellectual Property 101) heißt es, dass nur die spezifische ursprüngliche Ausdrucksweise einer Idee geschützt ist, nicht jedoch die Fakten. Fakten kann niemand besitzen oder schützen. Diese Debatte zwischen Nachrichten Organisationen wie AP und News-Portalen wie z.B. Google News wird schon länger geführt. Ist das Kopieren einer Überschrift und der ersten paar Sätze eines Artikels mit einer Verlinkung zur ursprünglichen Quelle schon eine Verletzung dieser Regelung?
Google hat immer behauptet, dass man diese Art der Auslegung zu eng sieht, man könnte damit ein wenig lockerer umgehen. Jaja, die anderen zahlen die Redakteure und Google geht locker damit um und nimmt es einfach in seinen Katalog auf. Wie viele Werbemillionen verdient Google News eigentlich? Mit Inhalten, die man nicht selbst hergestellt hat, könnten sich die Autoren von z.B. AP fragen?
AP reagiert auf die Krise am Zeitungsmarkt. Man muss drastische Verluste im Zeitungsgeschäft hinnehmen. 2008 waren es noch 210 Millionen Dollar, 2010 geht man von nur noch 135 Millionen Dollar aus, die am Ende übrig bleiben.
Auch wenn man 2009 die Dienste noch nicht in der "Tiefe und Breite" verringern will, so kann der Konzern in 2010 nur noch 10% weniger pro geschriebenem Text für seine Autoren bezahlen.
"In Zukunft wird es noch mehr solcher Auseinandersetzungen geben", meint man bei Ars Technica. Wie bei den Musikrechten oder Filmrechten geht es um eine Umverteilung. Wer mit einer Nachricht im Internet Geld verdient, die er nicht produziert hat, der soll auch für diese Meldung zahlen.
Aber die Ausführungen von Geschäftsführer Tom Curley, der auf das laufende Gerichtsverfahren zwischen Associated Press vs. Alle Headline hinwies, machen deutlich, es geht um etwas völlig anderes: "Don't touch my News!", Lass die Finger von meiner Newsmeldung!
Es liegt auf der Hand, warum man bei AP mittlerweile so reagiert. Nach dem jährlichen Bericht zu urteilen hat AP "rückläufige Einnahmen zu verzeichnen, wie seit der Großen Depression nicht mehr."
Die Internet verstärkt das Problem. Die RIAA (Recording Industry Association of Amerika) und die MPAA (Motion Pictures Association of Amerika) können zumindest versuchen- wie ineffizient auch immer -, sich auf das Urheberrecht zu stützen, um das unerlaubte Kopieren ihrer Werke zu verbieten. Aber was AP und andere Newsticker verkauft, ist nicht wirklich eine funkelnde Prosa von Weltklasse Autoren. Es geht um die schnelle Nachricht und um den Zugang zu dieser. Heute hat jeder der Millionen Leser und Newsabonnenten der AP Seiten die Möglichkeit seinen eigenen Teil der Geschichte zu beleuchten und kann sie sofort sichtbar veröffentlichen. Warum sollte man also noch zahlbarer Abonnent einer Newsquelle sein, wenn die Meldung sowieso zeitversetzt in anderen Tickern auftaucht?
Im AP-Jahresbericht wird auch ein Programm beschrieben, dass in Zukunft eine wichtige Rolle bei der neuen Initiative spielen wird. Bereits im vergangenen Jahr hat AP ein Team vorgestellt, dass sich in Zukunft um die Registrierung und Überwachung der Verwendung von AP-Artikeln kümmern wird, um den Missbrauch aufzudecken und zu verfolgen. Man arbeitet dabei mit einem High-Tech-Toolkit, das Print, Web-Sites und TV-Sendungen durchkämmt, um zu ermitteln ob AP Inhalte illegal genutzt werden. Gleichzeitig werden die tatsächlichen Autoren bei AP über ein internes System über diese potenziellen Missbräuche verständigt. Der Mitarbeiter kann dann abgleichen, ob er diese Meldung tatsächlich verfasst hat oder nicht.
Bei Arstechnica ist man noch unschlüssig, wie ernst man die Ankündigung von AP nehmen soll. Aber AP hat ja auch schon versucht Blogger, die fünf zusammenhängende Worte aus einem AP-Text zitierten, zu einer Zahlung von 12.50 Dollar pro Zitat zu verdonnern. Mal sehen, was da noch auf uns zukommt. (double_screening)
(noch via arstechnica Danke!)
News Redaktion am Dienstag, 07.04.2009 18:45 Uhr
Nachrichten sind heute sehr viel schlechter als früher. Sorry fürs OT - aber die Aussage muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen :D ...
Nachrichten sind heute sehr viel schlechter als früher. In den Achtzigern hatte jedes Provinzblatt einen Korrespondenten in Moskau und jedes zweite einen in Tel Aviv, heute haben das teilweise noch die öffentlich-rechtlichen und vielleicht jede dritte Presseagentur, der Rest schreibt nur noch ab. ...
Und wenn es ohne Quellenangabe erfolgt weiss ich ja nicht einmal etwas von Seite y. DAs ist auch ein weit verbreitetes Problem. Denn nur ganz wenige Portale sind auch so fair ihre Quellen anzugeben! ...
Dann ist es sicher auch an der Zeit, Ereignisse, Börsenkurse und all den anderen Quatsch unter Copyrightschutz zu stellen; damit dürfte sich das Problem Presse ja endlich erledigen :D ...
Das Problem Google lässt sich leicht in der robots.txt Datei lösen. ;) ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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