gulli: 23C3: Konsolen-Hacking auf Xbox 360, Playstation 3 und Wii
28. Dezember 2006

23C3 Konsolen-Hacking auf Xbox 360, Playstation 3 und Wii

Die XBox360 ist schon ein Jahr auf dem Markt, PS3 und Nintendos Wii folgen nun. Hoch subventioniert, ist in den Spielkonsolen Hardware verbaut, die zum günstigen Konsolenpreis nicht zu haben wäre. Kein Wunder, dass die Hersteller die Konsolen zum Spielen genutzt wissen wollen - über die Spielverkäufe wird schließlich verdient. Und ebensowenig erstaunt, dass die Hacker die Leistung der siebten Konsolengeneration gern für die eigenen Zwecke nutzen will. Die Box als Heimcomputer? Ob und wie das möglich werden könnte, erklärte Felix Domke.

Das spannendste Ziel scheint die Wii zu sein - obgleich sie mit der schwächsten Hardwareausstattung der Konsolen ins Haus kommt. Mit einem 729 MHz PPC-Prozessor und mageren 88 MB Ram kostet die Wii in der Herstellung geschätzte 150 Dollar - Nintendo ist der einzige Wettbewerber, der beim Verkauf einer Konsole Geld verdient.

Während MS sich erlauben kann, die Xbox auf der leistungsstarken Xbox360 zu emulieren und Sony die PS2 auf einem einzigen Onboard-Chip als Hardware emuliert, ist Nintendos Wii weitgehend kompatibel zum Gamecube. Um GC-Spiele zu spielen, müssen auf der Wii schlicht einige Komponenten deaktiviert und andere ausgebremst werden.

Naheliegend zu prüfen, ob alte Hacks des Gamecube auch kompatibel zur Wii sind. Sie sinds: solange sie nicht auf nicht mehr vorhandene Hardware wie den LAN-Port zurückgreifen. Nachteil: die Wii ist anschließend (bisher) nur als GameCube nutzbar. Andere Schwachstellen wurden entfernt, dafür jedoch neue eingebaut: der undokumentierte serielle Port des GC ist in der Wii wieder auferstanden, der auf dem GC geknackte DVD-Kopierschutz kann - trotz nun verschlüsseltem und signierten Code auf den Game-Disks - ebenfalls geknackt werden. Das führt zu der bizarren Situation, dass die Spielkopierer auf der Wii wohl in Bälde auch gebrannte Games zocken können, die Konsolenhacker selbstgeschriebenen Code in der nächsten Zukunft hingegen nicht auf der Wii ausführen dürften.

Im Hause Sony hat man hingegen - anders als bei anderen Gelegenheiten - mit der PS3 fast alles richtig gemacht - vom Hacker- und vom Herstellerstandpunkt aus. Die für ungefähr 600 Dollar angebotene Box kostet in der Herstellung vermutete 200-400 Dollar mehr. Subventioniert wird ein 3,2GHz-Cell-Prozessor mit sieben Subprozessoren. BluRay und HDTV machen die Konsole zum günstigsten BluRay-Player am Markt.

Sony hat die PS3 für Heimbastler sehr offen gestaltet: "gehackt ausgeliefert" wird die Box nicht komplett, aber auf den größten Teil sind Out of the Box auch mit einem "other OS" nutzbar. Das "andere Os" ist ein Linux, welches Zugriff auf Prozessor und sechs Subprozessoren, den Arbeitsspeicher (256MB), nicht aber den ebensogroßen Grafikspeicher freigegeben, BluRay und Ethernet sind verfügbar. Die Festplatte kann partitioniert werden, auf die Spiel-Partition hat man jedoch keinen Zugriff. Das macht die PS3 auch unter Linux zum ausgewachsenen Mediencenter, nicht jedoch zur Spieleplattform: 3d-Grafik ist deaktiviert.

Der "Hypervisor", der sich zwischen Hardware und Linux schiebt, könnte möglicherweise zu hacken sein, dass dies geschieht, hält Domke jedoch für unwahrscheinlich - die Wünsche der Homebrew-Bastler sind zu weiten Teilen erfüllt, weitere Angriffe lohnen den Aufwand nicht unbedingt.

Auch nach einem Jahr sieht die Lage an der Xbox360-Front hingegen trostlos aus. Die ebenfalls hochsubventionierte Box ist mit ihrem 3,2GHz-PPC-Prozessor mit drei Kernen das lohnenswerteste Ziel, gleichzeitig jedoch das bestgesichertste. Ein High-End-Gerät für 300 Dollar, welches man jedoch nach wie vor weitgehend nur im Sinne Microsofts verwenden kann. "Eines der besten Securitysysteme, die ich kenne", lobt Domke die XBox360, bei deren Absicherung Microsoft einen hervorragenden Job geleistet hätte.

Auch Microsoft kam den Heimbastlern - bedingt - entgegen: "Homebrew a la MS" kann man das hundert Dollar im Jahr teure "XNA Express" nennen. Fürs Geld erhält man eine einfache, aber durchaus mächtige Entwicklungsumgebung, in der komplette Games unter C# entwickelt werden können. Ein "YouTube für Xbox-Games" erhofft sich microsoft von den Heimentwicklern, die über die XBox-Plattformen Microsofts verbreitet werden können. Zumeist, jedenfalls - denn durch die Beschränkung auf die MS-Kanäle besteht für MS natürlich die Möglichkeit zur Zensur.

Auch dass die Sprache proprietär ist und wirkungsvoll verhindert wird, dass Open Source-Bibliotheken zur Spieleentwicklung genutzt werden können, wird MS vorgeworfen. Letzen Endes sei das Programm eine Alibiveranstaltung, mit der MS versuchen würde, Modchippern die Legitimierung zu entziehen - da sie nur noch zum Spielen illegaler Kopien notwendig seien, Heimentwicklern stehe ja eine Plattform zur Verfügung.

Zusammenfassend: Auf der Wii ist mit einigem zu rechnen - vor allem in Hinsicht auf ihr innovatives User-Interface. Die PS3 scheint durch clevere Rechtepolitik Sonys zum unattraktivsten Ziel für Konsolenhacker geworden zu sein. Die größten Potentiale hätte nach wie vor die XBox360 - diese kommt jedoch auch mit den besten Sicherungsmaßnahmen.

  • 21 Kommentare zum Artikel
  • Klar .. fällt dann die Entscheidung leichter sich eine Xbox 360 zu holen obwohl ich es da schon als frechheit ansehe die Festplatte Seperat zu verkaufen. Ich denke für eine kleine 2,5" HD wäre im Gehäuse Platz gewesen. Interessanter wäre sie dadurch auf jeden Fall geworden auch fürs Konsolen Hacking ! Ich seh den Vergleich eigentlich eher zur Playstation 3 denn für das Geld der Konsole leg ich nochmal 300 € drauf und hab en PC der ...

  • xbox 360 soll nun doch gehackt worden sein: http://www.golem.de/0701/49691.html na da dürfen wir gespannt sein, was dadran ist

    Yagharek am 02.01.2007 18:50

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