Der unabhängige IT- und Tech-Kanal!
internet.board.entertainment.games.hardware

Wikileaks.de: Neue Stellungnahmen

Die für die Verwaltung von .de-Domains zuständige DENIC wehrt sich in einer Stellungnahme gegen Vorwürfe der Wikileaks-Betreiber, die Domain wikileaks.de, womöglich auf staatliche Anweisung, gesperrt zu haben.

Die Domain war seit dem 9. April nicht mehr zu erreichen gewesen, ohne dass der Domain-Inhaber und Admin-C, Theodor Reppe, darüber etwas wusste. Die Betreiber der Whistleblowing-Seite hatten einen Zusammenhang zwischen der Nichterreichbarkeit der Domain und den auf Wikileaks verlinkten Kinderporno-Sperrlisten verschiedener Länder vermutet und dies auch in einer Pressemitteilung deutlich gemacht (gulli:news berichtete). Aufgrund dieser Sperrlisten wurde kürzlich bei Reppe eine Hausdurchsuchung durchgeführt und ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Verbreitung kinderpornographischer Inhalte gegen ihn eingeleitet (gulli:news berichtete). Die Nichterreichbarkeit der wikileaks.de-Domain, die sich seit Tagen im Transit-Zustand befindet, soll jedoch nach Angaben der DENIC in keinerlei Zusammenhang zu diesen Vorfällen stehen.

Gegenüber dem Online-Newsportal heise Online nahm DENIC-CEO Sabine Dolderer heute trotz des Feiertages zur Thematik Stellung. Sie betonte, dass die "angebliche Sperrung seitens der DENIC in Wirklichkeit gar nicht stattgefunden" habe. Vielmehr sei am 9.4. durch den Provider mitgeteilt worden, "dass die Domain nicht mehr durch ihn verwaltet wird". In diesem Fall gibt es für den Domain-Inhaber, wie Dolderer erläutert, mehrere Möglichkeiten: Er kann "die Domain zu einem anderen Provider umziehen (Providerwechsel beauftragen), die Domain bei DENICdirect belassen oder aber auch die Domain löschen".

Die Gründe für die Kündigung des Providers erfuhr die DENIC dabei nicht. Jedenfalls habe der Registrierungsstelle bis zum 12. April "keinerlei Providerwechselauftrag oder eine andere Information des Domaininhabers" vorgelegen, so dass man auch nichts bezüglich dieser Domain habe unternehmen können.

"Aber seinen Provider oder die DENIC zu kontaktieren ist sicher weniger spektakulär, als eine Pressemitteilung mit ungeprüften Anschuldigungen rauszugeben", meinte Dolderer und nahm damit Bezug auf die sehr eindeutige Pressemitteilung von Wikileaks, die den Anschein erweckte, wesentlich mehr zu wissen, als es anscheinend wirklich der Fall war.

Auch Domain-Inhaber Theodor Reppe sorgte für einige Verwirrung. Gegenüber dem ORF hatte er am gestrigen Sonntag noch angegeben, nichts über den Verbleib seiner Domain zu wissen beziehungsweise über diesen nicht informiert worden zu sein. Dem widerspricht jedoch sein ehemaliger Provider, Beasts Associated. Dieser nahm mittlerweile ebenfalls zu den Vorfällen Stellung und teilte mit: "Auf Grund von nicht vertragsgemäßen Verhalten des Herrn Reppe wurde bereits Anfang Dezember 2008 der Vertrag fristgerecht und mit entsprechendem Vorlauf zum 30. März 2009 gekündigt. Der Kündigung wurde nicht widersprochen und es ist keine Klage gegen die Kündigung anhängig. In dem Kündigungsschreiben wurde ebenfalls darauf hingewiesen, was mit Domains, welche bis zum Kündigungsdatum nicht umgezogen wurden, passieren würde. "Domains, welche bis zum 31.03.2009 nicht umgezogen sind, werden von uns an die Vergabestelle zurückgegeben oder entsprechend gekündigt." Die DENIC eG sieht in solch einem Fall den Transit vor." Worin genau die Vertragsverletzung Reppes bestand, ist unklar.

Das alles hört sich doch bei Weitem harmloser an, als es zunächst den Anschein hatte. Bei vielen deutschen Internetnutzern dürfte wohl die Erleichterung über diese Tatsache überwiegen. Jedoch werden viele auch Blogger Markus Beckedahl von Netzpolitik zustimmen, der Vorwürfe gegen Wikileaks bezüglich des Umgangs mit der Thematik und der Öffentlichkeit erhebt, indem er schreibt: "Das ist leider etwas unglücklich und unprofessionell von Wikileaks gelaufen, als sie in einer Pressemitteilung am Freitag die ganz große Zensur-Rhetorik auspackten. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass man bei einer solchen Rhetorik mit diesen Vowürfen vorher einige Fakten checkt." Eine Stellungnahme von Wikileaks zu den neuesten Entwicklungen liegt bisher noch nicht vor.

Annika Kremer von gulli meint:

Im Sinne der Freiheit kann man froh sein, dass es in Deutschland offenbar doch nicht soweit ist, dass Domains unbequemer Seiten ohne Vorwarnung "einfach so" gesperrt werden. Das sich jetzt abzeichnende, wesentlich harmlosere Szenario bietet bei Weitem weniger Grund zur Besorgnis um rechtsstaatliche Werte.

Allerdings muss auch Kritik geübt werden: Unter anderem an Theodor Reppe, der offenbar eine derart brisante und im Blickfeld der Öffentlichkeit stehende Domain nicht ausreichend sicherte und auch auf Nachfrage nicht zur Aufklärung des Sachverhalts beitrug (so die Darstellung des Providers stimmt, was sich natürlich nicht mit letzter Sicherheit sagen lässt). Das lässt sich zwar mit dem immensen Druck, unter dem Reppe in letzter Zeit stehen dürfte, erklären und entschuldigen, ist aber trotzdem für die Bewegung und deren Ziele letztendlich sehr kontraproduktiv. Ebenfalls Kritik gefallen lassen, und das in weit größerem Maße, müssen sich die Betreiber von Wikileaks, die offenbar ohne viel Faktenwissen sofort an Zensur dachten und die diese Vermutung dann der Öffentlichkeit mehr oder weniger als Tatsache präsentierten (eine Darstellung, die wir Medienvertreter, das soll hier nicht beschönigt werden, in der Annahme, die Urheber verfügten über mehr Hintergrundinformationen, wohl etwas zu bereitwillig übernahmen). Das alles erinnert an die allseits bekannte Geschichte vom Jungen, der "Wolf" rief, und nützt letztendlich niemandem oder allenfalls den Falschen.

Bei aller Kritik jedoch darf man eines nicht vergessen: In letzter Zeit ist viel passiert, auch und gerade rund um Wikileaks. Die Hausdurchsuchung, das Vorgehen gegen Blogger wegen indirekter Verlinkung - das alles war real, kein Fehlalarm. Und so ist die Panik, fast schon Paranoia, die angesichts dieses Vorfalls viele Internetnutzer ergriff, doch mehr als nur der Ausdruck einer feiertäglichen Überreaktion: Sie zeigt auch, wie sehr die jüngsten Vorfälle viele Menschen verunsichert haben, wie wenig Vertrauen in die Behörden offenbar noch da ist. Und das sollte einem mehr zu denken geben als der Vorfall als solcher. (Annika Kremer)

News Redaktion am Montag, 13.04.2009 16:28 Uhr

tagsTags: stellungnahme domain zensur denic reppe beast associated wikileaks

Bookmark and Share
 
Weitere interessante News
18 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • gado am 15.04.2009 14:11:56

    Seit dem heutigen Freitag ist die Domain wikileaks.de nicht mehr erreichbar. Dabei haben anscheinend die Behörden ihre Hände im Spiel. gulli:news vom 10.04.09 Die Domain war seit dem 9. April nicht mehr zu erreichen gewesen gulli:news vom 13.04.09 Was ...

  • koelnmedia am 15.04.2009 09:30:53

    Hat Provider A die Domain freigegeben? Läuft das Verfahren .net genau wie .de ab? Der Provider A hat die Domain freigegeben bzw. den Transfercode der Registrierungsstelle übermittelt. Den muss man dann beim Wechsel zu Provider B dann angeben. Leider hat Provider B wohl k ...

  • Loncaros am 14.04.2009 23:01:34

    Sitzt Dörr immernoch nicht im Gefängnis? Oder hat er da etwa unbegrenzten Internetzugriff? Wäre bei unserem Strafsystem Marke Butterweich ja keine Überraschung ...

  • ed-goulet am 14.04.2009 22:43:24

    Kulanz? Vielleicht hat denic auch erst später den Status der Domain umgestellt. Vielleicht, weil dieses automatisiert geschieht und man eine Karrenzzeit für "lahmarschige" Provider (Nein, ich nenne keine Namen!) eingeplant hat? Automatik ist IMO g ...

  • steffen107 am 14.04.2009 11:27:58

    @Gravenreuth Wieder mal ein tiefgreifender Post, wie alle Ihre Postings! Diesen Mann sollte man bannen!!!! Aber was soll man von einem Betrüger erwarten ...

weitere Kommentare lesen     Nachricht kommentieren

 
Fotostrecke
News [Interviews]

ACTA: Viel Geschrei um nichts? Jurist Jens Ferner im Interview

Lars Sobiraj am 04.02.2012, 11:32 Uhr

ACTA: die Kabel rausziehen?

Während Die Linke zur Teilnahme an einem europaweiten Aktionstag gegen ACTA aufruft und Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger die Kritik am internationalen Handelsabkommen zurückweist, führte der Jurist Jens Ferner eine ausführliche Analyse jedes einzelnen Artikels durch. Wir fragten ihn, wie gefährlich ACTA tatsächlich ist. In welchem Rahmen bedroht dieses Abkommen unser aller Freiheit?

mehr mehr lesen...

News [Kurioses]

Überwachung mal anders: Polizist in Zivil jagte sich 20 Minuten selbst

Lars Sobiraj am 09.02.2012, 11:40 Uhr

Überwachungskameras

In der südenglischen Grafschaft Sussex ereignete sich letzten Monat ein Fauxpas der besonderen Art. Statt einen Einbrecher zu fassen, jagte ein Polizist mit Hilfe von Kameras für etwa 20 Minuten sich selbst. Sein Kollege an den Monitoren hatte ihn nicht erkannt und fand sein Verhalten sehr auffällig. Der beobachtete Mann habe auf heißen Kohlen gesessen, weswegen er dringend tatverdächtig sei.

mehr mehr lesen...

Browsergames
Gondal World

TOPTIPP: Gondal World

Kämpfe als Held in diesem einzigartigen Fantasy Game. Viele Gefahren und Abenteuer erwarten dich! Escaria spielen

Escaria

Escaria

Erschaffe deine eigene Insel und erobere die Welt. Krieg oder Wachstum - deine Strategie entscheidet! Escaria spielen

Artyria

Artyria

Werde Gladiator und kämpfe im antiken Zeitalter um Ruhm und Ehre. Gehe Bündnisse mit anderen Spielern ein und kämpft gemeinsam gegen die schrecklichen Barbaren. Artyria spielen

Gondal

Gondal

Ziehe als einsamer Waldläufer oder an der Seite von Kampfgefährten in einem Fantasy-Spiel von Abenteuer zu Abenteuer. Gondal spielen

Last Emperor

Last Emperor

Tritt gegen legendären Samurai aus Japan des 19. Jahrhundert an und werde der gefürchtetste aller Samurai. Last Emperor spielen

Nightcreeps

Nightcreeps

Tritt in eine epische Schlacht zwischen Werwölfen und Vampiren, in der nur die Stärksten überleben werden, ein. Nightcreeps spielen

gulli:picsArtikel empfehlengulli RSS News Feedsgulli RSS NewsPresso Feedsgulli:Newslettergulli twittertgulli bei facebookidenticagulli:news im AppStoreSeitenanfang

© 1998-2012 InQnet GmbH