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Schäuble zu Killerspielen: "Verbot verhindert keine Gewalt"

Überraschenderweise zeigte sich Wolfgang Schäuble laut spiele.t-online.de gegenüber einem Killerspieleverbot auf einmal etwas optimistischer und realitätsnäher, als er auf abgeordnetenwatch.de einem Verbot solcher Software keine generelle Verhinderung von Gewalt zumaß.

Man mag es kaum glauben, aber Wolfgang Schäuble, seines Zeichens übereifriger Anti-Terror-Kämpfer und Retter des Staats in Sicherheitsfragen, scheint teilweise zur Besinnung zu kommen. Dies zeigte sich in einer Aussage auf Abgeordnetenwatch, als es aus seinem Munde tönte, ein Verbot von Killerspielen verhindere nicht unbedingt Gewaltszenarien. Auch förderten diese nicht unbedingt Gewaltbereitschaft unter den Spielern. Dies stehe "außer Frage". Eher müsse man in Fällen wie dem Amoklauf in Winnenden die "gesellschaftlichen Ursachen für eine derartige Verwirrung" suchen. Dabei seien neben der Innenpolitik auch Bereiche wie Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik mit einzubeziehen. Trotz dieser warmen Worte sei es auch wichtig, dass man darüber spreche und eine offene Diskussion stattfinde, damit Eltern den Zugang zu solcherlei Themen finden und informiert seien. Was er selbst unter dem Begriff "Killerspiel" verstehe, das beschrieb er als eine "umgangssprachliche Beschreibung und keinen feststehenden Rechtsbegriff". Bestritten hat das noch niemand.

Während also der sich bisher als strikt gegen jegliche Form von virtueller Gewalt aussprechende Herr Schäuble nun auch von einer anderen Seite zeigt, schafft es das öffentlich-rechtliche ZDF mit ihrem nicht gerade ununmstrittenen Sensationsjournalisten Rainer Fromm, sich weiter ins nicht mehr ernstzunehmende Abseits zu schießen. Dieser brachte einen mit falschen Behauptungen - um ihm mal nicht des absichtlichen Lügens zu bezichtigen - gespickten Bericht, der den Titel "Brutale Computerspiele - Forscher warnen" trug. Darin kamen dann angebliche Massenerschießungen in Call of Duty zur Sprache, einem Spiel, welches auch schon Gegenstand der Kritik des bayerischen Schul-Psychologen Werner Hopf war. Dieser meint in diesem Spiel ein "exaktes Training für das Militär" zu erkennen, während es gleichzeitig noch Spieler "gleich(ge)schalte(t) mit militärischem Drill und mit Töten". Nun gut, wenigstens ist das einen Level weniger derb, als es Bayerns Innenminister Joachim Herrmann von der CSU erst kürzlich ausdrückte, als er Killerspiele mit Drogen und Kinderpornographie gleichstellte, wovon er auch in einem Interview mit gulli.com nicht abweichen wollte.

Fragt man jedoch die Ausbilder und Menschen beim echten Militär, die dort echte Waffen in echten Kriegseinsätzen mit echtem Blut, echten abgeschossenen und weggesprengten Körperteilen und echten Toten erleben, so klingt es doch etwas anders, als es Herr Werner Hopf beschreibt. So interviewte die Zeitschrift Game-Pro den Bundeswehr-Hauptmann Oliver M., der in den Bereichen Ausbildung, Sicherheit und Logistik tätig ist und dieser sprach davon, dass es weder möglich sei, durch Computersimulationen die Tötungshemmschwelle bei Soldaten zu reduzieren, noch werde dies praktiziert, weder hier, noch in den USA. Oliver M. hierzu: "Situationen wie die, die bei einem Auslandseinsatz auftreten, kann man nicht virtuell trainieren. Das macht auch die US-Army nicht." - Gängige Praxis seien dagegen echte Rollenspiele. Allenfalls kostensparende "Schießkinos", also begehbare Simulationen, kämen zum Einsatz, würden jedoch in keinster Weise reale Übungen ersetzen. Zum Schluß konterte er noch mit einem "Um einen Spiele-Vergleich heranzuziehen: Bei Pro Evolution Soccer lernen Sie vielleicht die nötigen Taktiken, doch um ein guter Fußballer zu werden, müssen sie trotzdem sehr sehr lange gegen Bälle treten." (MSX)

(via spiele.t-online.de)

(Bildquelle: gameater.com)

News Redaktion am Donnerstag, 23.04.2009 00:37 Uhr

tagsTags: killerspiel wolfgang schäuble gewalt verbot

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51 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • SeriousKano am 26.04.2009 19:24:09

    Immerhin sind bald Wahlen. Aber wenn man den Medien Glauben schenkt, spielen das doch sowieso nur 12-jährige, die das ganz einfach in jedem Laden kaufen können, ungeschnitten und problemlos, weil unser Jugendschutz nicht greift. Und die dürfen ja nicht wählen...;) ...

  • Karash86 am 25.04.2009 02:22:32

    Ah, spielen Zensursula und Schäuble jetzt "Guter Bulle, böser Bulle" ? Ist ja Herz erweichend... Mir kommts eher so vor, als ob Zensursala und Zypries nun dieses Spielchen machen ([URL="http://www.heise.de/newsticker/Bundesjustizministerin-warnt-vor-Begehrlichkeiten ...

  • Der_Aufseher am 24.04.2009 21:11:15

    Solange es nicht so aussieht, kann der Schäuble mir egal sein. http://www.wiedenroth-karikatur.de/KariAblage0806/WK080725_DatenschutzAusweiseElektronisch.jpg ...

  • Shadow27374 am 24.04.2009 14:33:45

    Wie alt bist du? 12? Er hat doch gar nicht mal so unrecht. Die jetzige Regierung ist Braun! ...

  • Abralas am 24.04.2009 04:19:25

    Was würdest du denn stattdessen schreiben? Ich weiß, dass der Begriff "falsch" ist, dass wissen aber auch sicher die Redakteure vom Gulli. Sollen sie "Schäuble zu gewaltverherrlichtenden Egoshootern" schreiben?Ich würde schon die richtige Bezeichnung benutzen. Beispiel ...

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