
Durchgeführt wurde die Veranstaltung, bei der die besten vier von ursprünglich 31 Schulen unter dem Motto "Spielen für Bildung" um den Meistertitel kämpften, vom Kölner Computerspiele-Ligenbetreiber Turtle Entertainment. Dieser richtet auch die Electronic Sports League (ESL), Deutschlands größte und bekannteste eSport-Liga für Amateure und Profis, aus.
Im Rahmen des Turniers ging es allerdings um mehr als nur um den sportlichen Wettkampf und den Spaß an der Sache. Immer präsent war auch die momentane gesellschaftliche Diskussion um "Killerspiele" und die Risiken von Computerspielen. Zu dieser Diskussion wollten auch die Ausrichter des Wettbewerbs einen Beitrag leisten.
"Mit der Schulmeisterschaft wollen wir zeigen, dass wir Impulse für einen verantwortlichen Umgang mit Computerspielen an Schulen geben", sagt Adrian Weiß, Sprecher des Wettbewerbs. Er erhielt sogar Unterstützung von eher ungewohnter Seite: Thüringens Verkehrs-, Bau- und Medienminister Gerold Wucherpfennig verhielt sich entgegen der Klischees von spielehassenden Politikern und erklärte, ein "verantwortungsvoller Umgang mit dem Phänomen Computerspiele" sei "gerade in der aktuellen gesellschaftlichen Diskussion" besonders wichtig. Der Unionspolitiker sprach sich für die Förderung der "positiven Aspekte" des Zockens aus und übernahm sogar die Schirmherrschaft für das eSport-Turnier. "Teamgeist, logisches und strategisches Denken, Kreativität und die Kommunikationsfähigkeit können zweifelsohne durch den virtuellen Sport gestärkt werden", lobte Wucherpfennig. Sogar die soziale Kompetenz könne durch Computerspiele gefördert werden.
Diese Aussagen werden viele Hobby- und Profispieler, die sich schon oft ähnlich geäußert haben, sicher gerne hören. Allerdings hilft diese Harmonie vielen Schülern nur bedingt weiter - viele Schulen beteiligten sich nicht an dem Wettkampf, denn die Direktoren zahlreicher Schulen stehen dem eSport sehr viel skeptischer gegenüber als beispielsweise Gerold Wucherpfennig und verweigern daher die Teilnahme an den Wettkämpfen. Adrian Weiß vom Veranstalter Turtle sagt, dass es unter Schuldirektoren und Lehrern erhebliche Vorbehalte gegenüber dem Projekt gibt. Dabei gibt man sich alle Mühe, sein Thema zu präsentieren und mit den Lehrern in einen Dialog zu treten. "Wir gehen direkt an die Schulen und sprechen darüber, wie man das Thema in den Unterricht einbinden kann," so Weiß. Trotzdem haben viele Pädagogen Computerspielen gegenüber nach wie vor Vorbehalte, sei es, dass sie diese für schädlich halten oder dass sie schlicht ihren Wert als Sportart oder Kulturform nicht anerkennen.
Trotz aller Skepsis an den Schulen jedoch haben Spiele-Fans schon Pläne, wie man Computerspiele noch besser in den Schulalltag integrieren könnte. Aufgrund der vielen positiven Lerneffekte, die sich Befürworter vom Zocken erhoffen, arbeitet das Erfurter "Institut für Computerspiel Spawnpoint" momentan in Kooperation mit Turtle an einem Konzept, um Spiele in die Lehre zu integrieren. So könnte man beispielsweise das "Artwork" von Computerspielen im Kunstunterricht behandeln. Auch die positiven Auswirkungen von 3D-Spielen, insbesondere Shootern, auf die Hand-Auge-Koordination werden mittlerweile von vielen Experten positiv erwähnt und kommen beispielsweise Ärzten im Operationssaal zugute, wie mittlerweile mehrere Studien bestätigten.
Shooter allerdings wurden bei der Schulmeisterschaft nicht gespielt. Wahrscheinlich, um die Eltern und Lehrer nicht zu erschrecken, blieb man bei der Auswahl der Spiele eher brav. Mit dem Strategiespiel Warcraft 3 und dem Fußballsimulator Fifa 09 standen immerhin zwei Disziplinen auf dem Programm, die auch in der ESL profimäßig gespielt werden. Allzu kontrovers sind diese Spiele aber nicht gerade. Die anderen beiden Spiele, der Billard-Simulator Carom3D und das Rennspiel Trackmania, würde man normalerweise gar eher im Fun- beziehungsweise "Casual Gaming"-Bereich vermuten. So wird zwar die Akzeptanz für Computerspiele möglicherweise erhöht, eine wirkliche Aussage zur Killerspiele-Diskussion trifft man damit allerdings nicht. Möglicherweise zeigt dies auch, dass der Dialog in Sachen Computerspiele erst am Anfang steht und sich beide Seiten nur sehr langsam annähern. (Annika Kremer)
(via DIE ZEIT, thx!)
News Redaktion am Dienstag, 28.04.2009 14:24 Uhr
denn die Direktoren zahlreicher Schulen dem eSport sehr viel skeptischer gegenüber als beispielsweise Gerold WucherpfennigHier fehlt etwas... ...
Vielleicht werden irgentwann in 20 Jahren meine Kinder anstatt der nervigen Bundesjugendspiele bei nem ESL-Schulturnier sein. CS oder Quake werden normal sein. Indizierungen gibt es nicht mehr - lol, witzige Utopie :) Aber erstmal versuchen wir lieber, den Überwachungsstaat zu beseitigen, bevor wi ...
Am vergangenen Wochenende fanden in Erfurt die deutschen eSport-Schulmeisterschaften statt. Für die Verfechter wettkampfmäßiger Computerspiele war das auch gleichzeitig eine Gelegenheit, ihr Anliegen der Öffentlichkeit vorzustellen. Durchgeführt wurde die Veranstaltung, bei der die best ...
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