Bradley Manning beim Verlesen seiner Stellungnahme, gezeichnet von Clark Stoeckley vom Bradley Manning Support Network
Die Stellungnahme Mannings wurde von der Journalistin Alexa O'Brien transkribiert und das Transkript ins Internet gestellt. Anhand dieser Mitschrift lassen sich einige Aussagen über Mannings Motive sowie über den genauen Ablauf der Leaks treffen. Die Aussage vor Gericht stellte das erste Mal dar, dass Manning öffentlich zu seinen Handlungen Stellung nahm, und wurde daher von Unterstützern wie Gegnern des mutmaßlichen - oder, wie es nun scheint, tatsächlichen - Whistleblowers mit Spannung erwartet.
Zu Beginn der Stellungnahme nannte Manning kurz seine persönlichen Daten sowie die Stationen seiner militärischen Laufbahn. Er erklärte, er sei - wie unter anderem von seinem Vertrauten David House angedeutet - unter anderem zur Armee gegangen, um Berufserfahrung zu sammeln und nach Abschluss seiner Dienstzeit sein Studium finanziert zu bekommen. Die Laufbahn als Geheimdienst-Analyst (intelligence analyst), so Manning weiter, habe er vor allem aufgrund seines Interesses für Informationstechnologie und Geopolitik eingeschlagen.
Manning berichtete, auf die Anforderungen der militärischen Grundausbildung sei er zunächst "weder physisch noch mental" vorbereitet gewesen und habe diese verletzungsbedingt erst im zweiten Ablauf erfolgreich abgeschlossen. Er sei aber entschlossen gewesen, die Ausbildung trotz seiner Probleme zu beenden. Im Training für Analysten habe er sich deutlich wohler gefühlt, da er besser zu den anderen Rekruten gepasst habe und zudem die geistigen Herausforderungen eher seinen Interessen entsprochen hätten als die eher physischen der Grundausbildung.
Bald darauf, im August 2008, wurde Manning dann das erste Mal stationiert. Seine Einheit sollte zunächst in Afghanistan stationiert werden. Dann aber entschied sich die Armee, sie stattdessen im Irak einzusetzen. Dies, so Manning, spiegelte sich auch in den von ihm analysierten Daten wieder. Er arbeitete also schon sehr früh in seiner Karriere mit Daten aus beiden Kriegsgebieten.
Der nächste Teil von Mannings Aussage gibt bereits Aufschluss darüber, wie der spätere Whistleblower die Sensibilität und Bedeutung der von ihm analysierten Daten einschätzte. Er erklärte, er habe die die von ihm bearbeiteten "SicActs" - Einsatzberichte, wie sie später im Rahmen der "Afghanistan War Logs" und "Iraq War Logs" veröffentlicht wurden - als "historische Daten" betrachtet. Die Informationen in einem einzelnen dieser Dokumente oder einer Gruppe davon seien in seinen Augen "nicht sehr sensibel", erklärte Manning. Der Großteil der darin enthaltenen Informationen werde ohnehin von der Armee-Pressestelle, eingebetteten Journalisten oder den Medien des "Gastgeber-Landes" (dieser Ausdruck wurde von Manning selbst verwendet) veröffentlicht. Als er begonnen habe, mit "SicActs" zu arbeiten, seien ihm diese wie ein Tagebuch oder Logbuch vorgekommen, so Manning.
Manning erläuterte kurz die Erstellung der SigActs. Diese würden meist vom Zugführer oder dessen Stellvertreter erstellt und dann auf dem Dienstweg nach oben weitergegeben. Sie würden entweder per Funk oder über das "Secret Internet Protocol Router Network" (SIPRNet), eine Art vertrauliches Intranet der Armee, übertragen. Innerhalb der ersten 24 bis 48 Stunden sei Gelegenheit für Änderungen und Ergänzungen, danach würden die Berichte finalisiert und archiviert.
Anschließend beschrieb Manning kurz die CIDNE-Datenbank (Combined Information Data Network Exchange), aus der die "War Logs" später heruntergeladen und geleakt wurden. Er berichtete, auf diese Datenbank, in der die Einsatzberichte aus dem Irak und Afghanistan zentral gespeichert werden, hätten von Tausenden von Personen - darunter Soldaten, zivilen Angestellten des Verteidigungsministeriums und auch Mitarbeiter von Vertragspartnern - Zugriff. Ziel der Datenbank sei es, den Analysten einen Überblick über die Situation an den Kriegsschauplätzen zu geben, so dass diese Berichte für die Entscheidungsträger erstellen könnten, um diesen bei ihrem Entscheidungsprozess zu helfen. Neben den SigActs seien in der Datenbank noch zahlreiche weitere Informationen, unter anderem Berichte von Agenten, Gefechtsberichte, soziale und kulturelle Analysen und weitere Berichte gespeichert.
Als Geheimdienst-Analyst, so Manning, habe er uneingeschränkten Datenbank auf die CIDNE-Datenbanken für Afghanistan und den Irak und die darin gespeicherten Informationen gehabt. Er habe im Rahmen seiner Analyse-Tätigkeit "überall" nach Informationen gesucht. Da er die Aufgabe gehabt habe, alle Quellen für seine Berichte heranzuziehen, sei das "etwas, das erwartet wurde" gewesen. Er habe mit Hilfe der in den Datenbanken gespeicherten historischen Daten unter anderem statistische Berichte, Schaubilder, Graphen und Tabellen erstellt. Außerdem habe er Landkarten und Schaubilder erstellt, die Prognosen für die Zukunft auf "statistischer Trends" enthielten.
"Obwohl SigAct-Berichte zum Zeitpunkt ihrer Erstellung sensibel sind, verschwindet ihre Sensibilität normalerweise innerhalb von 48 bis 72 Stunden, während die Information entweder veröffentlicht wird oder die beteiligte Einheit nicht mehr in dem Gebiet und somit nicht mehr in Gefahr ist," so Manning über die Sensibilität der SigAct-Berichte. Er sei der Auffassung, dass diese Berichte nach Ablauf dieser Zeitspanne nur deswegen vertraulich blieben, weil sie in der CIDNE-Datenbank abgelegt würden und nur über SIPRNet erreichbar seien, sagte der Analyst. Alle derartigen Berichte, die sich in den CIDNE-Datenbanken befunden hätten, seien "als Geheiminformation behandelt" worden.
Bild-Quellen: Bradley Manning Support Network
Annika Kremer (g+) am Sonntag, 03.03.2013 19:40 Uhr
Heutzutage ist die Internettelefonie neben Fest- und Mobilnetztelefonie immer gefragter. Per Internet zu kommunizieren ist nicht nur komfortabler und billiger, man ist zudem unabhängig von Tarifen, welche nur eine bestimmte Gesprächszeit günstig ermöglichen. Also wieso nicht auch Internet-Telefonie nutzen?
Lars Sobiraj am 14.05.2013, 13:52 Uhr
Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags steht seit vielen Jahren den Bürgern und Gruppen für ihre Anliegen offen. Wir haben uns kürzlich mit einem der 80 Mitarbeiter des Hauses unterhalten. Da seit der Gründung nur sehr wenige Gesetzesänderungen durch Petitionen entstanden sind, wollen wir den Sinn dieser Institution hinterfragen. Dies ist vorerst der letzte Teil unserer Interview-Serie.
Lars Sobiraj am 12.05.2013, 12:51 Uhr
Wie ein 73-jährige Japaner beweist, kann man das am häufigsten benutzte Tabellenkalkulationsprogramm Microsoft Excel nicht nur für reguläre Berechnungen einsetzen. Tatsuo Horiuchi erstellt ausnahmslos seine traditionellen Gemälde mit Hilfe dieses Programms. Er arbeitet bereits seit 10 Jahren mit der Software und stellt seine Bilder in diversen Ausstellungen vor.