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  • Der Wochenrückblick - Die Gulli-Glosse (06/2013)
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Der Wochenrückblick - Die Gulli-Glosse (06/2013)

Gulli Glosse

Gulli Glosse

In manchen Teilen Deutschlands feiert man derzeit Fasching, Fasnacht oder Karneval. Passend dazu sind überall die Narren los - auch da, wo sie eigentlich nicht unbedingt hingehören. Schauen wir nach, wer aus der Rolle fiel oder kreativ in eine andere Rolle schlüpfte, wer sich zum Narren machte und bei wem man annehmen konnte, dass er den empfohlenen Alkoholpegel erheblich überschritten hatte.

Manche Leute wissen die fünfte Jahreszeit in vollen Zügen zu genießen. Andere Dinge haben offenbar immer Saison - beispielsweise Internet-Kriminalität. Diese konnte im letzten Jahr (nicht nur) in Österreich einen massiven Aufschwung verbuchen. Gut zu wissen, dass es in Zeiten der Wirtschaftskrise wenigstens einer Branche so richtig gut geht. Wenn der Staat jetzt schlau ist, rückt er von seiner bisherigen feindseligen Politik ab und führt stattdessen zügig eine Cybercrime-Steuer ein. So könnte man von etwas, dessen man eh nicht Herr wird, wenigstens noch mitprofitieren. Der ethische Aspekt des Ganzen dürfte ja kein Hinderungsgrund sein, wenn ich so an Staatstrojaner, Online-Durchsuchung und Internet-Spionage denke. Ach ja: von einer entsprechenden Steuer möchte ich, da ich das Ganze hier schließlich als Erste vorgeschlagen habe, einen bescheidenen Prozentsatz auf mein Konto überwiesen bekommen, Nummer auf Anfrage. Auch chronisch alberne Quoten-Subversive wollen schließlich essen und ein Dach über dem Kopf (ganz zu schweigen von den Kosten saison-typischer Parties).

Keine Party ohne Facebook - sollte man meinen. Wie schließlich soll man feiern, ohne versehentlich wildfremde Leute einzuladen, massenhaft Werbespam für die passenden Getränke und Locations zu erhalten und anschließend unsäglich peinliche Fotos von sich selbst im Zustand physikalisch größtmöglicher Dichte von vertrauenswürdigen Freunden im Sinne von Transparenz und Pressefreiheit ins Soziale Netzwerk stellen zu lassen? Nun, offenbar ganz hervorragend - denken sich immer mehr junge Menschen. Mehr und mehr junge Erwachsene haben von Facebook die Schnauze voll und nehmen sich mal eine Auszeit von der Online-Plattform. Die Produktivität vieler Menschen dürfte dabei so erheblich ansteigen, dass sich viele Chefs wahrscheinlich schon gefragt haben, ob irgendwer sämtliche Katzenbilder aus dem Netz gelöscht hat. Wir von gulli:News begrüßen diesen Trend und raten zu unvernünftigeren und zugleich kommunikativeren Formen der gepflegten Zeitverschwendung (wie etwa Besuchen von Eisdielen mit dem Freundeskreis, Sport oder auch, selbstverständlich, Parties, die, glaubt es mir, auch ganz ohne Beweisfotos der jeweils erreichten Betrunkenheit Spaß machen). Einen Kritikpunkt gibt es allerdings: an die armen vernachlässigten Farmville-Tierchen, virtuellen Mafiosi und nun schmerzlich einsamen Kuschelmonster aus den diversen Zynga-Titeln denkt mal wieder niemand. Wir finden, dass für diese gequälten Kreaturen schnellstmöglich ein Babysitter-Service eingerichtet werden sollte - und sei es nur, damit gewisse Leute nicht dabei aus der Übung kommen, sich über Spieleanfragen in ihrer Timeline aufzuregen.

Wer auf Karneval kein Bock hat, freut sich vielleicht schon auf den Valentinstag. Bei aller Romantik gibt es jedoch, alle Jahre wieder, die Warnung der notorisch als Spielverderber fungierenden IT-Sicherheitsbranche vor saisonalen Spam- und Malware-Kampagnen. Am heimischen Computer - oder noch mehr am Arbeitsplatz - sollte man also trotz aller Schmetterlinge im Bauch nur mit dem Kopf denken, sonst kann man sich schnell etwas einfangen (womit dann in dem Fall weder Syphilis noch Tripper gemeint ist, obwohl das für einen derartigen Computerschädling mal ein durchaus ansprechender und gut zu merkender Name wäre). Ansonsten bleibt es bei meiner Empfehlung an den Staat: nicht nur an Blumen und Pralinen, sondern auch an Malware-verseuchten Grußkarten sollte sich der eine oder andere Euro verdienen lassen.

Viel diskutiert wurde auch die geplante neue Cybersicherheits-Strategie der EU. Dass diese ausgerechnet bei IT-Sicherheitsprofis nicht sonderlich gut ankam, sollte schon zu denken geben - in einem Gebäude, wo alle mit dem Brandschutz zufrieden sind mit Ausnahme der Feuerwehr, fühlt sich schließlich auch niemand so besonders sicher. Der beste Kommentar zu diesem Machwerk bislang stammt allerdings von Ross Anderson und ist so schön, dass er hier einfach für sich stehen darf: "Statt der Polizei die Ressourcen zu geben, die sie braucht, um Cyber-Verbrecher zu fangen und ins Gefängnis zu stecken, entschied sich die britische Regierung, den Großteil des Geldes den Spionen zu geben, so dass sie damit mehr Cyber-Verbrechen (wenn auch in den Ländern anderer Leute) begehen konnten." Womit wir wieder bei meiner Lieblingstheorie sind: die Realität ist mitunter so unglaublich bizarr, dass man es uns Schreibern niemals durchgehen lassen würde, uns etwas derartiges auszudenken. Insofern haben wir Journalisten einen großen Vorteil gegenüber Romanautoren - schräge Charaktere, aberwitzige Plots, vollkommen unwahrscheinliche Wendungen und wildeste Verstöße gegen jede Logik - bei uns ist alles erlaubt.

In diesem Sinne verabschiede ich mich von euch. Feiert schön, aber nicht zu wild, nehmt euch in acht vor extremistischen Cybers und verliert nicht den Spaß am ungehemmten Irrsinn der Realität. Wir lesen uns demnächst an dieser Stelle wieder. 

Annika Kremer (g+) am Sonntag, 10.02.2013 16:41 Uhr

Tags: wochenrückblick facebook cybercrime

 
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1 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Metal_Warrior am 11.02.2013 13:40:52

    Nur mit Smiley antworten geht ja leider nicht, aber der sollte eigentlich für sich stehen: :D ...

  • Annika_Kremer am 10.02.2013 16:41:23

    In manchen Teilen Deutschlands feiert man derzeit Fasching, Fasnacht oder Karneval. Passend dazu sind überall die Narren los - auch da, wo sie eigentlich nicht unbedingt hingehören. Schauen wir nach, wer aus der Rolle fiel oder kreativ in eine andere Rolle schlüpfte, wer sich zum Narren machte und b ...

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