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Trojaner-Blindflug: Staatliche Malware auf dem 29C3 unter der Lupe

Wie schon auf vergangenen Veranstaltungen des Chaos Computer Clubs informierten Constanze Kurz und der Jurist Ulf Buermeyer über den Staatstrojaner und die neusten Vorgehensweisen der Regierung in dieser Causa. Dabei gaben sie auch Ausblicke und Ratschläge für die Zukunft, wie der Staat mit Trojanern umgehen sollte.

Zu Beginn des Vortrags über den 2011 entdeckten Staatstrojaner auf dem 29. Chaos Communication Congress gingen Constanze Kurz und Ulf Buermeyer auf rechtliche Details ein. Der Jurist erklärte, zu welchem Zwecke der Trojaner eigentlich nur hätte verwendet werden dürfen. Wichtig wäre eine technische Sicherstellung, dass nur laufende Kommunikation erfasst wird. Das war aber nicht der Fall. Generell gilt: Inhaltsverschlüsselung ist keine Kommunikation und darf deswegen nicht geknackt werden. Buermeyer führt als Beispiel an, dass ich eine Mail verschlüsseln kann, ohne sie jedoch zu verschicken. Die einzige Verschlüsselung, die umgangen werden darf, ist Transportverschlüsselung, zum Beispiel also die Übertragung einer Mail zum Server oder eine Skype-Verbindung. Da https allerdings nicht ohne weiteres zu brechen ist, entschied man sich dafür, die Daten noch vor ihrer Verschlüsselung abzugreifen.

Doch auch dann dürften Behörden eigentlich nicht schalten und walten, wie sie wollen. Die Anwendung der Quellen-TKÜ ist nämlich nur zur Gefahrenabwehr zulässig, nicht aber zur Strafverfolgung.

Im Laufe dieses Jahres wollte der Chaos Computer Club nach der Enttarnung des Trojaners wissen, inwiefern sich die Technik verändert hat. Die Antwort ist gewissermaßen skurril: Die Firma DigiTask, die den Trojaner ursprünglich programmierte, wurde von der Regierung mit technischen Erweiterungen beauftragt, gewissermaßen um die eigenen Fehler wieder auszubügeln. Man verließ sich also erneut auf die Firma, deren Chef bereits wegen Bestechung von Beamten verurteilt wurde. Gegenüber dem CCC sagte man nur: „Zur Bewertung des CCC geben wir keinen Kommentar ab.“

Constanze Kurz und Ulf Buermeyer gaben auch Ausblicke, wie ein Staatstrojaner in Zukunft aussehen könnte und stellten diverse Forderungen: Eines der wichtigsten Ziele sei das Verhindern von missbräuchlicher Verwendung. Deswegen fordert man einen restriktiven Deliktskatalog und Protokollierungspflichten. Buermeyer fordert außerdem eine Klarstellung der rechtlichen Situation: "Es gibt keine klare Rechtsgrundlage - wenn gelauscht wird, dann ohne klare Spielregeln."

Einen Lichtblick erkannten die Referenten aber doch: Zwar setze man weiterhin auf DigiTask, weil es „sonst nichts anderes gäbe“, allerdings nur unter der Vorraussetzung, dass der Quellcode einsehbar ist. Das war bei der vorherigen Version nicht der Fall. Kein Beamter und kein Auftraggeber bekam den Code zu Gesicht.

Robert Clausen (g+) am Samstag, 29.12.2012 11:43 Uhr

Tags: digitask ccc chaos communication congress staatstrojaner

vgwort
 
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3 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • widarr am 03.01.2013 17:02:56

    Die Handlungen des Staates kriminelle Energien in Software stecken zu wollen (wie jeder dahergelaufene Blackhat) bestärkt immer nur wieder meine Meinung von diesem Konstrukt als kriminelle Vereinigung. ...

  • 142857 am 03.01.2013 03:24:35

    Ob es(er) auf Linux lauffähig ist, stelle ich jetzt mal in den Hintergrund- Infizierte Anwendungssoftware dürfte ausreichen. Klar, OpenSource etc. ... , . Aber machen wir uns nichts vor. Wenn es im Interesse der Staatsmacht steht, dürfte es keinen hohen Aufwand in Anspruch nehmen, zu verfolgen, wa ...

  • accC am 30.12.2012 20:00:54

    Läuft das Teil denn schon auf Windows 8? Oder immer noch nur Windows XP, Windows 7 32bit? Läuft es auf Linux? Sind bereits neuere Versionen in Umlauf und falls ja, wurden die schon analysiert? Dazu könnte man so viel interessantes schreiben :D ...

  • docanonymous am 29.12.2012 11:43:07

    Wie schon auf vergangenen Veranstaltungen des Chaos Computer Clubs informierten Constanze Kurz und der Jurist Ulf Buermeyer über den Staatstrojaner und die neusten Vorgehensweisen der Regierung in dieser Causa. Dabei gaben sie auch Ausblicke und Ratschläge für die Zukunft, wie der Staat mit Trojaner ...

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