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Manning gewann die Leser-Abstimmung mit einem Stimmen-Anteil von 70%. Er setzte sich damit unter anderem gegen die pakistanische Frauen- und Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai (die mit 22% den zweiten Platz erreichte) sowie die russische Punk-Gruppe "Pussy Riot" durch.
Wer allerdings angenommen hatte, dass es alle Beteiligten bei diesem - wenn auch unerwarteten - Abstimmungsergebnis belassen und zur Tagesordnung übergehen würden, hatte sich getäuscht. Der WikiLeaks-Twitter-Feed "@WikiLeaks" dokumentiert, wie Mitarbeiter der Whistleblowing-Plattform - zu vermuten ist, dass es sich um den stets meinungsfreudigen Julian Assange handelt; Beweise für diese Theorie gibt es aber nicht, da der WikiLeaks-Twitter-Account von verschiedenen Personen betrieben wird, die sich nicht namentlich zu erkennen geben - sich in dieser Angelegenheit mit Guardian-Jounalisten anlegten. Bereits am 9. Dezember kommentierte ein WikiLeaks-Mitarbeiter eine Verspätung beim Erscheinen des Guardian-Artikels zur Person des Jahres mit der Bemerkung, die Journalisten seien wohl "immer noch beleidigt" darüber, dass Manning so deutlich gewonnen habe. Er fügte hinzu, der deutliche Sieg Mannings unter anderem gegen Pussy Riot zeige den Unterschied zwischen den Ansichten der Bevölkerung und dem "Hype kommerzieller Medien". Kurze Zeit später kommentierte WikiLeaks erneut das "bizarre Schweigen" des Guardian und unterstellte der Zeitung, eine Möglichkeit zu suchen, das Abstimmungsergebnis zu übergehen oder zu relativieren.
Is the Guardian plotting to unseat Manning's landslide popular vote as Person of the Year, "editorially", as Time magazine did with Assange?
— WikiLeaks (@wikileaks) December 9, 2012
Weiter gingen die Twitter-Provokationen am gestrigen Montag. Erneut veröffentlichte WikiLeaks anlässlich der Verzögerung des Guardian-Artikels einen Tweet mit der Behauptung, die Guardian-Redaktion würde "noch immer schmollen" und einem Verweis auf die derzeit laufende gerichtliche Anhörung Mannings.
Here come the pro-war lobby at the Guardian spitting wasps over Manning's win while hiding under a wounded girl's skirt.. watch
— WikiLeaks (@wikileaks) December 10, 2012
Malala Yousafzai - die zunächst aussichtsreichste Kandidatin![]()
Vote for Bradley Manning as Guardian Person of the Year guardian.co.uk/world/blog/pol…
— WikiLeaks (@wikileaks) December 7, 2012
Rechtfertigt dieses Verhalten des Guardian aber einen Internet-typischen "Shitstorm"? WikiLeaks - oder zumindest einer der Mitarbeiter mit Zugriff zum offiziellen Twitter-Konto der Plattform - scheint definitiv dieser Meinung zu sein. Ein Tweet von gestern Abend, der auf den Guardian-Artikel zum Abstimmungsergebnis verweist, kommentiert diesen mit "der Guardian gibt in einem grotesken Schmoll-Anfall zu, dass Bradley Manning Person des Jahres ist". Ein weiterer Tweet fordert die Leser auf, dies als Hinweis darauf zu sehen, "wie der Guardian seine mutmaßlichen Quellen behandelt, die im Gefängnis um ihr Leben kämpfen". Sollte Manning der gesuchte Whistleblower sein - was sich derzeit abzuzeichnen scheint angesichts der Tatsache, dass er vor kurzem ein teilweises Schuldeingeständnis anbot (gulli:News berichtete) - ist er indirekt tatsächlich eine Quelle des Guardian. Die englische Zeitung war eine Zeit lang Medienpartner von WikiLeaks, unter anderem beim "Cablegate"-Leak. Es kam allerdings zu einem spektakulären Zerwürfnis zwischen beiden Seiten; das Verhältnis zwischen WikiLeaks und dem Guardian ist seitdem angespannt bis feindselig, was die aktuellen gegenseitigen Angriffe mit erklären dürfte.
Guardian admits Bradley Manning is Person of the Year in gotesque sulking fit | Guardian guardian.co.uk/world/blog/201… #freebrad #anonymous
— WikiLeaks (@wikileaks) December 10, 2012
Note how the Guardian treats its alleged sources who are in prison fighting for their life.
— WikiLeaks (@wikileaks) December 10, 2012
Auf dem WikiLeaks-Twitter-Account sah sich derweil jemand - dem Stil nach wahrscheinlich noch immer Assange - berufen, das "Fiasko" um die Guardian-Abstimmung als Illustration der Funktionsweise der britischen "Establishment-Medien" zu interpretieren. Eine Liste von zehn Punkten soll diese Verbindung untermauern. Der Aktivist wirft dem Guardian vor, er wolle mit der Auswahl Yousafzais als Kandidatin eine Agenda fördern, die "pro Afghanistan-Krieg" sei. Dieses "Ausnutzen verwundeter Mädchen" für die Förderung einer derartigen Argumentation erinnere an die in einem von WikiLeaks im März 2010 veröffentlichten CIA-Bericht dokumentierten Taktiken der US-Geheimdienste. In der Tat erwähnte die CIA in diesem Bericht die Möglichkeit, das Leiden afghanischer Frauen und Mädchen in den Vordergrund zu stellen, um die Bevölkerung einem Militär-Einsatz gegenüber positiver zu stimmen (gulli:News berichtete). Beweise dafür, dass der Guardian Ziel einer solchen Manipulation wurde, gibt es allerdings nicht.
1. Decide to push pro-war Afghan war line by exploiting wounded girls similar to this CIA report released by WL wikileaks.org/wiki/CIA_repor…
— WikiLeaks (@wikileaks) December 10, 2012
Malala Yousafzai, so der WikiLeaks-Aktivist, sei vom Guardian als Gewinnerin der Abstimmung vorab ausgewählt worden. Um den Lesern das Gefühl zu geben, dass es sich nicht um eine manipulierte Abstimmung handle, habe man diesen die Möglichkeit gegeben, eigene Kandidaten - im Beispiel Manning, der nicht auf der ursprünglichen Liste des Guardian erschien - zu nominieren.
5. To make readers feel like it's not a sham, offer to have other entrants nominated. The Guardian did not have Manning as a candidate.
— WikiLeaks (@wikileaks) December 10, 2012
Manning, so der Vorwurf des WikiLeaks-Aktivisten, sei als Leser-Nominierung nur deswegen akzeptiert worden, weil die Verantwortlichen der Ansicht gewesen seien, dass er nicht gewinnen könne.
6. A reader nominated Manning.. Accept him onto the list because they think he has no chance. Squeeze the list to a mere 6 contenstants.
— WikiLeaks (@wikileaks) December 10, 2012
Der Aktivist behauptet außerdem, der Eintrag Malala Yousafzais sei in einer Weise manipuliert worden, die ihre Chancen habe verbessern sollen. So habe ihr Eintrag als einziger ein Foto gehabt und sei an erster Stelle der Optionen positioniert worden. Zudem hätten "zusätzliche Stories die Abstimmung manipuliert" (womit wahrscheinlich gemeint ist, dass der Guardian im zeitlichen Umfeld der Abstimmung positive Berichterstattung über Yousafzai veröffentlichte).
7. Give the preferred candidate a) the only picture b) prime position c) additional stories manipulate the vote.
— WikiLeaks (@wikileaks) December 10, 2012
Nach diesen Manipulationsversuchen, schreibt WikiLeaks hämisch, sei aber "die Demokratie ausgebrochen" und habe Manning statt Yousafzai zum Sieg verholfen. Dies habe der Guardian zunächst zu ignorieren versucht. Später habe die Zeitung mit einer "beleidigten Stellungnahme [...] die Abstimmung, die Teilnehmer und den Gewinner marginalisiert" und sich mit weiterer positiver Berichterstattung über Yousafzai quasi beim Establishment entschuldigt. Für das Abstimmungsergebnis habe der Guardian "die Idiotie der Leute und den bösen Feind WikiLeaks verantwortlich gemacht, genau wie die britische und oft die US-amerikanische Außenpolitik in der ganzen Welt".
Nach diesen Vorwürfen sank das Niveau der Diskussion ins bodenlose; statt Argumenten wurden zunehmend Häme und Beleidigungen ausgetauscht. So schrieb WikiLeaks: "Hier kommt die Pro-Kriegs-Lobby beim Guardian und spuckt Gift und Galle über Mannings Sieg, während sie sich unter den Röcken eines verwundeten Mädchens versteckt".
Here come the pro-war lobby at the Guardian spitting wasps over Manning's win while hiding under a wounded girl's skirt.. watch
— WikiLeaks (@wikileaks) December 10, 2012
Die als freie Mitarbeiterin für den Guardian tätige Journalistin Emma Kennedy warf Assange im Gegenzug vor, Yousafzai angegriffen und ihre Verdienste geschmälert zu haben, und schrieb: "Also gibt WikiLeaks praktisch damit an, wie man sich organisiert hat, um einem 14-jährigen Mädchen den Titel der Guardian-Person des Jahres zu verweigern." Sie nannte Assange ein "vollkommen abstoßendes Individuum" und wurde im Gegenzug von aufgebrachten WikiLeaks-Anhängern als "schlechte Verliererin", "Heuchlerin" und "Schlampe" tituliert. Assange selbst erklärte, Kennedys Aussagen illustrierten, wie fremd der Londoner Klassengesellschaft das Konzept von Demokratie sei.
So @wikileaks now basically boasting how they organised themselves to deny a 14 year old girl the title of Guardian Person of the Year
— Emma Kennedy (@EmmaK67) December 10, 2012
Bradley Manning, überraschend zur Person des Jahres gekürt
Bild-Quellen: "malala yousafzai" by hanciong@DeviantArt
Annika Kremer (g+) am Dienstag, 11.12.2012 13:25 Uhr
...also wer Lust hat, es wird zu diesem Thema noch immer weiterdiskutiert, u.a. auf Link 1 sowie auf Link 2 ...
also hat man die wahl zwischen einem schwulen, der gefoltert wurde und einem mädchen das nieder geschossen wurde. wer von beiden hat das größere vollbracht? naja, sie hat schon nen bisl mehr gemacht als manning. er hat ja nur ein paar dateien kopiert und sie weiter ...
PS - das ist im Artikel tatsächlich fehlerhaft: laut ihrem Profil beim Guardian schreibt sie nur gelegentlich für den Guardian. In ihrem eigenen Twitterprofil (über den im Artikel eingebauten Tweet zu erreichen) bez ...
sie wurd wegen dem was sie geschrieben hat niedergeschossen also hat man die wahl zwischen einem schwulen, der gefoltert wurde und einem mädchen das nieder geschossen wurde. wer von beiden hat das größere vollbracht?! ...
So wie ich das sehe schreibt die nur einen Blog und hatte ein paar TV Auftritte, wieso ist sie deswegen etwas besonderes? sie wurd wegen dem was sie geschrieben hat niedergeschossen ...
Heutzutage ist die Internettelefonie neben Fest- und Mobilnetztelefonie immer gefragter. Per Internet zu kommunizieren ist nicht nur komfortabler und billiger, man ist zudem unabhängig von Tarifen, welche nur eine bestimmte Gesprächszeit günstig ermöglichen. Also wieso nicht auch Internet-Telefonie nutzen?
Lars Sobiraj am 14.05.2013, 13:52 Uhr
Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags steht seit vielen Jahren den Bürgern und Gruppen für ihre Anliegen offen. Wir haben uns kürzlich mit einem der 80 Mitarbeiter des Hauses unterhalten. Da seit der Gründung nur sehr wenige Gesetzesänderungen durch Petitionen entstanden sind, wollen wir den Sinn dieser Institution hinterfragen. Dies ist vorerst der letzte Teil unserer Interview-Serie.
Lars Sobiraj am 12.05.2013, 12:51 Uhr
Wie ein 73-jährige Japaner beweist, kann man das am häufigsten benutzte Tabellenkalkulationsprogramm Microsoft Excel nicht nur für reguläre Berechnungen einsetzen. Tatsuo Horiuchi erstellt ausnahmslos seine traditionellen Gemälde mit Hilfe dieses Programms. Er arbeitet bereits seit 10 Jahren mit der Software und stellt seine Bilder in diversen Ausstellungen vor.