Das Video von Amanda Todd hat jetzt schon weit über 10 Millionen Klicks, dabei wird in dem Video nicht ein Wort gesprochen. Das, was wir von ihr selbst sehen, gleicht nicht mehr der jungen Frau auf dem Schulbuchfoto. Mit zerzaustem Haar, ohne erkennbare Gestik oder Mimik und anscheinend nach all dem Durchlebten nicht mehr zu einer aussagekräftigen Sprache fähig, erzählt sie ihr Martyrium anhand von beschriebenen Karten, die sie in die Kamera hält. Es ist an Grausamkeit kaum zu überbieten, was wir erfahren: Ein zu jenem Zeitpunkt für uns anonymer Chatpartner hat sie online dazu überredet, sich vor der Kamera zu entblößen und was Amanda damals noch als "Scherz" unter Jugendlichen abtat, sollte sich sehr bald als ihr wohl größter Alptraum herausstellen. Ihr Gegenüber hatte nämlich einen Screenshot von ihr erstellt und diesen kurze Zeit später auf einer eigens dafür angefertigten Facebook-Seite veröffentlicht und die meisten ihrer Mitschüler über die Seite informiert. Was dann losbrach, kann man nur als Hölle bezeichnen. Sie wurde aufs Übelste beleidigt und angegriffen, in der Schule ausgegrenzt und stigmatisiert. In der Bibliothek und der Mensa saß sie immer allein, nicht ein einziger redete mit ihr. Bereits zu diesem Zeitpunkt erkrankte sie an schweren Depressionen und Angstzuständen. Nach einem tätlichen Angriff einer Mitschülerin auf sie vor der komplett versammelten Klasse versuchte sie sich das Leben zu nehmen, indem die Bleichmittel trank. Sie überlebte nur knapp. Was für einige möglicherweise ein Grund gewesen wäre, spätestens jetzt das Mobbing zu beenden, gab ihrem Peiniger erst recht Ansporn. Amandas Eltern wechselten nämlich mehrmals ihre Schule und den Wohnort. Sie wurde aber jedes Mal von ihm wieder ausfindig gemacht und alles begann von neuem. Amanda hatte zu diesem Zeitpunkt längst damit begonnen, sich die Arme zu ritzen. Sie versuchte mit Alkohol und Drogen für kurze Zeit der Hölle zu entkommen. Vergeblich. Die letzten Sätze in ihrem Video lauten: "Ich habe niemanden. Ich brauche jemanden. Mein Name ist Amanda Todd." Am 16. Oktober 2012, einer Woche vor ihrem 16. Geburtstag, versucht sie sich ein zweites Mal das Leben zu nehmen. Dieses Mal hat sie Erfolg.
Die Diskussion um Mobbing an Schulen ist alles andere als neu und es werden jedes Mal die gleichen Fragen aufgeworfen. Warum ist Amanda nicht zur Polizei gegangen? Warum sind ihre Eltern nicht zur Polizei gegangen? Wer hätte ihr helfen können? Wem hätte sie sich anvertrauen können? Gehen wir davon aus, dass Amanda Todd nichts dergleichen unternommen hat, kommen wir zu einer gefährlichen Frage: hat sie deshalb Mitschuld? Zur Beantwortung reicht ein klares und ebenso eindeutiges NEIN. Allzu oft vergessen wir bei der Frage, ob ein Mobbing-Opfer Mitschuld an seiner Situation hat, die Tatsache, dass wir ein irrationales Geschehen rational erklären wollen. In allen Fällen sind die Opfer jedoch von Beginn an so bedroht und eingeschüchtert, dass ihr Verhalten nicht mehr rational sein kann. Dem Opfer fehlt die für rationales Verhalten erforderliche Stärke. Außerdem verharmlost die Frage der Mitschuld das Verbrechen selbst, indem es suggeriert, dass aufgrund einer Opfer-Mitschuld das Verbrechen des Täters eine mindere Schwere hat. Das ist fatal, passiert aber allzu oft, wie uns die Tatsache zeigt, dass hierfür ein eigener Begriff existiert: das sogenannte VICTIM-BLAMING. Die viel wichtigere Fragen, die es zu beantworten gilt, sind erstens, warum ihr niemand geholfen hat. Möglicherweise hätte ein einziger Schüler mit genügend Charakterstärke ausgereicht, um die Situation kurzfristig zu drehen und ihr das Quäntchen Stärke zu geben, sich der Polizei oder Sozialarbeitern anzuvertrauen. Und zweitens, wo die Lehrer waren. Kanada ist ein Land, das international einen durchaus soliden und sozialen Ruf in der Bildungspolitik genießt. Daher müsste man eigentlich davon ausgehen, dass ein Lehrer ein derart massives Mobbing dort früh bemerkt haben müssen.Aber anscheinend war dem nicht so. Die Staatsanwaltschaft wird diese Fragen jetzt klären. Für Amanda Todd kommt das aber zu spät.
Dennoch ist eine Tatsache hier einzigartig: zum ersten Mal haben sich Hacktivisten, die behaupten, zum Anonymous-Kollektiv zu gehören, involviert und ein Video sowie persönliche Daten des mutmaßlichen Peinigers von Amanda Todd veröffentlicht. Ob diese Person wirklich der Täter ist, mögen wir hier nicht beurteilen. Sollte es so sein, dann war dies nicht sein erstes Opfer, wie sein Video aussagekräftig behauptet. Wir können also davon ausgehen, dass die verantwortliche Staatsanwaltschaft hier sehr schnell für Klärung sorgen wird. Wenn er NICHT der Täter ist, dann wird aufs neue die Diskussion entstehen, ob es richtig ist, die Daten des vermeintlichen Täters zu veröffentlichen, oder nicht doch besser gewesen wäre, diese bis zur endgültigen Klärung der Polizei zu übergeben. Seien wir ehrlich. Insgeheim wünschen wir uns, dass er der Täter ist und wir jemanden haben, den wir verantwortlich machen können. Dennoch liegt die Verantwortung, dass es überhaupt so weit kommen konnte, nicht nur beim Täter, sondern auch bei den Untätigen und bei den Mitmachern. Bei denen, die mitgemobbt haben und bei denen, die still zugesehen haben, wahrscheinlich, um zu vermeiden, selbst zum Opfer zu werden. Es ist immer wieder verwunderlich, wie wenig Zivilcourage in unserer Gesellschaft vorhanden ist und welch weiten Weg die Aufklärung noch immer vor sich hat. Wir müssen weiterhin sozialisieren, aufklären, unsere Kinder zu Mut und Charakter erziehen, bei Ungerechtigkeiten aufstehen und den Hilflosen helfen. Sonst sind es eines Tages vielleicht wir, die zum Opfer geworden sind und sich wundern, warum uns niemand hilft.
Tobias Raff (g+) am Freitag, 19.10.2012 19:18 Uhr
mOBBING. So was gab es früher nicht. zu meiner Schulzeit. Da wurde direkt blutig geschlagen, abgestochen oder aufgelauert. alles neumodischer Kram. Was Du Dir heute kannst besorgen, brauchst Du morgen nicht vom Nachbarn borgen. ...
Version1 es wirkt fast so, als wolltest du den kindern eine narrenfreiheit zugestehen. bis zu einem gewissen punkt mag das ok sein, 15-jährige sind aber schon zu einem guten teil zurechnungsfähig. ich halte mich nicht für besser entwickelt/schlauer/was auch immer als die meisten meiner mitmen ...
Sind Menschen in Deutschland eigentlich auch so grausam? Ich habe jetzt schon oft gelesen das sie es verdient hätte weil sie sich entblößt hat. Davon kann man jetzt halten was man möchte aber heute sollte man doch nicht mehr glaube das Frauen die etwas lockerer leben den Tod verdienen. Ich lese sol ...
Man könnte sich doch auch nen neuen Fake FB Account anlegen und den alten "löschen" Ja wenn das so einfach wäre. Wenn man aber seelisch durch das Mobbing verletzt wurde, möglicherweise auch noch erpresst, dann macht man das nicht 'so einfach'.:( ...
Man könnte sich doch auch nen neuen Fake FB Account anlegen und den alten "löschen" .... Als Privatperson sollte man sich dem Ganzen doch besser entziehen können als z.b. ein Wolfsburger Autoverwerter.... ...
Heutzutage ist die Internettelefonie neben Fest- und Mobilnetztelefonie immer gefragter. Per Internet zu kommunizieren ist nicht nur komfortabler und billiger, man ist zudem unabhängig von Tarifen, welche nur eine bestimmte Gesprächszeit günstig ermöglichen. Also wieso nicht auch Internet-Telefonie nutzen?
Lars Sobiraj am 14.05.2013, 13:52 Uhr
Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags steht seit vielen Jahren den Bürgern und Gruppen für ihre Anliegen offen. Wir haben uns kürzlich mit einem der 80 Mitarbeiter des Hauses unterhalten. Da seit der Gründung nur sehr wenige Gesetzesänderungen durch Petitionen entstanden sind, wollen wir den Sinn dieser Institution hinterfragen. Dies ist vorerst der letzte Teil unserer Interview-Serie.
Lars Sobiraj am 12.05.2013, 12:51 Uhr
Wie ein 73-jährige Japaner beweist, kann man das am häufigsten benutzte Tabellenkalkulationsprogramm Microsoft Excel nicht nur für reguläre Berechnungen einsetzen. Tatsuo Horiuchi erstellt ausnahmslos seine traditionellen Gemälde mit Hilfe dieses Programms. Er arbeitet bereits seit 10 Jahren mit der Software und stellt seine Bilder in diversen Ausstellungen vor.