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Spanien: Namen von 200 Filesharing-Sites überreicht

Viele Länder Europas verfügen über ein strenges Urheberrecht, sie gehen sehr hart mit Urheberrechtsverletzern um. Nur in Spanien stellt sich die Lage für Filesharer bisher etwas entspannter dar. Dies soll nun geändert werden.

Spanien, das Paradies der P2P-User? Nun, in strafrechtlicher Hinsicht auf jeden Fall. Um nach den dortigen Gesetzen bestraft zu werden, muss dem Raubmordkopierer ein gewerblicher Hintergrund nachgewiesen werden. Die Down- und Uploads müssen also für Geld erfolgen. Sonst sieht es für die Kreativwirtschaft strafrechtlich sehr düster aus. Dies ist vielleicht auch der Grund, weshalb in Spanien noch immer so viel Filesharing betrieben wird. Strafrechtliche Konsequenzen gibt es für Tauschbörsenbenutzer praktisch keine.

Der zivilrechtliche Flügel steht jedoch - zum Wohlgefallen der Contentindustrie - noch offen. Um die dramatische Filesharing-Lage zu demonstrieren, hat man nun die Namen von 200 Websites notiert, die in Spanien illegale Downloads anbieten. Diese Liste hat man dem spanischen Minister für Industrie überreicht. Man bezeichnete die Aktion als ersten großen Schritt im Kampf gegen Online-Musikpiraterie. So ließ man es zumindest auf einer Konferenz in Madrid am 19. Oktober verlauten.

Dort hatte sich die Coalition of Creators and Content Industries sowie die CoPeerRight Agency getroffen, um über die katastrophale Lage zu diskutieren. Der erste Verband vertritt zahlreiche Künstler in Spanien, die Agency wiederum agiert bei der Jagd nach Piraten. Der Präsident der Coalition, Aldo Olcese, fand deutliche Worte für die aktuell vorherrschende Situation: "Spanien ist das einzige Land auf der Welt, in dem es keine rechtlichen, zivilen oder administrativen Maßnahmen gibt, um diesem Problem beizukommen. Hier ist eine rechtliche Wüste, ein Piraten-Paradies. Jetzt haben wir jedoch die erste offizielle Anerkennung erfahren, dass es ein Problem von großem Ausmaß gibt. Als Antwort darauf sollten wir die Namen der Websites innerhalb der nächsten Stunden an das [Industrie]ministerium schicken, um die Arbeit der Regierung mit dem größtmöglichen Zeitgewinn zu erleichtern." Bei der Anerkennung handelt es sich um eine Kommission, die sich seit kurzem damit befassen soll, Lösungen für den Schutz von geistigem Eigentum zu entwickeln.

Besonders interessant wurde es im Anschluss, als die Geschäftsführerin der CoPeerRights Agency, Romina González, ihren Vortrag durchführte. Sie präsentierte die groben Einnahmen von Filesharing-Portalen anhand von eigenen Ermittlungen. Dabei sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass die durchschnittliche illegal-kommerzielle Seite in Spanien etwa 1,5 Millionen Euro im Jahr verdienen soll. Und dies nur durch Werbeeinnahmen.

Zugegebenermaßen werden diese Webseiten durch Banner den einen oder anderen Euro in die Kassen ihrer Betreiber spülen. Aber ein Mittelwert von 1,5 Millionen Euro im Jahr erscheint grotesk hoch. Wenn man bedenkt, dass man 200 Webseiten erfasst hat, wären dies Gesamteinnahmen von 300 Millionen Euro jährlich. Wurde nicht schon häufiger z.B. von Verlagshäusern beklagt, durch Online-Werbung könne man kein Geld verdienen? "Im Durchschnitt hat die kommerzielle Piraten-Website in Spanien monatlich 150.000 Besucher, einige von ihnen können sogar Spitzenwerte von bis zu vier Millionen Unique Visitors erreichen." Anstatt das Pferd von hinten aufzusatteln, sollte man vielleicht erstmal darüber nachdenken, wie man diese Massen an Usern wieder zu Käufern macht. Und das ohne sie zu kriminalisieren. (Firebird77)

(via billboard, thx!)

(Bild via co-peer-right-agency, thx!)

News Redaktion am Dienstag, 20.10.2009 10:51 Uhr

tagsTags: filesharing p2p copeerrights agency spanien urheberrechtsverletzung verband urheberrecht name

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10 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • am 20.10.2009 23:55:05

    Anstatt das Pferd von hinten aufzusatteln,... Es heißt "Anstatt das Pferd von hinten aufzuzäumen" :rolleyes: ...

  • Le_G am 20.10.2009 15:21:30

    1,5 Millionen Euro pro Jahr bei 12*150000 Besuchern macht etwa 83 Cent, die ein Besucher an Werbeeinnahmen erzeugt. Ich sollte auf meinem kleinen Blog (rund 150 Besucher pro Tag) auch Werbung einblenden. Davon könnte ich selbst nach der Steuer noch leben. ...

  • itsnotforme am 20.10.2009 14:36:35

    Bestimmt kannte der einige Seiten noch gar nicht. Und nun bekommt er die Seiten FREIHAUS geliefert und kann gleich loslegen mit dem downloaden. :p :D ...

  • TRON2 am 20.10.2009 13:46:04

    Cool ein Minister mit 200 Lesezeichen mehr im Browser;) ...

  • Gravenreuth am 20.10.2009 12:51:25

    Viele Länder Europas verfügen über ein strenges Urheberrecht, sie gehen sehr hart mit Urheberrechtsverletzern um. Nur in Spanien stellt sich die Lage für Filesharer bisher etwas entspannter dar. Dies soll nun geändert werden. Wird aiuch Zeit! Spanien hat ja schon vo ...

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