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Julian Assange nimmt Stellung zu Vorwürfen von Anonymous-Aktivisten

In einer Stellungnahme vom heutigen Montag antwortet WikiLeaks-Chef Julian Assange auf die vor Kurzem laut gewordenen Vorwürfe aus den Reihen des Internet-Kollektivs Anonymous. In seiner kontroversen Nachricht kritisiert Assange, Anonymous fehle es an Einigkeit - und unterstellt sogar, das Kollektiv sei vom FBI unterwandert worden.

Kürzlich hatten Anonymous-Aktivisten erklärt, WikiLeaks sei zu einer "One-Man-Show" von Julian Assange geworden, und dazu aufgerufen, die Seite vorerst nicht mehr zu unterstützen. Dies kam für viele Beobachter überraschend, da Anonymous zuvor immer wieder seine Solidarität mit WikiLeaks demonstriert hatte.

In einer auf dem Dienst TwitLonger veröffentlichten Botschaft nimmt Assange nun zur Kritik von Anonymous Stellung. In dem Text verweist Assange auf die Wichtigkeit von Einigkeit innerhalb einer aktivistischen Bewegung. Hierarchische Systeme wie das Militär, so Assange, könnten Einigkeit durch Maßnahmen wie "Isolation, ritualisierte Unterordnung und Zwangsmaßnahmen" herbeiführen. Dadurch würden sie aktivistische Gruppen, die keine "aus Solidarität und gemeinsamen Interessen abgeleitete" Einigkeit aufwiesen, dominieren. Im Grunde, so Assange, basiere die gesamte Zivilisation auf "Techniken der Einigkeit" - Gruppen, die sich untereinander einig seien, könnten sich positiv weiter entwickeln, während Gruppen, wo diese Einigkeit fehle "sich selbst und ihre Verbündeten gefährden" würden.

Ein weiteres Problem sieht Assange im Verhältnis zu den Mainstream-Medien. Erreiche eine Gruppe eine bestimmte Größe, so der Transparenz-Aktivist, bekomme die öffentliche Presse "ein Medium, über das die Gruppe mit sich selbst redet". Dadurch könne die Presse das Selbstbild der Gruppe beeinflussen. Die Mainstream-Presse jedoch, warnt Assange, habe ihre Agenda - ebenso wie die Insider, die mit ihr Kontakt aufnehmen. In großen Gruppen könnten Insider, die zur Presse Kontakt aufnehmen, über ihren Einfluss auf die Berichterstattung auch intern an Einfluss gewinnen.

Da Anonymous, wie der Name schon sagt, anonym agiere, sei es einfach, einflussreiche Personen insgeheim durch andere Personen mit anderen Interessen zu ersetzen oder die Akteure "umzudrehen", schreibt Assange weiter. Dies zeige bereits das Beispiel des LulzSec-Gründers Sabu, der sich Anfang des Jahres als FBI-Informant herausstellte.

Das FBI, so berichtet Assange, habe nach der Enttarnung Sabus und der darauf folgenden Festnahme mehrerer einflussreicher Hacktivisten mehrfach versucht, WikiLeaks zu infiltrieren, indem sich Agenten als Anonymous-Aktivisten ausgegeben hätten. "Laut FBI-Gerichtsdokumenten hat das FBI zu verschiedenen Zeitpunkten Anonymous-Server kontrolliert. Wir müssen davon ausgehen, dass derzeit eine ernst zu nehmende Anzahl von Anonymous-Servern und 'Führungs'-Persönlichkeiten kompromittiert sind. Das heißt nicht, dass Anonymous sich von Paranoia lähmen lassen sollte. Aber es muss die Realität einer Infiltration anerkennen. Die Förderung von 'anonhosting.biz' und ähnlichen Werkzeugen, die nicht von einer Falle der Ermittlungsbehörden zu unterscheiden sind, darf nicht toleriert werden," schreibt Assange.

Die Stärke von Anonymous, so Assange, sei es gewesen, keine Führungspersonen oder "andere angreifbare Aktivposten" zu haben. "Wenn jede Person wenig Einfluss auf das Ganze hat und keine Aktivposten besondere Bedeutung haben, sind kompromittierende Operationen teuer und ineffektiv," betont der Aktivist. Auf diesem Prinzip basiere auch das von WikiLeaks aufgebaute soziale Netzwerk für Unterstützer, Friends of WikiLeaks. WikiLeaks selbst habe eine "umfassend getestete öffentliche Führungsriege, um einen geheimen Austausch der Führung zu verhindern," so Assange - eine allerdings zweifelhafte Aussage, da auch WikiLeaks sich in der Vergangenheit durchaus den Vorwurf der Geheimnistuerei gefallen lassen musste.

Neben diesen Sicherheitsproblemen, so Assange weiter, fördere die Schaffung von Aktivposten hierarchisches Verhalten und Konflikte um die Kontrolle dieser Aktivposten. Dies umfasse auch "virtuelle Aktivposten wie Server, Twitter-Accounts und IRC-Kanäle". 

"Die Frage, die Anonymous sich stellen muss, ist, will es nur eine Gang sein ('erwartet uns') oder eine solidarische Bewegung. Eine solidarische Bewegung bezieht ihre Einigkeit aus gemeinsamen Werten und durch das symbolische Feiern von Individuen, deren Aktionen diese gemeinsamen Ideale fördern," schreibt Assange. 

Daneben weist Assange auch noch einmal - wie bereits über den offiziellen WikiLeaks-Twitter-Account - Vorwürfe zurück, WikiLeaks habe seine Global Intellgence Files mit einer Paywall versehen (gulli:News berichtete). Das fragliche Overlay erfordere lediglich, einmal am Tag die Seite weiterzuverbreiten, zu spenden oder eine Wartezeit in Kauf zu nehmen. Downloads der geleakten E-Mails per Torrent seien vollkommen unabhängig verfügbar. Dies sei keine Paywall. Assange räumt ein, dass man die Modalitäten klarer hätte darstellen können, betont aber gleichzeitig, diese hätte jeder herausfinden können, der "sich die Mühe macht, zu lesen." "Wir haben begrenzte Zeit und Ressourcen. Wir haben viele Schlachten zu schlagen. Außer eine erklärende Zeile zu schreiben haben wir die Kampagne nicht verändert und haben dies auch nicht vor," betont Assange. Er wisse, dass diese Kampagne nervig sei - das sei so intendiert, da es Sympathisanten an die "drohende Zerstörung von WikiLeaks durch eine unrechtmäßige Finanzblockade und eine Reihe von militärischen, geheimdienstlichen oder vom Justizministerium oder FBI ausgehenden Ermittlungen und dazugehörigen drohenden Prozesse" erinnern solle.

Assange schließt seine Erklärung mit dem Aufruf "Solidarität". Ob er diese von Anonymous in Zukunft wieder erhalten wird, bleibt abzuwarten. 

Annika Kremer (g+) am Montag, 15.10.2012 23:28 Uhr

Tags: aktivismus julian assange internet-aktivismus anonymous wikileaks

 
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5 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • ponal am 21.10.2012 04:24:43

    Ich will gar nicht wissen was da neben fbi, bka und al kaida noch mitschwimmt. na gulli user! ...

  • simpliziss am 20.10.2012 23:12:20

    Vielleicht sieht das ja noch jemand. :D Jetzt auf P H O E N I X bis 00.00 Uhr (leider schon seit 22:30 Uhr) Bekannt wurden Julian Assange und seine Enthüllungsplattform WikiLeaks schlagartig, als sie brisante Akten aus dem Irak-Krieg, geheime Dokument ...

  • AluMiez am 16.10.2012 11:12:29

    Anonymus kann sich doch jeder nennen. Von infiltration kann man doch gar nicht sprechen... ;) Ich will gar nicht wissen was da neben fbi, bka und al kaida noch mitschwimmt. Denke das kann man schon. Zwar sind in Anonymous wirklich alle Ansichten vertreten, doch wie sc ...

  • Nirari am 16.10.2012 07:55:40

    Anonymus kann sich doch jeder nennen. Von infiltration kann man doch gar nicht sprechen... ;) Ich will gar nicht wissen was da neben fbi, bka und al kaida noch mitschwimmt. ...

  • Theojin am 16.10.2012 01:38:14

    Mich würde es ja freuen, wenn man diese Grabenkämpfe unter- und gegeneinander endlich mal lassen würde, und sich wieder der ursprünglichen Idee zuwenden würde. Nämlich die ganzen Verbrechen und scheinheiligen Manöver der Eliten in den westlichen Ländern aufzudecken und einer breiten Öffentlichkeit ...

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