
Das neueste Werk von Lawrence Lessig ist hochaktuell und kann nahtlos in der aktuellen Debatte um Three-Strikes, Filesharing und dem Urheberrecht ansetzen. Kurz zusammengefasst beschreibt der Autor die Entwicklung unserer Kultur, die im letzten Jahrhundert "Read-Only (nur Lesen)" gewesen ist und seit einigen Jahren zur "Read-Write (Lesen und Schreiben)"-Kultur wurde. Das gängige und noch immer in dieser Form angewendete Urheberrecht kommt aus dem "Read-Only" Zeitalter. In einer ausführlichen Analyse mit vielen Beispielen schildert er das Geschäftsmodell, wie auch Gesellschaftsmodell, einer "hybriden Ökonomie", die sowohl auf die Gemeinschaft setzt, die frei Leistungen und Werke erstellt und tauscht, während es im selben System Elemente gibt, die an der Geld-Ökonomie teilnehmen.
Für viele überraschend scheint Lessigs Erkenntnis zu sein, dass beide auch wunderbar nebeneinander existieren können. "Die "Copyright-Kriege" haben dazu geführt, dass viele denken, es geht um alles oder nichts. Entweder wird "Hollywood" oder "das Netz" gewinnen. Entweder werden wir etwas Wichtiges aus der Vergangenheit verlieren, oder aber vorschnell etwas Wertvolles töten, was wir in Zukunft haben könnten. Wer immer gewinnen mag, der andere muss verlieren. (...) Dabei kann eine Koexistenz möglich sein. Und viel interessanter (vor allem für diejenigen, welche auch ökonomische Seite betrachten), könnte die Entwicklung zu einer neuen Form von Unternehmen führen, die in der Vergangenheit sehr selten gewesen ist, welche aber ein hohes ökonomisches Potenzial beherbergt: Ich nenne sie den "Hybriden". Lessig nennt als Beispiele sowohl freie Software, zum Beispiel Red Hat und Ubuntu, die auch ökonomisch erfolgreich sind, aber auch Flickr, Craigslist und einige kleinere Beispiele, die dieser neuen Regel folgen.
Kernstück ist immer wieder, dass es in dieser Art der "Unternehmen" Bereiche gibt, wo Wissen und Inhalte frei getauscht werden - mit einem hohen Zusammengehörigkeitsgefühl, während in anderen Teilen irgendetwas vermarktet wird. Bei Craigslist zum Beispiel sind alle Online-Kleinanzeigen frei, nur für Kleinanzeigen im Job- und Wohnungsmarkt in bestimmten Städten muss bezahlt werden.
Lawrence Lessign schließt daraus, dass das Urheberrecht geändert werden muss (geändert, nicht aufgegeben). So muss die Kriminalisierung von Filesharing gestoppt werden und auch die alltägliche Schöpfung muss entkriminalisiert werden. "Parallele Ökonomien sind möglich", heißt es. Dazu zeigt Lessig einen sehr interessanten Gedankengang auf: "Die wahrscheinlich einfachste und gleichzeitig wichtigste Schlussfolgerung ist, dass parallele Ökonomien möglich sind. Ein Werk kann kommerziell lizenziert und gleichzeitig in der freien Ökonomie vorhanden sein. Wenn dieses nicht der Fall sein sollte, dann gäbe es keine Musikindustrie mehr: Trotz des Kriegs gegen Filesharing ist im Prinzip jedes einzelne Musikstück, welches kommerziell erhältlich ist, illegal in Filesharingnetzwerken auffindbar. (...) Laut Angaben der Musikindustrie würde ihr dieser Sachverhalt 21 Prozent Umsatzeinbußen bescheren. Wären parallele Ökonomien nicht möglich, so würden es nicht 21 Prozent, sondern 100 Prozent sein."
Das Buch "Remix" kann man in Englisch runterladen bei Bloomsbury Academic.
(Text und Übersetzung: 020200)
News Redaktion am Mittwoch, 06.05.2009 22:50 Uhr
"Laut Angaben der Musikindustrie würde ihr dieser Sachverhalt 21 Prozent Umsatzeinbußen bescheren. Wären parallele Ökonomien nicht möglich, so würden es nicht 21 Prozent, sondern 100 Prozent sein." Das ist ein wirklich interessanter Punkt. Ich denke, neben fehlenden technischen Kenntnissen und ...
Seit kurzem ist das neueste Buch "Remix" vom Creative Commons-Vordenker Lawrence Lessig als freier pdf-Download erhältlich. Das neueste Werk von Lawrence Lessig ist hochaktuell und kann nahtlos in der aktuellen Debatte um Three-Strikes, Filesharing und dem Urheberrecht ansetzen. Kurz zusamm ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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