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Update

AntiSec veröffentlicht Daten von iOS-Geräten

#antisec - in der Botschaft verwendetes Ascii-Art

#antisec - in der Botschaft verwendetes Ascii-Art

Die Hacktivisten-Gruppe "AntiSec" trat am gestrigen Montag wieder in Erscheinung und veröffentlichte eine Million Datensätze von Apple-iOS-Geräten bestehend aus Unique Device Identifiers (UDIDs), Benutzer- und Gerätenamen, Adressdaten und anderen sensiblen Daten. Diese erbeuteten die Hacktivisten angeblich beim Einbruch in den Laptop eines FBI-Mitarbeiters.

Die Hacktivisten melden sich wie häufig bei ihren Aktionen über die Website Pastebin zu Wort. Dort findet sich, wie so oft, eine Erklärung des Einbruchs samt einem langatmigen und recht prahlerischen Text sowie mehreren Ascii-Arts. 

AntiSec erklärt, in den vergangenen Wochen hätten sie "neues Zeug und Scheiß für unsere nächsten Wiederholungen getestet". Nun wären sie bereit, eine Sonderausgabe des "Fuck FBI Friday" zu präsentieren, die so besonders sei, dass sie sogar stattfinde, obwohl nicht Freitag sei.

Die eigentlichen Datensätze wurden von AntiSec auf mehrere One-Click-Hoster hochgeladen und von dort zum Download angeboten. Die Hacktivisten behaupten, sie hätten über zwölf Millionen Datensätze in ihrem Besitz, hätten aber beschlossen, "eine Million zu veröffentlichen, sei genug". Einige persönliche Daten wie komplette Namen, Adressen und Mobilfunk-Nummern wurden von den AntiSec-Aktivisten nach ihren eigenen Angaben entfernt. Die Hacktivisten betonen, sie hätten das Konzept von UDiDs nie gemocht und dieses sei eine "wirklich schlechte Entscheidung von Apple".

Logo der US-Polizei FBI, von deren Rechnern AntiSec angeblich die Datensätze kopierte

Logo der US-Polizei FBI, von deren Rechnern AntiSec angeblich die Datensätze kopierte

Erbeutet wurden die Datensätze nach Angaben AntiSec von der US-Bundespolizeibehörde FBI. Mit dem Leak soll auf die Praxis des FBI, derartige Daten zu sammeln und auszuwerten, aufmerksam gemacht werden. Warne man lediglich auf normalem Wege vor dieser Problematik, interessiere das keinen, so die Hacktivisten. Das FBI würde die Warnung einfach "abstreiten oder ignorieren" und der Rest hätte sie schnell vergessen. Durch den Leak wolle man zeigen: "Das Scheiß-FBI verwendet deine Geräte-Info für ein Projekt zur Überwachung von Leuten oder irgendeinen Scheiß". Zudem hoffe man, Apple, das derzeit nach Alternativen zu den UDIDs suche, dahingehend zu beeinflussen, dass das Unternehmen von diesem Konzept abrücke.

Eine - allerdings nicht sehr detaillierte - Beschreibung des erfolgreichen Angriffs liefert AntiSec ebenfalls. Die Hacktivisten erklären, im März 2012 seien sie unter Ausnutzung einer Java-Schwachstelle in den Dell-Laptop des FBI-IT-Experten Special Agent Christopher K. Stangl eingebrochen. Sie hätten eine "Shell Session" geöffnet - sich also per Kommandozeile in das System eingeloggt - und von seinem Desktop mehrere Dateien heruntergeladen. Eine davon habe den Namen "NCFTA_iOS_devices_intel.csv" getragen. Das csv-Format ist ein beliebtes Text-Format, das ein problemloses Einlesen der enthaltenen Daten in gängige Datenbanken erlaubt. Dabei habe es sich um eine Liste von 12.367.232 Apple-iOS-Geräten mitsamt einer Reihe sensibler Daten gehandelt. Allerdings seien bei vielen Datensätzen viele Felder leer gewesen und die Liste daher "in weiten Teilen nicht komplett". Keine andere Datei im selben Verzeichnis erwähne die Liste oder deren Zweck. 

Neben diesen konkreten Informationen findet sich auf Pastebin auch ein ausführlicher "ideologischer" Text der Hacktivisten. Dieser nimmt zunächst Bezug auf die Versuche von NSA-Chef General Keith Alexander (von den Hacktivisten in die Nähe der Bilderberger gerückt), auf der kürzlich in Las Vegas abgehaltenen Hackerkonferenz DefCon Hacker für den Staatsdienst zu rekrutieren. Dies sei ein "amüsierend heuchlerischer Versuch des Systems, Hacker durch Schmeicheleien dazu zu bringen, Werkzeuge des Staates zu werden, während sein ach-so-rechtschaffener Arbeitgeber alle jagt, die nicht wie verdammte Hunde vor ihnen kriechen". Dennoch habe man die Botschaft verstanden und beschlossen, damit zu beginnen, die IT-Sicherheit zu verbessern und dabei als erstes das FBI zu überprüfen.

Das FBI, so die Hacktivisten, mache "das Internet mit Absicht unsicher, um seine Bilanzen zu verbessern". Aber das sei "ein Scheiß-Job, vor allem, seit sie beschlossen haben, uns zu jagen und unsere Freunde in den Knast zu stecken". Es sei "ein alter doppelter Standard, den es seit den 80ern gibt"; Regierungsbehörden seien "besessen von Hexenjagden gegen Hacker in aller Welt, während sie gleichzeitig Hacker rekrutieren, um ihre eigene politische Agenda in die Tat umzusetzen". "Es ist verboten, das System zu überlisten, sich ihm zu verweigern, es zu umgehen. Kurz gesagt, während man für den Status Quo hacken darf, ist es verboten, den Status Quo zu hacken. Tu einfach, was man dir sagt. Mach dir keine Sorgen über schmutzige geopolitische Spiele, das ist eine Angelegenheit der Elite", heißt es in der Botschaft. Diejenigen, die General Alexander kontrollierten, wollten auch die Hacker kontrollieren. Anderenfalls drohten diesen ernste Konsequenzen.

Um diese Konsequenzen zu illustrieren, nehmen die Hacktivisten Bezug auf den Fall des deutschen Hackers Karl Koch alias "hagbard" beziehungsweise "Hagbard Celine". Dieser sei 1989 "ermordet worden, nachdem er in Spionage-Angelegenheiten des Kalten Krieges in Zusammenhang mit dem KGB und den USA verwickelt wurde". Diese Behauptung ist umstritten - als offizielle Todesursache Kochs wird Suizid angenommen, was aber von Teilen der Hackerszene nach wie vor bezweifelt wird. Ebenso ist es im Fall des ebenfalls in der Botschaft erwähnten, 1998 verstorbenen Boris F. alias "Tron", der sich zu Lebzeiten mit Verschlüsselung, insbesondere dem Knacken verschlüsselter Telefon-Systeme, befasste. "Und dann gibt es noch Gareth Williams (31), den GCHQ-Hacker [das GCHQ mit Sitz in Cheltenham ist Englands technischer Geheimdienst, d. Red.], der im 'sicheren Haus' des MI6 (wir wollen nicht wissen, wie die unsicheren aussehen) im August 2010 ermordet und 'eingetütet' wurde, nachdem er mit anderen Hackern im IRC darüber gesprochen hatte, er sei neugierig, etwas an WikiLeaks zu leaken", schreibt AntiSec. Die Liste lasse sich fortsetzen. Diese Taten seien "leicht zu vertuschen, wenn sie wollen, Hacker haben oft komplexe Persönlichkeiten, so dass es gut passt, ihren Suizid vorzutäuschen".

Logo der Whistleblowing-Website WikiLeaks, mit der sich die Hacktivisten in vieler Hinsicht solidarisch fühlen

Logo der Whistleblowing-Website WikiLeaks, mit der sich die Hacktivisten in vieler Hinsicht solidarisch fühlen

"Du darfst gerne hacken, was das System von dir gehackt haben will. Wenn nicht, wirst du bestraft," erklären die Hacktivisten. So drohe etwa dem Anonymous- und LulzSec-Aktivisten Hammond, dass er den Rest seines "produktiven Lebens" im Gefängnis verbringen müsse, weil er "ein ideologisch motivierter politischer Dissident" sei, der Korruption und Lobbyismus habe aufdecken wollen. Der mutmaßliche WikiLeaks-Informant Bradley Manning sei gefoltert worden, nachdem er versucht habe, Fehlverhalten der US-Streitkräfte aufzudecken. 

Die Bevölkerung allerdings sei zunehmend frustriert über die Manipulationsversuche des Systems und die Macht frustrierter Menschen solle man niemals unterschätzen, scrheibt AntiSec. Die Gruppe habe in den letzten Jahren vielfach aufgedeckt, wie Steuergelder für Überwachung, die "Diskreditierung abweichender Meinungen" und Korruption ausgegeben worden seien. "Wir haben ein kriminelles System aufgedeckt, das diejenigen, die anders denken, ausschaltet, indem es sie kriminalisiert," heißt es. Das System werde "diejenigen nicht tolerieren, die nach der Wahrheit graben", da es das gar nicht könne. Problematisch, so der Text, sei auch die Tendenz, dass man Geräte nicht verändern könne und diese bald überholt seien. So müsse man ständig Geld für neue Geräte ausgeben, könne diese aber nicht nach Belieben nutzen. Zudem sollten die Menschen nicht zuviel denken, weswegen sie zuviel arbeiten und ihre Freizeit mit Drogen oder sinnloser Unterhaltung verbringen sollten. Diejenigen, die sich dem entzögen, die "einsamen Wölfe außerhalb des Systems", müssten den Zorn der Autoritäten fürchten. Die AntiSec-Mitglieder aber seien Hacker und als solche gewöhnt, innovative Lösungen zu finden. Das aktuelle System sei "nur ein weiteres System… und wir tun das. Wir hacken Systeme".

Die "nächste Herausforderung", so AntiSec, sei es, "zu entscheiden, ob wir Werkzeuge für das System oder für uns selbst werden. Das System plant, uns zu benutzen, um ihre nächsten endlosen Kriege, die Cyberkriege, zu kämpfen. Hacker gegen Hacker, Sklaven gegen Sklaven." Die Regierungen kontrollierten in aller Welt bereits das reale Leben und versuchten nun, auch das Internet zu kontrollieren. Es liege an allen Internet-Nutzern, in diesem Konflikt nun eine Seite zu wählen.

Daneben erklären die Hacker ihre Solidarität mit WikiLeaks und Julian Assange, den Menschen in Tunesien, Ägypten und Syrien sowie der russischen Punk-Band "Pussy Riot". 

Eine Stellungnahme des FBI zu dem Vorfall liegt bislang noch nicht vor.

Update:

Laut der Website Ars Technica liegt mittlerweile eine erste Stellungnahme des FBI vor. Darin heißt es: "Dem FBI sind veröffentlichte Berichte, in denen behauptet wird, ein FBI-Laptop sei kompromittiert und private Daten einschließlich Apple UDIDs seien kompromittiert worden, bekannt. Derzeit gibt es keine Beweise, die darauf hindeuten, dass ein FBI-Laptop kompromittiert wurde oder dass das FBI diese Daten gesucht oder gesammelt hat."

Annika Kremer (g+) am Mittwoch, 05.09.2012 02:38 Uhr

Tags: cyberwar fbi hacktivismus ios antisec fuck fbi friday

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24 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • ponal am 10.09.2012 18:43:09

    nicht vom fbi: http://redtape.nbcnews.com/_news/2012/09/10/13781440-exclusive-the-real-source-of-apple-device-ids-leaked-by-anonymous-last-week für die verschwörungstheoretiker gefundenes fressen lasst mal euren spinnergeist freien lauf. ...

  • Annika_Kremer am 05.09.2012 16:42:22

    Ich wüsste nicht, was uns das anginge (was aber für 70% von unnex' Posting imho genauso gilt). Unabhängig davon bitte ich darum, unnötige Fullquotes in den Beiträgen zu unterlassen. ...

  • Doomed am 05.09.2012 16:01:06

    is das jetzt was neues? ich meine, es ist vollkommen normal und bekannt das behoerden alles moegliche ueber einen in erfahrung bringen wenn sie einen suchen. das geht los mitn heimlichen wuehlen in muelltonnen, permantes beschatten zu fuß, auto und luft, permanentes ueberwachen ...

  • Annika_Kremer am 05.09.2012 14:32:39

    Mein Mobiltelefon kann auch nichts. Liegt aber mehr daran, dass ich nicht unterwegs mit E-Mails und Instant Messages genervt werden möchte, als an Sorgen um meine Privatsphäre (abgehört werde ich vermutlich eh). Zum Thema: den Versuch, die "Verräter-App" zu finden, finde ich ganz interessant. Aber ...

  • Mr.Harmlos am 05.09.2012 14:14:02

    Ich habe ein Stupidphone denn ich bin Smart. ^^ Im ernst ich halte Handys für Ortungswanzen. Am besten ein NURTELEFON aufm Flohmarkt koofen und mit ner billig Sim im Internetcafe aktivieren. Da beim Ersten einbuchen in das Netz nach der OnlineRegistrierung/Aktivierung auch der Funkzellen A ...

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