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Anti-Piraterie-Werbespot: Musiker um Bezüge betrogen

Wenn Piratenjäger zu Piraten werden?

Wenn Piratenjäger zu Piraten werden?

Der Komponist Melchior Rietveldt ging in Amsterdam vor Gericht um klären zu lassen, ob man ihn in vollem Umfang für ein Musikstück eines Anti-Piraterie-Werbespots entlohnt hat. Die Verwertungsgesellschaft Buma/Stemra wurde wegen fahrlässigen Verhaltens zu 20.000 Euro Geldstrafe verurteilt. Verantwortlich dafür ist aber der Mutterkonzern von BREIN. Wurden die Piratenjäger etwa selbst zu Piraten?

Diese Woche entschied das Landgericht Amsterdam über einen Fall des Komponisten Melchior Rietveldt gegen die Verwertungsgesellschaft Buma/Stemra. Laut Urteil habe das Unternehmen tatsächlich fahrlässig mit dem Klienten verfahren und wurde deswegen zu einer Geldstrafe von 20.000 Euro verurteilt. Der niederländische Musiker schuf für BREIN einen Musiktitel für eine Anti-Piraterie-Werbung. Doch anstatt den Titel wie vereinbart nur einmalig für ein Filmfestival einzusetzen, wurde seine Musik ohne die Erlaubnis des Autors als Vorspann diverser kommerzieller DVDs weiterverwendet. Auf Anfrage bei der Verwertungsgesellschaft Buma/Stemra erhielt er einen Vorschuss in Höhe von 15.000 Euro, später weitere 10.000 und im Juni dieses Jahres 31.000 Euro. Rietveldt entdeckte den Werbespot zufällig, als er sich eine gekaufte DVD von Harry Potter ansehen wollte.

Ihm wurde anfangs zugesichert, er bekomme eine komplette Liste aller DVDs, auf denen sein Musikstück zu finden ist. Nachdem dies nicht geschah, ging Rietveldt vor Gericht und fand heraus, dass man seinen Song in mindestens 71 kommerziellen DVDs eingesetzt hat. Er forderte 164.974 Euro ein, die ihm weder die Piratenjäger von BREIN, deren Muttergesellschaft NVPI und auch nicht die Verwertungsgesellschaft bezahlen wollte. Neben der Geldstrafe müssen nun auch die Rechtsanwalts- und Gerichtskosten von der Gegenseite getragen werden. Zudem wurde die Verwertungsgesellschaft gerichtlich dazu verpflichtet, den Autoren zeitnah über die Verwendung seines Musikstückes zu informieren. Zu der extremen Verzögerung kam es offenbar, weil sich der Mutterkonzern von BREIN nicht mit Buma/Stemra über die Höhe der Lizenzgebühren einigen konnte oder wollte. Warum die niederländischen Piratenjäger der NVPI beziehungsweise BREIN den Komponisten nicht über die Verwendung seines urheberrechtlich geschützten Werkes informiert haben, ist hingegen nicht bekannt.

Doch der Skandal geht noch darüber hinaus. Buma/Stemra-Vorstandsmitglied Jochem Gerrits soll dem Komponisten laut seinen Angaben angeboten haben, er solle beim Label High Fashion Music unterschreiben. Das Label von Gerrits hätte folglich 33 Prozent der Umsätze des Komponisten einstreichen können. Der Fernsehsender PowNews hatte das Gespräch mitbekommen und wurde verklagt. Man habe den Geschäftsmann verleumdet der später angab, er habe von Beginn an zum Musiker lediglich in seiner Rolle als Labelchef gesprochen. Die 33 Prozent Anteil seien zudem branchenüblich. Der niederländische Justizminister kündigte nach Bekanntwerden des Vorfalls neue Gesetze an. Derartige Überschneidungen und Interessenkonflikte sollen künftig unmöglich sein.

Bild-Quellen: freeendlessinfo.com

Text-Quellen: TorrentFreak futurezone

Lars Sobiraj (g+) am Donnerstag, 19.07.2012 11:17 Uhr

Tags: buma stemra brein nvpi melchior rietveldt

vgwort
 
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8 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Rsistor am 20.07.2012 23:26:57

    Umso schlimmer/lauter die moralische Heuchelei umso krimineller die dahinstehenden Verantwortlichen. Das war immer so... ...

  • Nicky343 am 20.07.2012 20:31:40

    Na welch ein Glück, dass unser neuer OB von Halle (S.) nicht bei einem Energiekonzern im Aufsichtsrat ist. :-) Naja, aber ganz zufrieden bin ich mit dem Wahlergebnis trotzdem nicht (ich hatte im zweiten Wahldurchgang nicht Herrn Dr. Wiegand gewählt). Egal, interessant ist es jedenfalls, dass sich a ...

  • DermitdemFeuer am 20.07.2012 19:04:01

    Ich frage mich wirklich ob jemand diese Propaganda noch glaubt. Gerade im Interesse der Künstler muss dieser Wahnsinn aufhören. ...

  • Trollolol am 19.07.2012 20:47:15

    Na und, Heuchlerei ist doch vollkommen üblich und im Trend. Gerade die Politiker und Wirtschaftsmenschen, die am lautesten nach Restriktionen und Bestrafungen für etwas rufen, sind die größten Schweine in diesem Bereich. Urheberrecht, Patente, Gebühren, Steuern, Sexualität, Religion, Korruption, etc ...

  • IronCandy am 19.07.2012 19:21:45

    Verwertungsgesellschaften sind nichts anderes als Banken für geistiges Eigentum. Verwertungsgesellschaften die sich auf Investment und Spekulation konzentrieren nennt man Patenttrolle. Und Gesellschaften wie aus diesem Artikel sind quasi die Hedgefonds die nen Künstler kaufen, aufpumpen und wenn e ...

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