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Wikipedia: Studie analysiert die Löschkriege der Community

Wikipedia Wars - die Löschkriege gehen weiter

Wikipedia Wars - die Löschkriege gehen weiter

Fünf wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität Budapest untersuchten die Löschkriege der ehrenamtlichen Mitarbeiter von Wikipedia. Sie kamen zu dem Ergebnis, die Online-Enzyklopädie ist nicht nur eine Quelle des Wissens, sondern auch ein Schauplatz interner Streitigkeiten, ständigen Löschens und häufig wiederholter Einträge, die die Informationen der Mitbewerber überschreiben sollen.

Neben den Budapester Fakultäten für Technik und Wirtschaft, Computer und Automatisierung war auch die Fakultät für theoretische Physik an der Untersuchung beteiligt. Die fünf Beteiligten der Studie untersuchten innerhalb der englischsprachigen Wikipedia besonders heiß umkämpfte Schauplätze. Im Zentrum der Untersuchung befanden sich die Seiten "Homosexualität" und "Lady Gaga". Dabei stellte sich heraus, dass die Edit Wars nicht gleichförmig verlaufen. Sie passieren vielmehr blitzartig, indem innerhalb kürzester Zeit Informationen korrigiert, hinzugefügt oder sogar ältere von der Seite entfernt werden. Das Gros der Hobbykorrektoren geht seiner Arbeit nach, ohne die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Die Front eines Löschkriege verläuft zumeist zwischen zwei besonders lärmenden Personen, die sich in bestimmten Fachfragen nicht einigen können oder wollen. Dies resultiert dann darin, dass die Veränderungen des Mitbewerbers rückgängig gemacht werden, was den Kontrahenten dazu ermuntert, gleichzuziehen. Als Schauplatz eignen sich aber nicht nur besonders kontroverse Artikel. Auch historische Ereignisse, wie beispielsweise der Tod von Michael Jackson, zogen eine wahre Flut an Löschungen und Veränderungen nach sich. Die Auseinandersetzung zwischen den Autoren verläuft mitunter sehr hitzig. Die Studie kam zum Ergebnis, es sei nicht selten genauso spannend, die Versionsgeschichte zu lesen, wie den Eintrag an sich. Interessant ist auch, dass die Verfremdungen der Einträge zumeist zu bestimmten Uhrzeiten stattfinden. In der Versionsgeschichte zeigt sich im Detail, wer was wann verändert oder wieder rückgängig gemacht hat. Die Studie wurde kürzlich unter Anwendung von Creative Commons Lizenzen veröffentlicht und ist hier einsehbar.

Vor etwa einem Jahr veröffentlichte das IT-Portal PC World die zehn intensivsten Löschkriege der englischsprachigen Wikipedia. Ganz oben in der Statistik befinden sich die Seiten des Wissenschaftlers Nikola Tesla und die Frage, welcher Nationalität er angehörte. Nicht minder strittig war, ob der Cäsarsalat Sardellen enthält. Ebenfalls bestanden Unklarheiten bezüglich der exakten Geburtsstunde der Wikipedia, den technischen Ausrüstung des Todessterns von Star Wars und viele weitere Fragestellungen, die die Autoren teilweise bis heute zum Streit anregen.

gulli.com untersuchte bereits im Oktober 2010 eingehend die Strukturen der Wikipedia und ihrer deutschsprachigen Community. Von einem demokratischen Aufbau ist die Organisation trotz der unzähligen Hobbyautoren weit entfernt. Wikipedia-Gründer Jimmy Wales sagte im Jahr 2005, die Wikipedia sei eine Enzyklopädie und kein "Demokratie-Experiment". In der Befehlskette unterhalb der Vorstandsmitglieder der Wikimedia befinden sich die Admins, Oversight-Berechtigten, Bürokraten, Check-User-Beauftragen oder Mitglieder eines Schiedsgerichts.

Nachhaltige Kritiker gelten unabhängig von ihrem Grad der Aktivität irgendwann als "Projektstörer" oder "Demokratiefanatiker". Abstimmungen innerhalb der Community finden statt, obwohl diese nicht selten als "böse" bezeichnet werden. Zitat aus dem Meta-Wiki der Wikipedia: "Polls are evil. Don't vote on everything, and if you can help it, don't vote on anything." Jimbo Wales machte sich unlängst Sorgen, die Mehrheitsentscheidungen könnten mitunter den gesunden Menschenverstand aufheben. "Wikipedia ist keine Demokratie, sondern eine Willkürherrschaft. Man hat keine Rechte. Demokratie ist hier ein Schimpfwort."

Und weiter: "Wenn du auf einen Administrator triffst, verhalte dich unterwürfig und lernbereit, wenn er dir Vorschriften macht, nimm sie dir zu Herzen. (…) Die erste Regel lautet also, ein Administrator tut was er will, ein normaler Benutzer hingegen muss sich 

akribisch an die Regeln halten, will er seine Überlebenschancen als Autor wahren. Wenn der Administrator dich anschnauzt, hast du was falsch gemacht, wenn du dich dagegen beschwerst, bist du 'Troll' und verstößt gegen die 'Wikiquette'. Wenn du grundsätzlich das Überwachungs- und Bestrafungssystem der Administratoren anzweifelst, bist du 'Demokrat' und, da alle Demokraten wegen 'Trollerei' gesperrt worden sind, bist du logisch notwendig der illegale 'Klon' eines anderen Demokraten. In jedem Fall wirst du entweder öffentlich zur Abschreckung an den Pranger gestellt oder dein Account wird heimlich ohne viel Federlesen gelöscht. Die Löschgründe sind dabei so spekulativ und so dürr, dass einem echten Bürokraten die Haare zu Berge stehen würden."

Wer der Willkür der Administratoren entkommen will, soll sich laut der ernst gemeinten Anweisung anpassungsfähig, fleißig und systemkonform verhalten. Besonders gefügige Mitarbeiter werden irgendwann selbst Admin auf Lebenszeit. "Dann bist du der Meister und kannst deinen Erbhof verwalten. Dann bist du es, der die Vorschriften macht und die träge Masse der unmündigen Benutzer lenkt. Du bist frei in einer freien Wikipedia." Mit anderen Worten: Normalsterbliche Mitarbeiter sind nichts als hörige Armeisen, die dem Staate Wikipedia dienen dürfen. Jegliche Freiheit beginnt erst mit Erreichen des Ranges Administrator. Es darf allerdings stark bezweifelt werden, ob die meisten Beobachter den Begriff Freiheit in der gleichen Weise definieren würden.

Bild-Quellen: pc world

Text-Quellen: msnbc.com

Lars Sobiraj (g+) am Sonntag, 24.06.2012 20:07 Uhr

Tags: jimmy wales wikimedia wikipedia

vgwort
 
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8 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • StaTiC am 26.06.2012 15:03:11

    Die erste Beschwerde der Wikimedia Foundation ist deswegen schon bei mir eingegangen gestern. Blöd nur, dass Beschwerden nur bei Unwahrheiten und Drückebergern ziehen. Da bleibt wohl der Wikifoundation nix anderes übrig als es hinzunehmen oder es zu ändern. ...

  • PTL am 26.06.2012 13:58:20

    naja , aber das geht doch schon seit mehreren jahren so . und was hat sich geändert ? nix garnix und die deutsche version is sogar noch schlimmer geworden . ich sage nur "relevanz" lol ...

  • Ghandy am 26.06.2012 09:18:03

    Die erste Beschwerde der Wikimedia Foundation ist deswegen schon bei mir eingegangen gestern. n1 artikel! endlich wird mal das wahre gesicht von wikipedia gezeigt. ...

  • Lugyacci am 25.06.2012 06:33:44

    Admins sind Götter, und Mods Halbgötter. Ist doch überall so! Auch hier. Das kann ich leider nur bestätigen. ...

  • unnex am 25.06.2012 05:50:24

    n1 artikel! endlich wird mal das wahre gesicht von wikipedia gezeigt. ...

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