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Alan Turing: 100. Geburtstag des Informatik-Pioniers

In Bletchley Park aufgestellte Schiefer-Statue Alan Turings

In Bletchley Park aufgestellte Schiefer-Statue Alan Turings

Am heutigen Samstag jährt sich der Geburtstag von Alan Turing zum 100. Mal. Der Mathematik- und Informatik-Pionier, der sich im Zweiten Weltkrieg große Verdienste um die Entschlüsselung des Funkverkehrs deutscher Schiffe erwarb, wurde am 23. Juni 1912 in London geboren.

Bereits in den 1930er Jahren verfasste Turing einige bedeutende mathematische Schriften, darunter das bekannte Werk "On Computable Numbers, with an Application to the 'Entscheidungsproblem'", in dem er auch die Idee der heute als "Turingmaschine" bekannten mathematischen Geräte vorstellte. Mit diesem Gerät, das eine Art abstraktes Modell eines Computers darstellt, kann jedes mathematische Problem gelöst werden, sofern es durch einen Algorithmus lösbar ist. Turingmaschinen haben bis heute Bedeutung insbesondere in der theoretischen Informatik.

Große Verdienste erwarb sich Turing im Zweiten Weltkrieg. Zusammen mit anderen Intellektuellen arbeitete er im Codeknacker-Zentrum in Bletchley Park an der Entschlüsselung verschlüsselter deutscher Funksprüche. Insbesondere aufgrund der sehr starken Chiffriermaschine "Enigma" war dies eine große Herausforderung. Turing erwarb sich große Verdienste um die Konstruktion geeigneter Geräte und Modelle. Letztendlich gelang es den Krypto-Analysten in Bletchley Park, einen Durchbruch bei der Entschlüsselung der Nazi-Codes zu erzielen. Man geht heute davon aus, dass dies maßgeblich zum Sieg Englands im U-Boot-Krieg beitrug. Damals allerdings wurde die Arbeit der Krypto-Analysten durch die britische Regierung streng geheim gehalten.

Nach dem Krieg war Turing zunächst im National Physical Laboratory in Teddington tätig. Er arbeitete an den ersten Computern und entwickelte unter anderem den Turing-Test, mit dessen Hilfe festgestellt werden soll, ob ein Computer eine dem menschlichen Gehirn vergleichbare Abstraktionsfähigkeit erreicht hat. Heute werden Turing-Tests - vor allem in Form von CAPTCHAs, also "Completely Automated Turing Tests to tell Humans and Computers Apart" - auch dazu eingesetzt, automatisierte Scripts zu erkennen und so Angriffe mit Hilfe von Bots zu erschweren. Von 1952 bis zu seinem Tod 1954 arbeitete Turing an mathematischen Problemen der Biologie.

Ab 1952 wurde Turing aufgrund seiner Homosexualität, deren Ausleben damals als "grobe Unzucht und sexuelle Perversion" gewertet wurde, von den britischen Behörden schikaniert. Er wurde gezwungen, sich einer Hormonbehandlung, einer sogenannten "chemischen Kastration", zu unterziehen, die erhebliche Nebenwirkungen hatte. Außerdem verlor er seine Sicherheitseinstufung. Dies führte vielen Berichten zufolge zu einer Depression.

Turing starb am 7. Juni 1954 an einer Zyanid-Vergiftung. Die gängige Erklärung ist, dass er aufgrund der Repression, die er wegen seiner Homosexualität erlitt, Suizid beging. Jüngst äußert der Turing-Experte Prof Jack Copeland allerdings Zweifel an dieser Theorie. Er argumentiert, dass damals nur sehr schlampig ermittelt wurde und ein Unfall ebenso als Erklärung für den Tod des Mathematik-Pioniers in Frage kommt.

Screenshot des heutigen Google-Doodles, das eine Turing-Maschine zeigt

Screenshot des heutigen Google-Doodles, das eine Turing-Maschine zeigt

Im Jahr 2009 entschuldigte sich die britische Regierung offiziell für das Turing angetane Unrecht (gulli:News berichtete). Eine 2012 eingereichte Petition, den Mathematiker offiziell zu rehabilitieren und seine Verurteilung aufzuheben, lehnte die Regierung aber ab, da sie dies als Geschichtsfälschung wertet (gulli:News berichtete). Kürzlich war der Informatik-Pionier in den Schlagzeilen, weil von ihm - teils handschriftlich - verfasste Dokumente über die Theorie des Codeknackens erstmals öffentlich gemacht wurden (gulli:News berichtete). Diese waren zuvor geheim und wurden von den Geheimdiensten ausgewertet, die nach eigenen Angaben erheblichen Nutzen aus der Arbeit zogen. Die Dokumente befassen sich vor allem mit der Anwendung mathematischer, insbesondere statistischer Verfahren auf das Entschlüsseln von Codes.

Angesichts des heutigen Jahrestages gedenken Computer-Begeisterte in aller Welt der Verdienste Turings. Zu diesem Anlass startete beispielsweise das Distributed-Computing-Projekt "Prime Grid", bei dem nach Primzahlen gesucht wird, einen dreitägigen Marathon, der noch bis Mitternacht am heutigen Samstag (Greenwich-Zeit) andauert. Die vom Projekt gesuchten großen Primzahlen spielen vor allem in der Kryptographie eine große Rolle. Auch Suchmaschinen-Gigant Google ehrt Turing: im Gedenken an die Arbeit des Mathematikers befindet sich als Doodle auf der Google-Startseite heute eine funktionsfähige Turing-Maschine.

Bild-Quellen: Jon Callas unter CC-BY 2.0 via Wikimedia Commons

Annika Kremer (g+) am Samstag, 23.06.2012 12:36 Uhr

Tags: alan turing bletchley park enigma geschichte kryptografie kryptoanalyse

 
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12 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Shodan_v2-3 am 24.06.2012 20:13:24

    @IronCandy: Jo GB geht mit Turing falsch um, man sollte ihm Statuen errichten, Straßen und Instituten nach ihm benennen... oh wait... :rolleyes: ...

  • Annika_Kremer am 24.06.2012 03:50:55

    Bitte geht hier nicht auch noch Off-Topic... ...

  • IronCandy am 24.06.2012 03:40:41

    Was hat das bitte mit der Finanzkrise zu tun? ^^ Naja wenn keiner hinsieht dann wird des in soner Runde im Hintergrund gemacht oder hast du gesehn dass das nen Thema war und GB hier mal öffentlich gezuckt hat?? Wäre es wirklich öffentlich behandelt worden dann hätte ...

  • Novgorod am 24.06.2012 03:30:47

    gibts das irgendwo noch? ...

  • FlySoft am 23.06.2012 23:19:01

    Wie toll ihr alle mit nem binary-to-text-converter umgehen könnt :rolleyes: *keks* Binary-to-text-converter? Ich doch nicht... http://s.gullipics.com/image/s/s/2/hq2x3b-j9kpn2-wbfy/503496984a24761f70cm.jpeg Wenn ich es nicht gerade ganz anders mache ^^ [ ...

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