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Wochenrückblick – Die Gulli-Glosse (21/2012)

Gulli:Glosse (Logo)

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Der Sonnenschein der letzten Woche verursachte bei einigen Menschen offenbar die ersten hitzebedingten Dachschäden. Anders ist das Verhalten einiger Politiker, Firmenbosse, Programmierer und anderer Personen kaum noch zu erklären. Wir decken auf, bei wem wohl nur noch ein Urlaub in der Antarktis hilft - etwas verspätet, aber eiskalt und gnadenlos wie immer: der Wochenrückblick.

Den Anfang machte Hans-Peter Friedrich, der nach wie vor auf einer heldenhaften Mission für die Vorratsdatenspeicherung unterwegs war. Statt der Peitsche holte der CSU-Mann diesmal das Zuckerbrot heraus und machte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger einen Kompromissvorschlag. Ernst genommen hat das aber offenbar niemand, was uns nahe legte, dass es für die Menschheit vielleicht doch noch Hoffnung gibt. Vielleicht, wenn das Wetter günstig ist, Saturn im Schützen steht und alle Verantwortlichen gleichzeitig einen guten Tag haben, schaffen wir Deutschen es doch, in Sachen Vorratsdatenspeicherung die Wissenschaft und die Belange der Menschen entscheiden zu lassen statt Angst und Machtinteressen. Okay, zugegeben, wenn ich das hier so schreibe, klingt das wie eine mittelmäßige Science-Fiction-Utopie. Aber ab und zu muss sowas vorkommen, anders ist es nicht zu erklären, dass es die Menschheit trotz tapferer Versuche noch immer nicht geschafft hat, sich selbst komplett auszurotten. 

Ebenfalls noch nicht ausgerottet wurden die Monster in Blizzards Action-Rollenspiel Diablo 3. Zwar meldeten einige Gamer, sie hätten das Spiel selbst im Inferno-Schwierigkeitsgrad bereits durchgespielt. Das hat jedoch nichts mit "ich habe mich durch das ganze Spiel gekämpft, Quests gemacht und dann den Endgegner besiegt" zu tun, sondern eher mit "ich bin an fast allen interessanten Teilen des Spiels vorbei gerannt und dabei so oft gestorben, dass mein Charakter eigentlich ein rotes Hemd hätte tragen müssen, habe dann mit letzter Kraft Diablo erreicht und er hat sich bei meinem Anblick tot gelacht". Vor der sportlichen Leistung der betreffenden Spieler muss man natürlich trotzdem Respekt haben, aber der Inferno-Schwierigkeitsgrad ist damit noch lange nicht als "gemeistert" zu betrachten. Das ist in etwa so wie in den 1960er Jahren, wo es hieß, wir Menschen hätten "den Weltraum erobert", weil wir ein paar Mal im Orbit unseres eigenen Planeten herumgedüst sind und eine Flagge auf den Mond gestellt haben. Letzteres schützt uns aber vermutlich zuverlässig vor Alien-Kontakten - wer in solchen Momenten nichts besseres zu tun hat, als eine Flagge - noch dazu nur eines kleinen, willkürlich geographisch abgegrenzten Teils der Menschheit - aufzustellen, ist für intergalaktische Abenteuer höchstwahrscheinlich zu primitiv und uninteressant.

Überhaupt, Diablo 3... dieses Thema beschäftigte uns in der letzten Woche nicht unerheblich. Neben der Frage, wieso man ein derartiges Spiel ausgerechnet zu einer Jahreszeit herausbringt, zu der ein längerer freiwilliger Aufenthalt in geschlossenen Räumen in etwa so attraktiv erscheint wie ein Date mit je nach sexueller Präferenz Andariel oder Griswold, waren es unter anderem die anhaltenden technischen Probleme des Spiels, die uns nicht losließen. Offenbar funktionieren Server, Balancing und Grafik derzeit noch mit der Zuverlässigkeit der aus "Armageddon" bekannten taiwanesischen Technik - nur, dass man nicht an die Server herankommt, um dagegen zu treten. Daneben gibt es natürlich auch die ersten Zocker, die - nach monatelangen Diskussionen, Diablo 3 werde so verdammt casual, dass dagegen "Wendys Abenteuer auf dem Reiterhof" wie der Gipfel der Herausforderung erscheine - heulen, weil sie nach knapp zwei Wochen Spielzeit auf Inferno sterben. Diesen Spielern möchte man die Browsergame-Veteranen wohlbekannte OGame-Taschentuchfabrik in einer Diablo-3-Sonderedition anbieten: "Hilft bei unfairen Gegnern, gestorbenen Charakteren und Fehler 37".

Wenig Ahnung von Marketing bewies wieder einmal die Whistleblowing-Plattform WikiLeaks. Neueste Idee der Aktivisten: "12 Gründe, warum Friends of WikiLeaks besser ist als Facebook". Angesichts der völlig unterschiedlichen Zielsetzung, Zielgruppe und technischen Struktur des Netzwerks ist das in etwa so sinnvoll wie "12 Gründe, warum ein Eisbecher besser ist als ein Becher heißer Kaffee". Davon abgesehen scheint "WL Friends", wie das Netzwerk in der Kurzform heißt, aber durchaus interessant zu werden. Ob die vollmundig angepriesenen Sicherheitsmaßnahmen halten, was sie versprechen, muss man allerdings noch sehen (und testen). Wenn es demnächst heißt "Die gulli-Glosse: The Guantanamo Diaries" gab es wohl doch Implementierungs-Schwächen bei der verwendeten Kryptographie.

Um Kryptographie ging es auch beim Antwortschreiben der Bundesregierung zum Thema E-Mail-Überwachung. Insbesondere die Diskussion zum Thema "PGP-verschüsselte E-Mails" bewegte die Gemüter. Um den Hergang des Ganzen auch für Nicht-Krypto-Nerds einmal transparent zu machen hier einmal eine aus dem Alltag gegriffene Übertragung, wie das Ganze ablief (ich liebe sowas ja - einer der besten Vorträge, die ich auf Hacker-Events bislang gehört habe, erklärte Teilchenbeschleuniger anhand von Enten und Ruderbooten). Also: Die beteiligten Politiker der Linksfraktion hatten angefragt, ob die Bundesregierung auch "verschlüsselte E-Mails, etwa mit Hilfe von Diensten wie PGP oder SSL" knacken könnten. Sagen wir, die Frage hätte gelautet "könnt ihr auch aktuelle Computerspiele, wie etwa Diablo 3 und Dota 2, auf internationalem Progamer-Niveau zocken". Dann war die Antwort darauf in etwa "je nach Art und Schwierigkeitsgrad des Spiels grundsätzlich ja". Das kann jetzt natürlich alles heißen - "ja, wir zocken Diablo 3 auf höchstem Schwierigkeitsgrad durch und besiegen Na'Vi in Dota", "wir können Diablo 3 auf normal durchspielen", "na ja, eigentlich nur Lego Harry Potter, aber das ist ja auch ein aktuelles Computerspiel" oder "ja, aber nur, weil uns jemand vom Entwicklerstudio die Cheatcodes gegeben hat" - ist aber mit Absicht ein bisschen so formuliert wie "Phear our mad gam0r sk1llz". Aber weil der Durchschnitts-Journalist anscheinend in etwa soviel Ahnung von Krypto hat wie der Durchschnitts-Politiker, wurde daraus in der Berichterstattung "Bundesregierung kann Diablo 3 auf Inferno durchspielen". Entsprechende Screenshots werden natürlich aus Gründen der nationalen Sicherheit zurückgehalten. 

Nationale Unsicherheit verspüren dagegen derzeit die Nutzer des VPN-Anbieters Perfect Privacy. Dieser soll angeblich von Rechtsradikalen betrieben werden. Da allerdings noch niemand beim Log-In mit "Sieg Heil" begrüßt wurde - die Server heißen noch nicht einmal, wie unlängst im österreichischen Peinlichkeiten-Kabinett rund um "The_Dude", wie germanische Gottheiten - ist das derzeit noch Spekulation. Sind sie, oder sind sie nicht? Wir werden auf jeden Fall dran bleiben.

Dran bleiben werden wir auch an so einigen anderen Themen. Schon wegen der Urteilsverkündung gegen Julian Assange wird es die nächste Woche sicher in sich haben. Bleibt cool, sterbt nicht zuviel bei Diablo und keine Angst vor den Zocker-Skills der Bundesregierung - schon zu meinen aktiven CS-1.6-Zeiten waren die Leute, die sich "Pro-Gamer" nannten, meistens die übelsten Noobs auf dem ganzen Server. Macht es gut, bis nächste Woche.

Annika Kremer (g+) am Montag, 28.05.2012 18:29 Uhr

Tags: diablo 3 wochenrückblick vorratsdatenspeicherung verschlüsselung friends of wikileaks

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