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Buchkritik "Copyright existiert nicht - Hackerkultur und Leitbild der Szene"

Copyright finns inte

Copyright finns inte

Der Buchtitel suggeriert, dass der schwedische Autor Linus Walleij die aktuelle Urheberrechtsdebatte von Neuem beginnen würde. Weit gefehlt, es geht vielmehr um eine chronologische Einführung in die Welt der Hacker und Phreaker. Obwohl das hohe Alter des Werkes seine Spuren hinterlässt, kann man in diesem Geschichtsbuch der Computerszene viel Interessantes erfahren.

Was sind eigentlich Hacker? Womit setzen sie sich im Detail auseinander? Was ist Blueboxing, Greyboxing, Virus- oder Netzwerk-Hacking? Was hat der piepsende SID-Chip eines C64 mit der Entwicklung der Musikstile Rave, Acid oder Techno zu tun? Im Buch werden zahlreiche Fragen gestellt und ausführlich beantwortet. Linus Walleij ist selbst kein typischer Hacker. Allerdings ist er als Musiker und Mitglied der Cracker-und Demo-Gruppe Triad seit Urzeiten tief in der schwedischen C64-Szene verhaftet. Sein Buch war ursprünglich ein PDF und wurde erstmals vor etwa 14 Jahren veröffentlicht. Später erfolgte die Übersetzung in die englische und dann die deutsche Sprache. Der Betreiber vom CSW-Verlag, ebenfalls ein Mitglied der C64-Szene, wurde auf das Werk aufmerksam, erkannte dessen Potential und kümmerte sich viele Jahre später um die Veröffentlichung auf dem deutschen Buchmarkt.

Die politischen, gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen beschreibt Welleij zumeist aus schwedischer Sicht. Aufgrund des Alters seines Buches fehlen natürlich viele aktuelle Aspekte wie etwa die Entstehung der europäischen Piratenbewegung, die ihren Anfang durch die Beschlagnahmung der Server von The Pirate Bay nahm. Auch von einer Vorratsdatenspeicherung, der zentralen DNA-Datenbank, Indect, Elena, dem EU-Flugdaten und SWIFT-Abkommen, KFZ-Rasterfahndung, der elektronischen Gesundheitskarte und vielen weiteren Überwachungsmaßnahmen war damals noch keine Rede. Doch der fehlende aktuelle Bezug lässt sich bei der umfangreichen Beschreibung der Geschichte der Hackerkultur gut verschmerzen.

Cover: Copyright existiert nicht

Cover: Copyright existiert nicht

Die weltweit ersten Hacker waren natürlich die Wissenschaftler an den US-amerikanischen Universitäten, die versuchten, das Maximum aus der schrankgroßen Hardware heraus zu holen. An dem Punkt wird die Unterscheidung zu normalen Anwendern sehr deutlich, weil diese die vorhandenen Mittel lediglich benutzen. Sie versuchen nicht mit Tricks, eigener Programmierung oder dem Lötkolben etwas Neues zu kreieren, oder der Hardware gänzlich neue Fähigkeiten beizubringen. Der Autor vermischt in seinem Buch kurzweilige persönliche Erlebnisse mit der chronologischen Aufreihung der Entwicklung der internationalen Hackerkultur. Natürlich spielen dabei die Cracker- und Demoszene ebenfalls eine größere Rolle, weil sie den gleichen Ursprung besitzen.

Diskussionswürdig hingegen sind die Abschnitte über die mögliche Zukunft unserer Gesellschaft und die Erklärungen des Autors, wieso es überhaupt kein Urheberrecht an digitalen Werken geben könne. Leider hat sich unsere Gesellschaft seit Erscheinen des Buches nicht nach den Maßstäben der Hackerethik entwickelt. Auch werden die Verwerter von Werken damals wie heute auf die Existenz ihrer gesetzlich zugesicherten Rechte pochen und versuchen, diese weiter auszudehnen. Wo Linus Walleij sogar recht weit daneben liegt, ist die Prophezeiung der Entwicklung der nächsten Jahre. Obwohl er uns allen an der digitalen Front vor 14 Jahren eine düstere Prognose gab, kam es am Ende deutlich schlimmer.

Fazit: Wenn wieder einmal ein großes Netzwerk eines Unternehmens oder eines Ministeriums demontiert wird, dann werden erneut alle Medien ausführlich über Hacker und ihre Ethik berichten. Was viele nicht wissen ist, dass es den typischen Hacker überhaupt nicht gibt. Die Hackerszene ist keine homogene Gruppe von Menschen. Ihre Motive und Ziele unterscheiden sich mitunter sehr stark. Wer sich aber als interessierter Leser oder Journalist schlau machen möchte, ist hier genau richtig. Er erfährt in diesem Geschichtsbuch für knapp 17 Euro nicht nur, wie alles begann und wie es sich im Laufe der Jahre entwickelte, sondern auch, dass es laut Hackerethik kein Copyright geben kann, weil Informationen in jeglicher Form für jedermann frei sein sollten.

Lars Sobiraj (g+) am Freitag, 25.05.2012 11:30 Uhr

Tags: hacker copyright csw linus walleij

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1 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • lali_puna am 25.05.2012 12:03:15

    Klingt interessant, schade dass ich davon kein PDF im Netz finden kann. /ignore ...

  • Ghandy am 25.05.2012 11:30:51

    Der Buchtitel suggeriert, dass der schwedische Autor Linus Walleij die aktuelle Urheberrechtsdebatte von Neuem beginnen würde. Weit gefehlt, es geht vielmehr um eine chronologische Einführung in die Welt der Hacker und Phreaker. Obwohl das hohe Alter des Werkes seine Spuren hinterlässt, kann man in ...

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