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Turing-Papiere über Theorie des Codeknackens veröffentlicht

Alan Turing

Alan Turing

Das britische Government Communications Headquarter (GCHQ) veröffentlichte kürzlich Dokumente des Informatik- und Kryptographie-Pioniers Alan Turing über die Theorie des Codeknackens und die Anwendung mathematischer Verfahren auf das Entschlüsseln von Codes. Anlass ist der Ablauf der 70-jährigen Geheimhaltungsfrist seit Entstehung der Dokumente.

Historiker vermuten, dass Turing die betreffenden Dokumente verfasste, während er im Codeknacker-Hauptquartier "Bletchley Park" an der Entschlüsselung deutscher Enigma-Codes arbeitete. Ein Mathematiker des GCHQ erklärte, die Tatsache, dass die Dokumente bislang geheim gewesen seien, zeige, welche Bedeutung sie für die Entwicklung auf dem Feld der Krypto-Analyse hätten.

Die Dokumente werden nun in den National Archives in London ausgestellt. Sie wurden mit Hilfe einer Schreibmaschine verfasst, enthalten aber handschriftliche Notizen, Tabellen und Formeln.

Eines der Dokumente trägt den Titel "The Applications of Probability to Crypt" ("Die Anwendung von Wahrscheinlichkeit auf Verschlüsselung"). Das andere Dokument trägt den Titel "Paper on the Statistics of Repetitions" ("Papier über die Statistik von Wiederholungen"). Beide befassen sich mit mathematischen Herangehensweisen an die Entschlüsselung von Codes. Letztendlich gelang es den Codeknackern in Bletchley Park - einer Ansammlung von Mathematikern, Linguisten und anderen Akademikern - massive Erfolge gegen deutsche Codes zu erzielen. Dies führte in der Folge zu britischen Erfolgen gegen die deutsche Marine, insbesondere die U-Boot-Flotte, und verkürzte nach Ansicht vieler Historiker den Zweiten Weltkrieg mindestens um einige Monate.

Eine Enigma-Chiffriermaschine in Benutzung

Eine Enigma-Chiffriermaschine in Benutzung

Nach Angaben eines GCHQ-Mathematikers, der nur durch den Vornamen "Richard" identifiziert werden möchte, gegenüber dem britischen Rundfunksender BBC, befassen sich die beiden Forschungspapiere Turings intensiv mit der Nutzung mathematischer Analysen für die Feststellung "welche die wahrscheinlicheren Einstellungen [der Enigma] sind, so dass sie so schnell wie möglich durchprobiert werden können". Um mögliche Einstellungen der Enigma durchzuprobieren wurde in Bletchley Park der "Colossus", einer der ersten funktionsfähigen Computer, gebaut und erfolgreich eingesetzt. Pläne des Rechners waren aufgrund des Versuchs, sie nach dem Zweiten Weltkrieg zu vernichten, Jahrzehnte lang verschollen, tauchten aber vor einigen Jahren wieder auf. Mittlerweile wurde der Colossus nachgebaut und die Replika kann im Museum bestaunt werden. Neben dem Colossus wurden auch sogenannte "Bomben" - große elektromechanische Apparate, die von Turing intensiv genutzt wurden - zum Durchprobieren möglicher Enigma-Einstellungen benutzt.

"Richard" deutete an, dass GCHQ habe mittlerweile allen erdenklichen Nutzen aus Turings Papieren gezogen und sei daher mehr als zufrieden damit, diese zu veröffentlichen. Er fügte hinzu, die Arbeit der Analysten in Bletchley Park werde im GCHQ sehr respektiert. Die Mitarbeiter des technischen Geheimdienstes sähen sich gerne als Nachfolger der damaligen Codeknacker an, so "Richard".

Über Pläne, Turings Papiere zu digitalisieren und so einer größeren Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, ist bislang nichts bekannt. Es ist aber davon auszugehen, dass eine derartige Initiative auf große Zustimmung unter kryptographie- und geschichtsinteressierten Internet-Nutzern stoßen würde. 

Text-Quellen: BBC

Annika Kremer (g+) am Freitag, 20.04.2012 02:14 Uhr

Tags: alan turing enigma geschichte verschlüsselung

 
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