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Wochenrückblick – Die Gulli-Glosse (10/2012)

Gulli-Glosse - Logo

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Die CeBIT hat es auf's Neue beweisen: Der technische Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Ständig folgt einer tollen Idee ein noch viel besserer Vorschlag, unsere Welt zu optimieren. Gerade von Seiten der Politik sind die Innovationen derart gut, dass man als normaler Bürger den Sinn dahinter nicht mehr versteht. Wir versuchen deren Genialität zu erfassen, in der Gulli:Glosse (09/2012)

Mit dem neuen Jugendmedienschutz-Staatsvertrag konnte die deutsche Politik bereits 2010 glänzen. Damals ging es darum, jeden Webseitenbetreiber dazu zu verpflichten, seine Webpräsenz mit einer Altersbeschränkung zu versehen, sodass der kleine Kevin nicht aus Versehen mit schmutzigen (in kommenden Fassungen des Vertrages: oppositionellen) Inhalten in Kontakt kommt. Man versuchte also das System, das bei Videospielen und DVDs schon so prima funktionierte, da es in ganz Europa keine Schwarzkopien gibt, einfach auf diese lustige neue Medium namens „Internet“ zu übertragen. Aus unverständlichen Gründen stimmte jedoch der nordrhein-westfälische Landtag gegen den Gesetzesentwurf, da man es tatsächlich wagte zu behaupten, das System wäre völlig wirkungslos und leicht zu umgehen.

DUMM-Symbol

DUMM-Symbol

Zum Glück äußerte der Medienpolitische Expertenkreis der CDU am Montag einen Verschlag, der den Vertrag nochmals verbessert. Neben den Kennzeichnungen 6, 12, 16 und 18 soll künftig auch ein „B“ für Blogs existieren. Damit sind wohl sämtliche Gegenargumente widerlegt! Zur weiteren Optimierung schlagen wir die Bezeichnungen „W“ für Seiten, die sich mit Wachteln befassen, „XOX“ für Tic-Tac-Toe-Flash-Games und „DUMM“ für Inhalte der „(christlich) Demokratischen Union Mit Medienschwerpunkt“ vor.

Doch nicht nur die Regierungspartei konnte uns diese Woche mit ihren Ideen überzeugen. Auch die Partei Bündnis 90/Die Grünen weiß offenbar, wie der Hase läuft. Wie die Konkurrenz versucht man ein altbewährtes Konzept auf neue Zusammenhänge zu übertragen. Die Wahl fiel auf die Verknüpfung von „Handy“ und „Dosenpfand“. Folglich erging aus einem offiziellen Schreiben der Partei der Vorschlag, jedes Smartphone um zehn Euro teurer zu machen. Diesen Pfandbetrag solle der Kunde dann bei der Rückgabe seines Produktes wieder zurückbekommen. Eine tolle Sache. Statt das Gerät für ein paar Euros weiterzuverkaufen, wird die funktionierende Ware einfach zerhackstückelt, damit neue Smartphones hergestellt werden. So werden auch endlich die eingerichteten Rückgabeservices der Betreiber überfällig, die das Geld nur überflüssigen karitativen Organisationen schenken. Doch auch hier kamen verworrene Gegenstimmen des Branchenverbandes BITKOM auf, der tatsächlich der Meinung war, dass ein solches System vermutlich völlig unbrauchbar sein könnte.

Aber kommen wir weg von undurchsetzbaren Plänen zur knallharten Realität. Das kuhle Ex-Hacker-Cracker-Todes-Cyber-Krieger-Gruppen-Kollektiv Lulzsec wurde vom FBI überführt. Schon Mitte letzten Jahres konnten die Behörden den Anführer der Scriptkiddie-Bande festnehmen. Durch seine geständigen Aussagen wurden daraufhin alle anderen seiner ehemaligen Mitstreiter geschnappt. Der Verrat ist in Anbetracht einer Strafandrohung von nur 124 Jahren verständlich. Wahrscheinlich handelte es sich um einen Deal zwischen der Polizei und dem Schuldigen, sodass er durch den verminderten Gefängnisaufenthalt noch als 152 Jahre alter Senior auf Hawaii im Schatten von Kim Schmitz am Strand liegen kann.

Symbol irgendeiner Starwars-Allianz, (JA, ich habe noch nie einen Starwars-Film geschaut *versteck*)

Symbol irgendeiner Starwars-Allianz, (JA, ich habe noch nie einen Starwars-Film geschaut *versteck*)

Ein weiteres Ereignis fand vor Kurzem auf der CeBIT statt. Dort kündigte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik an, dass man schon bald eine „Allianz für Cyber-Sicherheit“ gründen wolle. Ein Name, den man sich wohl besser für einen Science-Fiction-Film aufgehoben hätte. Die Truppe wird sich aus Vertretern der Wirtschaft, dem Verband BITKOM und dem Nationalen Cyber-Abwehrzentrum zusammensetzen. Eine Akkumulation der nationalen Nutzlosigkeit also. Allein die Tatsache, dass die letztgenannte Kooperationseinrichtung gerade einmal zehn Mitarbeiter beschäftigt, zeigt, dass es um Deutschland im gefürchteten Cyber-Krieg sicherlich nicht gut bestünde. Dem Angreifer würde es vermutlich genügen, die Beamten zu einer Partie Windows-Hearts herauszufordern und sie wären für Stunden abgelenkt. Aber immerhin haben die Schuldigen dann einen kleinen handlichen komprimierten Namen: die Allianz für Cyber-Sicherheit!

 

Hihi, da ist eins dieser Internetgesichter

Hihi, da ist eins dieser Internetgesichter

Um gleich bei gescheiterten Existenzen zu bleiben: Irgendwelche Vorstadt-Nazis sind offenbar auf die Idee gekommen, für sich und ihre kahlköpfigen Freunde ein eigenes asoziales Netzwerk zu basteln. Die schnuckelige Seite nennt sich Netzwerk-Rechts und ist nach unserer Berichterstattung leider offline. Zumindest steht das in einer Mitteilung der Betreiber. „[Nach den Berichten auf Gulli und Netz-gegen-Nazis] sind nicht nur unsere Besucherzahlen nach oben gegangen, sondern unsere Gegner haben auch mit virtuellen Angriffen gegen unsere Plattform begonnen. Gehackt wurde nichts, das Netzwerk ist momentan jedoch nur schwer zu erreichen. In einigen Stunden sollte netzwerk-rechts.com wieder wie gewohnt funktionieren.“ Da scheint sich jemand mit der Technik auszukennen. Wann die Seite wieder online ist, bleibt abzuwarten. Interessierten Nazis empfehlen wir, wachsam die F5-Taste zu betätigen, um die wenigen Minuten zwischen Downtime und dem nächsten Hack abzupassen.

Allen anderen sei ein gesegnetes Restwochenende ohne sinnfreie Vorschläge von ahnungslosen Parteien gewünscht. Auf dass wir uns in der nächsten Woche wieder lesen!

Bild-Quellen: jedipedia

Julian Wolf (g+) am Sonntag, 11.03.2012 15:10 Uhr

Tags: cyberkriminalität nazi cyberkrieg gulli glosse

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vgwort
 
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3 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • wuzzle am 11.03.2012 22:36:11

    Haha, das war ganz klar die beste Glosse 2012. ...

  • money am 11.03.2012 21:09:16

    geile Glosse :T ende :coffee: ...

  • Sempralon am 11.03.2012 18:16:14

    Also die Werbung von diesem Rechten Netzwerk is ja Geil! "Wir bieten euch Aufkleber, Bücher, Waffen ..." Waffen! Da gehe ich doch lieber zum Verfassungsschutz, der bezahlt dann auch noch, wenn man ein paar Unliebsame Ausländer ... naja, wie dieses Trio da! Mit voller Protektion vom Verfassungsschu ...

  • Julian_ am 11.03.2012 15:10:27

    Die CeBIT hat es auf's Neue beweisen: Der technische Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Ständig folgt einer tollen Idee ein noch viel besserer Vorschlag, unsere Welt zu optimieren. Gerade von Seiten der Politik sind die Innovationen derart gut, dass man als normaler Bürger den Sinn dahinter nicht me ...

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