
WikiLeaks (Logo)
In einer Pressemitteilung vom gestrigen Mittwoch erklärt WikiLeaks, die Mitarbeiter der Whistleblowing-Plattform seien von der heute und morgen in Paris stattfindenden Konferenz "Die Medienwelt nach WikiLeaks und News of the World" ausgeschlossen worden. "US-Organisatoren haben die Konferenz mit WikiLeaks-Gegnern vollgepackt und alle Redner von WikiLeaks blockiert", wobei sie behauptet hätten, ihr Recht auf freie Meinungsäußerung auszuüben, indem sie Rednern ihrer Wahl eine Stimme gegeben hätten. Außerdem, so argumentierte die UNESCO, gehe es bei der Konkurrenz weniger um WikiLeaks selbst als um dessen Auswirkungen auf die Medienlandschaft.
WikiLeaks-Mitbegründer Julian Assange fand harsche Worte für den Vorfall: "Die UNESCO hat sich selbst zu einem internationalen Menschenrechts-Witz gemacht. 'Meinungsfreiheit' zu nutzen, um WikiLeaks von einer Konferenz über WikiLeaks weg zu zensieren, ist eine Orwellsche Absurdität jenseits aller Worte. Dies ist ein inakzeptabler Missbrauch der UNESCO-Verfassung. Es ist Zeit, die UNESCO zu besetzen." Etwas weniger undiplomatisch, aber ebenfalls entrüstet über den Vorfall, äußert sich WikiLeaks-Sprecher Kristinn Hrafnsson in einem Brief an die UNESCO. Hrafnsson betont darin: "Die UNESCO hat eine Verpflichtung, sicherzustellen, dass Fairness und Ausgeglichenheit in wichtigen Diskussionen, die unter dem Banner der Organisation stattfinden, sichergestellt sind." Es sei angesichts der geladenen Redner "offensichtlich", dass dies nicht der Fall sein werde, so der WikiLeaks-Sprecher. Dies sei "sowohl eine Schande für die UNESCO als auch potentiell schädlich für WikiLeaks."
Assange fordert nun gar eine Untersuchung der Vorgänge durch die UNESCO. Die Organisation müsse untersuchen, wie "ihre Verfassung, die ihr den Auftrag gibt, Meinungsfreiheit, Informationsfreiheit und Kommunikationsfreiheit zu fördern, ein stumpfes Instrument der Zensur geworden" sei. Indirekt äußert Assange den Verdacht, dass die US-Regierung Druck auf die UNESCO ausgeübt haben könnte, WikiLeaks keine Plattform zu bieten.
WikiLeaks habe festgestellt, dass keiner ihrer Mitarbeiter zur Konferenz eingeladen worden sei, und daraufhin von sich aus darum gebeten, einen "bedeutenden Beitrag" leisten zu dürfen. Die UNESCO habe den Brief der Aktivisten jedoch lediglich an die Mit-Organisatoren vom in den USA ansässigen "World Press Freedom Committee" (WPFC) weitergeleitet. Dessen Aufsichtsrat sei aber, so der Vorwurf von WikiLeaks, voller "Washingtoner Insider, ideologischen Alliierten aus dem Kalten Krieg […] und Mainstream-Medien-Organisationen aus den USA".
Letztendlich seien statt der WikiLeaks-Mitarbeiter zahlreiche WikiLeaks-Kritiker - "egal wie unwichtig oder schlecht informiert" - eingeladen worden, beklagen die Mitarbeiter der Whistleblowing-Plattform. Darunter seien auch Personen oder Organisationen, die mit WikiLeaks derzeit gerichtliche Auseinandersetzungen laufen hätten. Diese Entscheidung sei eindeutig politisch motiviert, sind die WikiLeaks-Aktivisten überzeugt.
Unabhängig von der Motivation lässt sich sagen, dass tatsächlich WikiLeaks-Kritiker auf der Konferenz sprechen werden. Allerdings ließe sich durchaus argumentieren, dass diese interessante Erkenntnisse zur Diskussion beisteuern können. So sollen unter anderem Mitarbeiter der britischen Zeitung "The Guardian", eines ehemaligen WikiLeaks-Medienpartners, mit dem sich Julian Assange spektakulär überwarf, sprechen. Der ehemalige WikiLeaks-Mitarbeiter und Gründer der Plattform OpenLeaks, Daniel Domscheit-Berg, wurde eingeladen, wird aber wohl nicht teilnehmen.
Nachdem WikiLeaks darauf beharrte, an der Konferenz teilzunehmen, wurde den Aktivisten , wie es in der Pressemitteilung heißt, von Seiten der UNESCO mitgeteilt, sie seien willkommen, dürften aber keine Vorträge halten. Sylvie Coudray, UNESCO-Beauftragte für Meinungsfreiheit, habe erklärt, WikiLeaks sei kein Journalismus, wirft WikiLeaks ihr vor. Tatsächlich betonte sie, die Konferenz sei "über Journalismus vor dem Hintergrund der Situationen, die sich mit WikiLeaks und News of the World entwickelten, nicht über die Episoden selbst". Ob dies tatsächlich impliziert, WikiLeaks sei keine journalistische Organisation, liegt wohl im Auge des Betrachters.
Ein weiterer Kritikpunkt von WikiLeaks: die Konferenz klammere "die ernsthafteste Attacke auf WikiLeaks und die Meinungsfreiheit überall" - nämlich die sogenannte Banken-Blockade gegen WikiLeaks, also die Weigerung mehrerer Finanzdienstleister, Spenden für die Plattform entgegen zu nehmen - komplett aus. Diese Angriffe - oder, wie WikiLeaks es nennt, dieser "wirtschaftliche Zensur-Krieg" - seien unrechtmäßig und hätten 95% der Einnahmen von WikiLeaks "ausgelöscht", beklagt das Projekt.
WikiLeaks veröffentlichte zur Untermauerung seines Standpunktes kurzerhand die gesamte Korrespondenz mit der UNESCO.
Neben den bereits im Laufe der Korrespondenz geäußerten Erklärungen verweist die UNESCO darauf, dass Geoffrey Robertson, der als Anwalt für Assange tätig ist, morgen auf der Konferenz sprechen wird. WikiLeaks weist dies jedoch als nicht ausreichend zurück, da Robertson kein WikiLeaks-Mitarbeiter ist.
Abzuwarten bleibt, ob Assanges Forderung, "die UNESCO zu besetzen" - die mit dem Hashtag "#OccupyUNESCO" auf Twitter vertreten ist - tatsächlich Protestaktionen nach sich ziehen wird.
Annika Kremer am Donnerstag, 16.02.2012 02:08 Uhr
Topic? Bitte? ...
Ich befürchte, daß Du meinen Beitrag nicht verstanden hast. :p ...
Immerhin will sich die UNESCO also eine Meinung über die Auswirkung der Aktivitäten von Wiki-Leaks bilden. Damit hat sich die Organisation selbst in die argumentative Falle manöveriert. :D Es ist nicht möglich sich eine Meinung zu bilden, wenn man nur Eine zu h ...
Immerhin will sich die UNESCO also eine Meinung über die Auswirkung der Aktivitäten von Wiki-Leaks bilden. Damit hat sich die Organisation selbst in die argumentative Falle manöveriert. :D Will sie denn nun feststelen, daß die Aktivität von Wiki-Leaks demokratiefördernd sei? Wie paßt das zur ...
Das ist traurig und wirft in der Tat ein ungewohnt schlechtes Licht auf die UNESCO. Es verbietet sich meiner Meinung nach schon moralisch bei einer Konferenz über eine Organisation diese nicht zu Wort kommen zu lassen. Unabhängig davon wie man zu dieser Organisation steht. Ich meine ist schon kla ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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