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„Währungen, Gewalt, Macht, Staatsschulden“: Interview mit Prof. Wilhelm Hankel

Prof. Dr. Wilhelm Hankel

Prof. Dr. Wilhelm Hankel

Ein Interview mit Professor Doktor Wilhelm Hankel, Experte in Währungsfragen mit langjähriger Erfahrung in Bezug auf die Gestaltung von zahlreichen funktionierenden Währungen sowie diesbezüglicher Beratung der Politiker in vielen Ländern. Hankel kam in den vergangenen Monaten bereits in den "Tagesthemen", dem "Nachtmagazin" oder der ARD-Talkshow "Menschen bei Maischberger" zu Wort.

Dieses Interview wird vom IT- & Tech-Kanal Gulli.com unter einer freien Creative Commons Lizenz veröffentlicht. Es darf von Privatpersonen und Firmen veröffentlicht werden, ohne den Urheber (Gulli:News Redaktion) um Genehmigung zu bitten. Es darf gekürzt veröffentlicht werden, sofern der Sinn nicht verfälscht wird. Um Information nach Veröffentlichung wird freundlich gebeten. Es darf kommerziell verwertet werden, sofern die Gulli-Redaktion vorab darüber informiert wird, sowie die fertige Veröffentlichung vorher abgenommen hat.

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Interview mit Prof. Dr. Wilhelm Hankel: „Währungen, Gewalt, Macht, Staatsschulden“

 

Persönlicher Hintergrund

Ihr voller Name: Wilhelm Hankel

Ausbildung / Studium / Profession: Studium der Staatswissenschaften 1949-1953 an den Unis Mainz und Amsterdam Dr. rer. pol. Mainz 1953

Geburtsdatum: 10.01.1929, Danzig 

Ihr professioneller Hintergrund (Karriere Meilensteine):

  • Chef-Volkswirt der KfW 1957 bis 1967 
  • Ministerial-Direktor, Leiter der Abteilung Geld und Kredit im Bundesministerium für Wirtschaft bis 1972 (enger Mitarbeiter Prof. Karl Schillers).
  • Präsident Hessische Landesbank (Helaba) bis 1974
  • danach Währungspolitischer Berater der EG-Kommission
  • Gastprofessor an den US-Universitäten Harvard, Georgetown bis 1977
  • School for Advanced International Studies John Hopkins-University bis 1982
  • Gastprofessor Freie Universität und Wissenschaftszentrum Berlin bis 1993
  • permanenter Honorarprofessor für Währungs- und Entwicklungspolitik J.W.Goethe-Universität Frankfurt am Main seit 1971
  • Regierungs- und Zentralbankberater in über 20 Drittwelt-Ländern unter anderem Russland, China, Georgien, Indonesien, Vietnam, Mittelamerika, Afrika, fast alle arabische Staaten, zuletzt Jordanien, Syrien, Irak
  • Kläger vor dem Bundesverfassungsgericht gegen Euro-Einführung (1978 und Euro-Rettung 2010/11)
  • Autor von 15 Büchern zu den Themen Währung und Entwicklung; zuletzt „Die EURO-Lüge und andere volkswirtschaftliche Märchen“, 2. Auflage 2010 (Signum, Wien), Geldherrschaft, 2011 (Co-Autor R.Isaak, Wiley, Weinheim), „Das Euro-Abenteuer geht zu Ende“, 2. Auflage 2011 (vier Co-Autoren, Kopp, Rottenburg).)

 

Interviewer: Haben Sie eine eigene Website, welche Sie hier nennen möchten?

Prof. Dr. Hankel: http://www.dr-hankel.de/

Interviewer: Sie sehen in der Kredit- und Geldschöpfung einen systemimmanenten Fehler, welcher regelmäßig und automatisch in der Krise endet. Könnten Sie bitte unseren Lesern erklären, wie der Automatismus genau funktioniert?

Prof. Dr. Hankel: Unser Geldsystem beruht (gottlob) nicht mehr auf Gold (diesem „barbarischen Relikt“ Lord Keynes) und dessen Zufallsfunden, sondern auf nationalen Gesetzen. Leider werden diese im Zuge der Globalisierung und der damit verbundenen „Staatenlosigkeit“ der Finanzwelt weniger denn je eingehalten.

 

Unsere in die „Gesetzlosigkeit“ entlassenen Banken profitieren von den Krisen

 

Interviewer: Profitiert irgend jemand von diesen Krisen?

Prof. Dr. Hankel: Ja, unsere in die „Gesetzlosigkeit“ entlassenen Banken.

Interviewer: Hat jemand wissentlich dafür gesorgt, diesen Automatismus zu installieren? Und wenn ja, wie?

Prof. Dr. Hankel: Der Neoliberalismus hat das Rüstzeug für diese seit Anfang der 1970er Jahre betriebene Politik gelegt. Es begann mit der Aufhebung des Weltwährungssystems von Bretton Woods (1973). Diese war zwar nötig wegen des Dollar-Missbrauchs der USA, aber dennoch verhängnisvoll wegen der daraus folgenden unbegrenzten Freiheit des Geld- und Kapitalverkehrs.

Interviewer: Wieso spielt die Politik nahezu weltweit mit?

Prof. Dr. Hankel: Weil die Politik (genauer diese Politiker) diese Zusammenhänge entweder nicht durchschaut oder im Interesse der Finanzwelt handelt. Deutschlands Problem ist der Euro(pa)-Wahn. Die Obsessionen deutscher Spitzenpolitiker wie Schmidt, Kohl, Merkel, Genscher, Waigel, Schäuble (wer fehlt noch?) haben nicht nur zur Preisgabe der DM (des Vermächtnisses von Ludwig Erhard) und, dem deutschen Ausverkauf unter dem Etikett „Euro-Rettung“ geführt, sondern ganz nebenbei auch zum aufsichtsfreisten Geld- und Bankenmarkt der Welt: dem europäischen. Jetzt darf das Publikum: Steuerzahler und Sparer, das in Griechenland und Co havarierte Bankensystem “retten“. Laut Frau Merkel des „alternativlosen Euro“ wegen. Prosit Neujahr! Gute Absichten und gute Politik sind selten identisch.

Interviewer: Wem gehört die FED? Haben sich die Besitzverhältnisse seit 1913 verändert und wenn ja, wie?

Prof. Dr. Hankel: Einigen privaten US-Banken, darunter meines Wissens Rothschild. Theoretisch könnte die US-Regierung die Politik des FED kontrollieren. Im Eigeninteresse, z.B. bei der Haushaltsfinanzierung („quantitative easing" ) tut sie es. Die Obama-Regierung macht regen Gebrauch davon, wie in Krisenzeiten alle US-Regierungen.

Interviewer: Das FED gehört unter anderem Rothschild? Können Sie uns bitte sagen, wie groß der Einfluss der Rothschild Banken dort ist – und welche Rothschild Institutionen involviert sind? Und können Sie uns bitte sagen, woher Sie diese Information haben respektive wo unsere Leser dies bestätigt bekommen könnten? Woher bekommen wir verlässliche Angaben über die genauen Besitzverhältnisse des FED?

Prof. Dr. Hankel: Ich sitze weder im Board des FED noch im Kongress der USA. Mitglieder des ersten Gremiums wissen Bescheid, Mitglieder des zweiten Gremium können sich authentische Antworten erfragen. Nach Statut und Geschäftsordnung des FED wird dessen Politik mit der Bundesregierung in Washington über das Federal Open-Market-Committee abgestimmt. Die Eigentümer haben (wie in der alten Reichsbank, der Vorlage für das FED-Statut von 1913 nur Einfluss auf Bilanz und Gewinn-Verwendung. Inwieweit dies Theorie ist oder Praxis, entzieht sich der Kenntnis von Outsidern.

 

Die Rating-Agenturen sind im Besitz Ihrer Kunden, der Banken

 

Interviewer: Wem gehören Weltbank, EZB, Moody's, Standard & Poors, Fitch und der IWF beziehungsweise wer kontrolliert diese?

Prof. Dr. Hankel: Die Weltbank wird von den Mitgliedsregierungen kontrolliert, ebenso der IWF; die EZB von der Mehrzahl der Notenbankchefs aus überschuldeten Krisenstaaten (Griechenland & Co). Lange Zeit hatte sie sogar einen griechischen Vizepräsidenten, den gegenwärtigen Premier-Minister. Erst hatte der Vizepräsident nichts von der griechischen Misere bemerkt. Jetzt hilft er als Premier seinem Land mit dem Geld der EZB aus der Patsche. Die Rating-Agenturen sind im Besitz ihrer Kunden, der Banken, aber in letzter Zeit auffällig aufsässig geworden. Sie spielen das Fieber-Thermometer an den Finanzmärkten und „stören“ die Euro-„Rettung“. Deswegen will sie die EU verbieten nach dem Modell afrikanischer Busch-Doktoren: Werft das Thermometer weg und das Fieber verschwindet von selbst!

Die Rating-Agenturen stellen sich nach jeder ihrer Bonitäts-Änderungen der Presse und begründen ihre Entscheidungen, auch die allerletzten. Es stimmt auch nicht, dass sie Staaten bewerten oder herabsetzen,wie viele Politiker (u.a. Peer Steinbrück) behaupten; sie bewerten lediglich den Staat als Schuldner, der Staatsanleihe-Titel („sovereign bonds“) verkauft und warnt deren Käufer. Dass die Politik auf diese Bewertungen so hysterisch reagiert – hysterischer als die Märkte – sagt etwas über die Politiker aus, nicht über diese Agenturen. Im übrigen waren es die Politiker, die den Rating-Agenturen zu ihrer Macht verholfen haben. Sie haben der EZB (und nicht nur dieser) vorgeschrieben, nur Anleihen mit dem Gütesiegel der Rating-Agenturen anzukaufen. Jetzt da das stört, hauen sie auf den Sack statt auf den Esel, der sie selber sind. Eine kann man den Rating-Agenturen nämlich nicht vorwerfen, dass sie der Öffentlichkeit real existierende (und von der Politik herunter gespielte) Risiken und Verlustgefahren verschweigen. Die Politik muss sich fragen lassen, warum sie das stört.

Interviewer: Woher haben Sie Ihre Informationen? Wieso ist alles so streng geheim, bei dieser unglaublich großen Bedeutung für das Wohl der Welt?

Prof. Dr. Hankel: Alle diese Institutionen stützen sich teils auf offizielle Statistiken, teils eigene, teils selbst gefälschte . Einige kann man nachprüfen, nicht alle. Es gibt keine anderen, sogar ich muss ihnen glauben.

Interviewer: Hat jemand Interesse daran, den Euro zu schwächen, zu vernichten?

Prof. Dr. Hankel: Eher das Gegenteil. EU, europäische Regierungen (besonders die deutsche) und Banken tun alles, um den Euro zu „retten“. Doch diese Rettung geschieht auf Kosten von Steuerzahlern und Sparern; sie dient der Rettung maroder Staaten und Banken. Diese Rettung ist nichts weiter als „Konkursverschleppung“. Das dafür aufgebrachte Geld saniert Staaten und Banken, nicht die Währung und kommt auch nicht bei den Menschen in den Krisenländern an. Aber es kostet die Retter Billionen Euro, die zu Hause fehlen: bei Renten, Bildung und Infrastruktur. Die zu Rettenden reißen die Retter wie der Ertrinkende mit in die Tiefe! Wem nützt das? Weder den Staaten Europas noch den Menschen. Einzig und allein den Geldgebern der überschuldeten Staaten, den Banken!

Interviewer: Wenn man der verlinkten Grafik (US Verschuldung) eine stinknormale Volksschul-Parabel anlegt, so deckt sich deren Ursprungspunkt mit dem Jahr der Entkoppelung des Dollars vom Goldstandard, 1971. Zufall?

Prof. Dr. Hankel: Nein. Mit der “Entkopplung” begann der buchstäblich grenzenlose (richtiger wäre unbegrenzte) Kapitalverkehr der Bankwelt.

 

Ein neues Geldsystem muss geschaffen werden

 

Interviewer: Oben beschrieben Sie den Goldstandard aber als „barbarisches Relikt“ von John Maynard Keynes. Jetzt als den Stöpsel, dessen Ziehung seit 1971 die Explosion der Staatsschulden verursachte. Wie dürfen wir dies verstehen?

Prof. Dr. Hankel: Ganz einfach: Solange wir den reinen Goldstandard hatten (vor 1931), der Stöpsel also nicht gezogen werden konnte, bestimmten Zufallsfunde und Verteilung des „barbarischen Relikts“ in der Welt, wie viel Wachstum und Beschäftigung sich ein Staat leisten konnte und wie viel unkorrigierbare Arbeitslosigkeit er hinnehmen musste. Im Bretton Woods System wurde ein (in meinen Augen) idealer Kompromiss zwischen dem Goldstandard und seiner Auflockerung durch ein Kreditsystem gefunden – leider auf Dollarbasis, was den USA die Möglichkeit bot, ihn kräftig im eigenen Interesse zu missbrauchen (Vietnam-Kriegsfinanzierung etc.) – erst recht nach Ziehen des Stöpsels: der Kontrolle der USA durch die Goldbindung des US-Dollars. Das „Danach“ brachte mit der Freiheit der Wechselkurse auch die Freiheit des Kapitalverkehrs und damit die Entkopplung des Finanzsektors von der Real-Wirtschaft. Diese Entkopplung – das ist die Lehre aus der gegenwärtigen Welt-Krise – muss wieder rückgängig gemacht werden. Und hier versagt das politische Krisen-Management auf der ganzen Linie: Es versucht mit seinen “Rettungsaktionen“ – sei es für den Dollar, sei es für den Euro – ein altes System (oder Nicht-System) reparieren, das längst gezeigt hat, dass es so nicht funktionieren kann. Zu wessen Gunsten? Jener verzockten Bankwelt, die behauptet „too big to fail“ zu sein. Sie will eben nicht, aus ihrem Paradies vertrieben werden. Wir brauchen ein neues Bretton Woods, nur nicht mehr auf Gold- und Dollarbasis. Eines, das der Freiheit der Banken und des Kapitalverkehrs Zügel anlegt. Leider liegt es in weiter Ferne. Denn diese Krise hat eines (noch) nicht hervorgebracht: Die Erkenntnis, dass nicht das alte System wieder herzustellen ist, sondern ein neues geschaffen werden muss.
 

Es muss weniger Geld als Waren geben
 

Interviewer: Wie würden Sie eine Währung idealerweise gestalten? Müsste sie bestehenden Werten entgegenstehen? Oder können auch FIAT-Währungen funktionieren?

Prof. Dr. Hankel: Alle Währungen, auch die FIAT-Währungen, wären und blieben stabil, wenn die zur Kontrolle der Geld- und Kreditschöpfung erlassenen Gesetze befolgt würden. Es muss weniger Geld als Waren geben, dann ist (und bleibt) jedes Geld stabil. Umgekehrt gilt das Umgekehrte – und das schon seit einigen Jahrtausenden!

Interviewer: Könnten Sie uns bitte einen Querverweis oder ein Dokument anbieten, welcher die von Ihnen angemerkten „Gesetze zur Kontrolle der Geld- und Kreditschöpfung“ allesamt enthält? Wäre sehr hilfreich für das weitere Studium.

Prof. Dr. Hankel: Zwei keineswegs antiquierte Bankgesetze müssten aktualisiert und in allen Mitgliedsstaaten des IWF in Kraft gesetzt und auf ihre Einhaltung hin kontrolliert werden: das deutsche KWG (Kreditwesengesetz von 1934) und der Glass-Steagall-Act der USA aus demselben Jahr. Beide Gesetze, Kinder der Weltwirtschaftskrise von 1931/32 begrenzen die Freiheit der Banken, unbegrenzt und mit Hilfe der Zentralbanken wild zu spekulierten. Beide Gesetze haben jahrzehntelang gut funktioniert und Bankpleiten verhindert, bzw. in Grenzen gehalten. Erst die nach 1973 einsetzende Globalisierung, aber auch Europäisierung der Finanzwelt hat sie ausgehebelt. In den USA hat Bill Clinton den Glass-Steagall Act 1999 aufgehoben.Warum wohl? Es herrschte Wahlkampf.

Interviewer: Sind Währungsunionen für Europa oder andere Regionen überhaupt zielführend? Und wenn ja – welche Ziele werden verfolgt?

 

Stabiles Geld und Währungsunionen schließen sich aus
 

Prof. Dr. Hankel: Die Euro-Union beweist gerade, dass sich stabiles Geld und Währungsunionen ausschließen. Geld muss national (durch unabhängige Notenbanken) kontrolliert werden und international hartem Wettbewerb unterliegen. Die DM hat bewiesen, wie hart eine Währung unter diesen Bedingungen sein und bleiben kann. Es war ein Verrat am deutschen Volk sie – ohne das Volk zu befragen – sie für den Euro, eine gar nicht stabil zu erhaltende Währung, aufzugeben.

Interviewer: Welche nächsten Schritte sollte wer in der derzeitigen Krise gehen?

Prof. Dr. Hankel: In der EU: Ersatz des Euro durch Rückkehr zu nationalen Währungen und Schaffung eines Europäischen Währungssystems, wie wir es vor Einführung des Euro hatten. Weltweit zurück zu einem verbesserten Bretton Woods II unter Aufsicht der G-20, d.h. Brechung des US-Dollar-Monopols.

Interviewer: Auf welches Endziel genau sollte man hinarbeiten?

Prof. Dr. Hankel: Siehe oben. Die UNO braucht ein monetäres Pendant.

Interviewer: Welche Rolle spielt die im europäischen Kontext extrem ausgeweitete Niedriglöhnerei bei der Euro-, Griechenland- etc. Krise? Gehört Lohnerhöhung zu den Maßnahmen, um die Krise zu lösen?

Prof. Dr. Hankel: Länder mit Riesen-Exportüberschüssen, wie Deutschland, sollten die Löhne erhöhen, Länder mit Riesen-Defiziten (Griechenland & Co) dürfen es nicht. Deutschland muss nach Jahren der Stagnation die Binnen-Kaufkraft anheben und den Binnenmarkt ausweiten. Die Südländer der Euro-Zone müssen ihre durch den Euro verloren gegangene Wettbewerbs- und Exportstärke zurück gewinnen. Langsam begreift das auch die deutsche Exportwirtschaft. Sie hat nichts von einem schwachen Euro, der zu Inflation führt und kosten-treibende Lohn- Preis-Spiralen auslöst.

Interviewer: Denken Sie, wir steuern gerade auf einen internationalen Finanzkollaps zu? Wenn ja, was hätten wir Bürger zu befürchten?

Prof. Dr. Hankel: Die Bürger können nur aus den bedrohten Währungen flüchten. Die Euro-Besitzer der Südhälfte machen es ihnen vor..

 

Die Occupy-Jugend sollte sich mehr auf die Erfahrung der Alten setzen
 

Interviewer: Was würden Sie uns Bürgern raten, wie sollen wir uns verhalten? Wie stehen Sie zur Occupy-Bewegung, denken Sie diese wird einen Effekt haben?

Prof. Dr. Hankel: Siehe oben. Die Occupy-Jugend sollte sich mehr auf die Erfahrung der Alten setzen. Junge Leute tun alles – nur das nicht. Beratungs-Resistenz tut selten gut.

Interviewer: Sollte es in Deutschland ebenfalls zu bedeutenderen Protesten kommen, würden diese dann ebenfalls brutal niedergeschlagen wie in Griechenland, Spanien, USA und anderen „zivilisierten Ländern“?

Prof. Dr. Hankel: Vermutlich. Hinterher entschuldigt sich dann der Polizeipräsident oder sein Innen-Minister.

Interviewer: Wen sollte man Ihrer Ansicht nach wählen? Eine in der Netzgemeinde durchaus gängige Meinung ist derzeit: „Die großen Volksparteien tun ausschließlich das, was ihnen von den Finanzoligarchen diktiert wird. Von der Deregulierung bis zur totalen Überwachung. SPD, FDP, CDU/CSU, die Linke, Grüne – vertraue keinem!“

Prof. Dr. Hankel: Ich setze meine Hoffnung auf Freie Wähler. Sie haben Lebenserfahrung und einiges zu verlieren. So etwas macht realistischer als idealistische (meist unrealistische) Welt-Verbesserei bei Grünen, Piraten & Co.

Interviewer: Dass Verbriefung, CDOs, ABS, Derivate, finanzgetriebene Fusionen und Übernahmen, Leerverkäufe von Wertpapieren sowie PPP Auslöser der 2007/2008er Krise waren weiß mittlerweile jeder Erstsemestler. Warum tun unsere Regierungen nichts dagegen? Aus Angst? Werden sie gekauft? Oder erpresst?

Prof. Dr. Hankel: Am Finanzmarkt waren die Profis schon immer klüger, nein gerissener als die Kontrolleure. Meines Erachtens würde sich das erst ändern, wenn man die Kontrolleure am Umsatz, will sagen an der Beute beteiligt. Ich habe als Bankaufseher dem Staat sicher ein paar Millionen gerettet; der Lohn: ein Bundesverdienstkreuz, das ich nie trage.

Interviewer: Das Volk sollte also Profis einstellen, welche dann jeweils ihre Ressorts gewinnorientiert in Namen des Staates managen? Das gleiche Bonisystem für die Schiedsrichter wie für die Spieler? Sollte dies auch auf andere Ressorts ausgeweitet werden? Hinzu käme dann: Darf ein Arzt Wirtschaftsminister werden? Sollte das nicht besser nur ein/e Spitzenökonom/in machen dürfen?

Prof. Dr. Hankel: Das Bundesfinanzministerium hat die Vorbereitung der jüngsten Finanzmarktaufsichts- und Banken-Restrukturierungsgesetze an US-Anwaltskanzleien vergeben. Angeblich weil man keine hauseigenen Experten hatte. Zu meiner Zeit (in den 1970er Jahren) hatte man sie. Damals gab es zwar auch schon die Kluft zwischen Banken- und Beamtengehältern; ich habe bei meinem Wechsel von der Bank ins Ministerium auf einige zehntausend DM Jahresgehalt verzichtet. Aber heute beträgt diese Kluft einige hundert tausend Euro und mehr. Gute Leute sind nirgends wo in der Welt billig zu haben, auch nicht in der öffentlichen Verwaltung. So wichtig es ist, die Exzesse bei den Spitzen-Managern der Bankwelt zu beschneiden, so nötig ist es, qualifizierte Leute für die Bankenkontrolle zu gewinnen; das geht nur mit höheren Gehältern und Leistungszuschlägen. Diese Mehrkosten zahlen sich für die Allgemeinheit mehr als nur aus. Sie würden sie vor Milliarden-Schäden bewahren, die der Pfusch an den Gesetzen kostet. Denken Sie nur an die Steuerausfälle bei den Gewinn-Steuern in der Ära Eichel. Ein Mediziner als Wirtschaftsminister richtet unter Umständen mehr Schaden an als ein Betriebswirt als Heilpraktiker.

Interviewer: Warum haben Sie rechtslastigen und rechtsextremen Medien Interviews gegeben?

Prof. Dr. Hankel: Weil sie bis heute die einzigen sind, die mich unzensiert und ungekürzt drucken und verbreiten. Reformieren Sie mal ARD oder ZDF. Oder das Handelsblatt in Sachen Euro!

Interviewer: Das werden wir hiermit gerne ändern. Gulli.com zensiert oder verfälscht nichts, das wäre ein Betrug am Leser. 

Das gleiche wie mit den rechten Medien gilt dann auch für die Veröffentlichung Ihres Buches im „sagenumwobenen“ KOPP Verlag? Wie fühlt es sich an, inmitten von fragwürdigen Kornkreis – Büchern und Ratgebern für esoterische Medizin, zwischen Personen wie Jan van Helsing, Eva Hermann, Udo Ulfkotte oder Gerhard Wisniewski veröffentlicht zu werden? Denken Sie nicht, dies könnte an Ihrer Glaubwürdigkeit kratzen? Dies soll keinesfalls sarkastisch gemeint sein.

Prof. Dr. Hankel: Ebenso gut sollte ich mich fragen, warum ich Ihnen dieses Interview gebe. Toleranz besteht erstens darin anders Meinende und Denkende nicht zu diffamieren. Zweitens: bei der Bewertung einer Meinung zählt die des Autors, nicht die des Umfeldes oder des Verlages. So wenig wie Söhne für die Untaten der Väter haften. Kollektiv-Urteile sind der Tod der Meinungsfreiheit und des kritischen Diskurses. Auch unseres, wenn Sie darauf beharren. Es kommt nicht darauf an, wo und an welchem Ort und in welcher Gesellschaft ich etwas sage, es zählt einzig und allein, was ich sage. Auch Paulus predigte nicht in der eigenen Kirche, sondern mit großem Mut unter den Heiden. Offenbar mit Erfolg.

Interviewer: Derzeitige „Helden“ der kritischen Netzgemeinde sind neben Ihrer Person vor allem Dirk Müller, Sarah Wagenknecht, Karl Albrecht Schachtschneider und sogar Peter Gauweiler. Wen würden Sie empfehlen? Was halten Sie von den genannten Personen und den von ihnen vertretenen Meinungen?

 

Wir brauchen junge Leute, die auf die Straße gehen

 

Prof. Dr. Hankel: Alle werden gebraucht. Und einige mehr. Vor allem junge Leute, die für diese Ideen auch auf die Straße gehen wie in Athen oder Madrid.

Interviewer: Was halten Sie vom „Internethelden“ Julian Assange und Wikileaks? 

Prof. Dr. Hankel: Sie sind Teil von Protest und Aufklärung. Gäbe es sie nicht, müsste man sie erfinden. 

Interviewer: Glauben Sie die offizielle Geschichte von 911?

Prof. Dr. Hankel: Ich vertraue keiner Verschwörungstheorie. Nur Beweisen und hard facts. Wer liefert sie in diesem Fall?

Interviewer: Zum Beispiel Niels Harrit, der in seiner Untersuchung von Staubproben des WTC große Mengen an nicht reagiertem Militärsprengstoff (sogenanntem Nanothermit) festgestellt haben will. Einer der geheimen Peer-Reviewer der Studie (Prof. David Griscom) hat sich sogar geoutet, seine Identität offengelegt, um die Richtigkeit der Studie zu unterstützen.

Prof. Dr. Hankel: Ich bin weder Chemiker noch Metallurgist, noch überzeugen mich Indizien. Einzig und allein Fakten. Solange die nicht erhärtet sind, sollte jeder auch das Gegenteil von dem für möglich halten, wofür die Indizien sprechen. Dann gäbe es weniger Justizmorde und Hexenverfolgungen auf der Welt.

Interviewer: Gibt es noch etwas, was Sie gerne hinzufügen möchten?

Prof. Dr. Hankel: Auch Interviewte soll man nicht ausbeuten.

Interviewer: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben!

Bild-Quellen: dr-hankel.de

Lars Sobiraj am Montag, 13.02.2012 16:54 Uhr

tagsTags: euro wilhelm hankel staatsschulden griechenland-hilfe

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72 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Prey G!lgrim am 07.03.2012 11:58:47

    Wie alles begann.. Wer sich tiefergehend mit der Entstehung der FED beschaeftigen moechte, den WeltGELDbetrug beleuchten, oder die Verbindung mit dem Hause Rothschild betrachten will, sollte sich den nachfolgenden Artikel/Blog zu Gemuete fuehren. http://lupocattivoblog.com/2012/03/05/das-fed- ...

  • Annika_Kremer am 17.02.2012 16:05:57

    Okay, hätte ja sein können. ...

  • Dorfdisko am 17.02.2012 16:02:10

    War tatsächlich ein Kompliment. Und eure Statements zu den VTs kannte ich schon! ;) ...

  • Annika_Kremer am 17.02.2012 15:33:58

    Von denjenigen aus der Gulli-Redaktion halte ich dich für die Kritischste. Um so erfreulicher, dass du das mit den VTs ähnlich siehst wie ich. Danke für das (wie ich es sehe) Kompliment und ja, tue ich. Bei Interesse [URL="http://www.gulli.com/news/17896-sollte- ...

  • Dorfdisko am 17.02.2012 15:12:02

    Aber was weiß ich schon. Von denjenigen aus der Gulli-Redaktion halte ich dich für die Kritischste. Um so erfreulicher, dass du das mit den VTs ähnlich siehst wie ich. @Kangooo Ich bin hier schon etwas länger auf dem Board und man kennt halt so seine Pappe ...

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