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eSport in Bochum: Bericht und Hintergründe

Am gestrigen Freitag fand im RuhrCongress Bochum das fünfte Intel Friday Night Game (IFNG) der laufenden 14. ESL Pro Series-Saison statt.

Bei der ESL Pro Series handelt es sich um die "Bundesliga für Computerspiele", in der eSportler in verschiedenen Spielen um Punkte und hohe Preisgelder (in der laufenden Saison insgesamt 130.000 Euro) kämpfen.

Auf dem Programm des gestrigen IFNGs standen die Taktik-Shouter Counterstrike Source und Counterstrike 1.6 und das Strategiespiel Warcraft 3 The Frozen Throne. Ausgewählt werden die Spiele nach ihrer Beliebtheit und Bedeutung in der Community. Daher gehen auch die Rufe nach eSport-Veranstaltungen ohne Shooter und ähnliche Action-Spiele ins Leere: Gerade Counterstrike 1.6, das demnächst schon seinen zehnten "Geburtstag" feiert, ist für viele eSport-Fans eins der besten Spiele überhaupt. Action, Spannung und ausgeprägtes Teamplay machen für Fans den Reiz dieses Spiels aus.

Allerdings ist Counterstrike kein Spiel für ganz junge Spieler und Zuschauer; zwar sind viele Medienberichte über die Gewaltdarstellung im Spiel übertrieben, für Kinder ist das Spiel jedoch ebenso wenig geeignet wie viele Filme und ähnliche Medien. Bei der ESL achtet man deshalb sorgfältig darauf, dass kein Zuschauer unter 16 Jahren die Events besucht: Jeder Besucher muss beim Betreten der Location seinen Ausweis zeigen. Diese Regelung wird so sorgfältig befolgt, dass WC3-Spieler Eric "Eric" Martens, der seinen Ausweis vergessen hatte, fast nicht auf das Event gelassen worden wäre, wie Matthias Flierl, PR-Manager von ESL-Veranstalter Turtle Entertainment, lachend erzählt.

Auch diese strengen Jugendschutz-Regelungen allerdings können die Kritiker von eSport-Veranstaltungen und Computerspielen im Allgemeinen nicht von ihrer Meinung abbringen. So gab es um das geplante IFNG in drei Wochen in Karlsruhe heftige Kontroversen zwischen den verschiedenen politischen Lagern (gulli:news berichtete). Das IFNG wird aber auf jeden Fall stattfinden. Ob es möglicherweise ein Begleitprogramm geben wird, um die Jugendschutz-Thematik zu addressieren, steht noch nicht endgültig fest. Stellungnahmen der Beteiligten wird es jedoch wohl definitiv geben. Bei den anderen geplanten IFNGs wird es keine Probleme mit den Locations geben, da die Hallen größtenteils in privater Hand sind. Verbotsdiskussionen und der Versuch, IFNGs zu verhindern, kommen lediglich bei Hallen vor, die der jeweiligen Stadt gehören.

Für heftige Diskussionen in der eSport-Szene und auch im Internet sorgte das IFNG in Stuttgart, das kurzfristig abgesagt werden musste, da die Stadt die Hallennutzung mit Verweis auf den Amoklauf von Winnenden untersagte (gulli:news berichtete). Für diese Absage zeigen die ESL-Verantwortlichen sogar noch ein gewisses Verständnis: Im Hinblick auf die räumliche und zeitliche Nähe des Events zu dem Amoklauf sei die Reaktion der Politiker in Stuttgart "moralisch verständlich", so ein Sprecher. Für die sehr heftigen Reaktionen noch Wochen später und überall in Deutschland gelte das jedoch nicht, zumal sich keinerlei Zusammenhang zwischen Counterstrike und dem Amoklauf von Winnenden herstellen ließe. Es gebe keinerlei Hinweise dafür, dass der Amokläufer Tim K. wirklich vor seiner Tat stundenlang Counterstrike oder ein ähnliches Spiel gespielt habe, wie es einige überzeugte Spielegegner behaupten.

Auf diese und ähnliche Angriffe reagiert Turtle Entertainment als Veranstalter der ESL vor allem mit Einem: Aufklärungsarbeit. Journalisten, Politiker, Eltern und Öffentlichkeit sollen umfassend und ohne die teilweise sehr reißerischen oder schlicht sachlich falschen Darstellungen von Politik und einigen Medien über Spiele und eSport informiert werden. Denn, so ist man bei den Befürwortern des eSports überzeugt: Die Rhetorik der Spielegegner funktioniert am besten bei ahnungslosen Menschen, die nie selbst gespielt, beim eSport zugeschaut oder sich mit jemandem aus der Szene unvoreingenommen unterhalten haben. Daher empfinden die PR-Leute der ESL die Information der Öffentlichkeit als lohnenswertes Ziel, auch wenn sie dabei mitunter heftig in die sprichwörtliche Schusslinie überzeugter und in ihrer Argumentation nicht gerade zimperlicher Spielegegner geraten.

Dass es durchaus auch Personen und namhafte Firmen gibt, die den eSport positiv bewerten, zeigt die große Auswahl von Sponsoren, die die ESL und die EPS derzeit unterstützen, wie Intel, Hauptsponsor Asus und Sennheiser. Handy-Hersteller Nokia ist sogar trotz der Wirtschaftskrise gerade noch als Sponsor eingestiegen und in Bochum zum ersten Mal mit einem Stand vertreten. Vom eSport-Sponsoring erhoffen sich die Firmen, insbesondere die junge, spielebegeisterte Zielgruppe anzusprechen.

Diese war in Bochum reichlich vertreten. Schon vor den Matches hatten die Anwesenden ihren Spaß bei den Sponsoren-Ständen mit ihren Gewinnspielen und in der Freegaming-Area, wo aktuelle Spiele ausprobiert werden können. Die angekündigten Spiele versprachen Spannung, spielte doch beispielsweise in Counterstrike Source der momentan Erstplatzierte ALTERNATE aTTax gegen den Zweiten und amtierenden Meister mtw.

Die Spiele können die Zuschauer eines IFNGs in der großen Halle sehr hautnah verfolgen. Die Spieler sitzen vorn neben der Bühne und somit in Sicht- und Hörweite des Publikums. Früher mussten die Teams in abgeschlossenen Räumen hinter der Bühne spielen, da sie sonst die Reaktionen des Publikums und vor allem den Kommentar des Moderators, der das Spiel für die Live-Zuschauer und auch für die Übertragung per ESL-TV-Stream kommentiert, zu genau mitbekommen hätten, was das Ergebnis verfälscht hätte. Mittlerweile hat man dieses Problem gelöst: Schalldichte Headsets für die Spieler verhindern derartige unerwünschte Kommunikation und erlauben so den Zuschauern, den Spielern beim Zocken "über die Schulter zu schauen".

Auch sonst sind die 20 im Jahr stattfindenden IFNGs eine technische Herausforderung. Der ständige Transport und Neuaufbau an der Location ist nicht nur anstrengend, sondern zieht auch die Hardware mitunter in Mitleidenschaft. Nach einigen Problemen mit den für Counterstrike eingesetzten Rechnern ist man dazu übergegangen, auf Gaming-Laptops zu spielen, die eigentlich für WC3 und Freegaming gedacht waren - diese vertragen den ständigen Transport per LKW besser.

So blieben die Matches in Bochum von technischen Problemen weitestgehend verschont. Als erstes maßen sich aTTax und mtw in Counterstrike Source. Counterstrike Source ist der "Nachfolger" des bekannten Counterstrike mit aufwändigerer Grafik und leichten Veränderungen im Gameplay. Wie auch beim Vorgänger geht es um das Anbringen einer Bombe an bestimmten Positionen, die dann vom gegnerischen Team entschärft werden muss. Ein ausgeprägtes Gespür für Taktik und Teamplay sowie gute Mausbeherrschung sind Pflicht. Die Hoffnungen auf ein spannendes Spiel wurden in Bochum allerdings etwas enttäuscht, da sich aTTax auf der Map de_nuke überraschend unkoordiniert zeigte und dem Meister mtw wenig entgegenzusetzen hatte. Relativ sang- und klanglos ging das Spiel so mit 16:7 verloren. Anschließend gaben die siegreichen mtw-Spieler für ihre Fans noch eine Autogrammstunde.

Als zweites Spiel wurde das Strategiespiel Warcraft 3 gespielt. Dieses spielt, wie das beliebte MMORPG World of Warcraft, in der Fantasy-Welt Lordaeron. Auch in diesem Spiel hieß die Paarung aTTax gegen mtw: Für aTTax trat der amtierende Vizemeister Marc "yAwS" Förster an, für mtw Eric "Eric" Martens. Für beide Spieler ging es um Einiges: yAwS, der wahrscheinlich die letzte aktive Saison spielt, wollte durch einen klaren Sieg seine Chancen auf eine Finalteilnahme wahren, während Eric derzeit Punkte sammelt, um nicht in die Relegation zu müssen. Beide Spieler traten mit ihren üblichen Rassen an: Marc Förster spielte "Human", also Menschen, und Eric Martens Orc. Jedes der Völker hat einen eigenen Techtree, eigene Helden und charakteristische Stärken und Schwächen. Praktisch jeder Profispieler ist auf eines der Völker spezialisiert.

Bei dem Spiel in Bochum hatte Eric Martens am Ende dem überlegenen "Micro" (Management einzelner Einheiten) seines Widersachers wenig entgegenzusetzen. Zwar konnte er es auf der zweiten gespielten Map noch einmal spannend machen, letztendlich jedoch ließ Marc Förster nichts mehr anbrennen und entschied die Partie souverän für sich.

Nach einer kurzen Pause, bei der größere Mengen ESL-Merchandise unter die Zuschauer gebracht wurden, folgte "der Höhepunkt des Tages": Das Spiel Counterstrike, nach wie vor die Nummer eins in der Zuschauergunst. Auch hier trat ein Team von ALTERNATE aTTax an (obwohl man den teilweise vertretenen Fanbus diesmal scheinbar zuhause in Linden gelassen hatte). Das Werksteam um Teamcaptain Jan "mooN" Stolle belegte vor der Partie den zweiten Tabellenplatz. Der Gegner hieß in diesem Fall hoorai und hatte mit dem fünften Platz ebenfalls noch Chancen auf eine Finalteilnahme (auf das Finale kommen jeweils die besten vier Teams).

Map war das bei fast allen Teams unbeliebte de_tuscan, was dem Spiel ein gewisses Element der Ungewissheit hinzufügte. Zunächst schien sich das zu bestätigen, als sich die favorisierten Alternate-Spieler in der ersten Hälfte überraschend schwer taten und von 15 Runden 8 abgeben mussten. Auch in der zweiten Hälfte begann man überraschend schwach. Dann jedoch kamen die Lindener immer besser ins Spiel und konnten letztendlich noch einen, wenn auch relativ knappen, 16:12-Sieg herausspielen.

Nach rund vier Stunden, also gegen Mitternacht, war das IFNG beendet. Die nächste Veranstaltung dieser Art wird bereits am nächsten Wochenende in Oberhausen stattfinden - unter der gespannten Beobachtung der Community, wahrscheinlich aber auch immer unter dem kritischen Blick der Öffentlichkeit. Von der Normalität anderer Sportarten ist man beim eSport noch ein Stück entfernt. Das aber hindert die Beteiligten nicht daran, mit sehr viel Spaß und Engagement bei der Sache zu sein. Man darf also gespannt sein, was die Zukunft der ESL und dem eSport bringen wird - in jedem Fall wohl viele weitere spannende Wettkämpfe. (Annika Kremer)

News Redaktion am Samstag, 16.05.2009 16:21 Uhr

tagsTags: computerspiel killerspiel politik jugendschutz esport counterstrike warcraft 3 ifng turtle karlsruhe bochum

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3 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • joinbug am 16.05.2009 19:46:08

    Hier mal ein Link über Computerspiele und die sog. Gefahr, die davon ausgeht. http://video.google.de/videoplay?docid=-3909594849841384667&ei=YI%20QMSvfuMqSi2AKngqXGBw&q=technik&hl=de&dur=3 thx für das video, sehr interessant :T ...

  • Duckmichweg am 16.05.2009 18:33:27

    Hier mal ein Link über Computerspiele und die sog. Gefahr, die davon ausgeht. http://video.google.de/videoplay?docid=-3909594849841384667&ei=YI%20QMSvfuMqSi2AKngqXGBw&q=technik&hl=de&dur=3 ...

  • mausbewegung am 16.05.2009 17:42:34

    Schöner Artikel. Problematik angerissen aber nicht darauf versteift. Auf die Berichterstattung konzentriert. :T Davon sollte es mehr geben in allen Medien und Webseiten. Damit rückt meiner Meinung nach das Computerspiel etwas aus seiner Nische und wirkt nicht mehr so gespenstisch für Unbedarfte ...

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