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Wochenrückblick – Die Gulli-Glosse (05/2012)

Die Gulli-Glosse - Logo von Artesia

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Fürchtet ihr den Weltuntergang, weil der Mayakalender am 21. Dezember dieses Jahres aufhört? Da bleibt noch viel Zeit, sagt ihr? Ja, stimmt. Aber bis dahin kann auch noch so einiges passieren, an was die Maya nicht in ihren entferntesten Träumen geglaubt und folglich auch nicht in ihrem Kalender vermerkt haben. Schauen wir uns doch einfach einmal die Ereignisse der vergangenen sieben Tage an.

Für die Maya endet am 21. Dezember 2012 ein wahrlich bedeutender Zeitabschnitt. Einer der Gründe: Dieses Jahr treffen in unserem Sonnensystem mehrere herausragende astronomische Vorgänge zusammen. Die meisten Archäologen, Astronomen und auch Maya gehen aber davon aus, dass am Jahresende bis auf die Silvesterfeier, die übliche Knaller- und Sauferei so überhaupt nichts Besonderes passieren wird. Ach schade, es wird wohl wieder nichts mit dem Weltuntergang. Hat der Wahnsinn doch noch kein Ende. Das nicht, und ob ihr's glaubt oder nicht, das ist der „positive“ Teil unserer frohen Botschaft. Denn die Hölle haben wir auch hier oben auf Erden. Leute, so schnell werdet ihr noch nicht nach unten entlassen.

Um bei der Bibel zu bleiben. Wer Wind sät, wird Sturm ernten und wer etwas Schlechtes tut, wird es um ein Vielfaches zurückgezahlt bekommen. Das wusste schon der gute alte Hosea. Diese Erfahrung musste jüngst auch Ansgar Heveling machen, der glaubte uns erzählen zu müssen, dass die Erde eine Scheibe und alle Mitglieder der Netzgemeinde nichts als Ketzer seien. Nein, okay. Ganz so krass war es nicht. Dennoch glaubte Meister Heveling zum Besten geben zu müssen, das Web 2.0 sei demnächst Geschichte, SOPA ist sowieso ganz klasse, Party machen mit GEMA und dem Börsenverein des deutschen Buchhandels nicht minder. Halleluja sag ich nur!

Bislang ist unbekannt, ob Heveling beim Verfassen seiner satanischen Ferse an die Maya dachte oder an sein eigenes politisches Aus, denn jüngst kam jede Menge Gegenwind aus der eigenen CDU/CSU-Fraktion. Okay, gut. Also der Fairness halber muss ich zugeben, dass manche Mitstreiter in netzpolitisch interessierten Kreisen bisweilen bei Twitter nichts Besseres zu tun haben als darüber zu diskutieren, ob der Himmel gerade maus- oder steingrau ist. Manche Twitteraner machen förmlich aus einer Maus einen Elefanten. Und nein, es ist nicht das ganze Wahlvolk so gestrickt wie diese Individuen, da hat der CDU-Mann schon nicht ganz Unrecht. However: Gewinner der Geschichte war am Ende das Handelsblatt als Übermittler der biblischen Botschaft Hevelings. Die kassieren bis heute ordentlich Klicks ab, reiben sich vor Werbeeinnahmen die Hände, und schauen in aller Seelenruhe zu, wie sich einer der obersten wenn auch bislang unbekanntesten Urheberrechtler der CDU nach Herzenslust blamiert. Well done Handelsblatt. You've accomplished your mission, I'd say! Beim Videospiel Final Fight würde man hingegen sagen: „Finish him“. Nochmals steht er nach so einer Nummer nicht wieder auf.

Exakt auf jedes einzelne Wort dürfte hingegen ein Brite achten, der völlig überraschend Probleme mit dem Heimatschutzministerium der USA bekam. Eigentlich ging es um eine wilde Party und wie man Marilyn Monroe an- beziehungsweise ausgraben könne. Der Brite Leigh Van Bryan hatte sich bei Twitter schlichtweg mit ein paar derben Scherzen in der Wortwahl vertan. Die Behörde konnte darüber nicht lachen, sah wie üblich die Nation bedroht und schickte den Bösewicht nach einem fünfstündigen Verhör wieder nach Hause ins Vereinigte Königreich. Die bei der TSA verstehen weder Spaß noch sonst etwas. Sie suchten tatsächlich nach einem Spaten, hatte Van Bryan doch per Twitter angekündigt, er würde die Erde öffnen um die schöne Blondine aus dem kalten Grab zu befreien. Landesverweis wegen eines Blondinenwitzes? Wow, die Jungs waren im Vergleich zu früheren Aktionen echt noch steigerungsfähig. Wer hätte das gedacht? Und was stellen die mit mir oder den anderen Redaktionsmitgliedern im Fall einer Einreise an, wo wir doch jede Nacht kleine Kinder fressen!?? Nein, sagt es mir nicht, ich will es vielleicht doch besser nicht wissen. Manchmal sollte man sich doch besser überraschen lassen.

Und wenn wir einzelne Kids fressen, dann verspeist dieser beinahe weißhaarige Mann aus Australien nach Ansicht der US-Behörden gleich ganze Armeen an Kindern. Wenn es nach deren Willen geht, würde der auch bald mal dort einreisen, unfreiwillig versteht sich. Nun ja, statt in die Welt der unbegrenzten Unfreiheiten und Möglichkeiten verschlägt es Mr. Julian Assange zunächst nur auf die Mattscheibe. Matt Groening holt ihn aufs Spieleraster. Er darf in Folge 500 der Simpsons am laufenden Band Würstchen grillen und die Eheleute Homer und Marge mit einem wahrhaft bombigen Video vergraulen. Die verlassen ganz schnell wieder freiwillig ihr politisch korrektes Asyl und gehen zurück in die Steinzeit, zu den anderen Bewohnern von Springfield. Da gehen zwar auf Hochzeiten keine Bomben hoch, dafür kann man wieder ganz political correct furzen, wenn einem das Essen geschmeckt hat, wohl bekommt's!

Wird dem Machthaber jetzt der Zahn gezogen?

Wird dem Machthaber jetzt der Zahn gezogen?

Politisch korrekt oder nicht. Das dürfte Machthaber Baschar al-Assad in Anbetracht der vielen Todesopfer in seiner Arabischen Republik Syrien wohl eher egal sein. Die Demonstranten dachten beim Wort Republik sicher an eine Demokratie und nicht an die jetzige Staatsform. Herrn al-Assad könnte aber schon bald symbolisch gesehen der Zahn gezogen werden. Einem Hacker aus Saudi-Arabien ist es offenbar gelungen, kürzlich das E-Mail-Postfach des Despoten zu knacken. Der soll seinen Kurs im Umgang mit den Demokratiewilligen ändern, ansonsten will der Hacker alle Informationen, die er dem Postfach entnehmen konnte, der Öffentlichkeit preisgeben. Bei vier Gigabyte Daten könnten dort schon so einige interessante Infos zusammen kommen. Noch gibt es diesbezüglich keine neuen Details. Und dennoch wird es mindestens bis zur nächsten Glosse am Sonntag oder aber bis zum 21. Dezember des Jahres dauern, bis man das alles ausgewertet hat.

Okay, wir bereiten uns in der Zwischenzeit schon mal geistig auf das eingangs versprochene Inferno vor. Der Letzte macht dann bitte das Licht aus. Wenn wir von der Redaktion schon bekanntlich Kinder zum Frühstück verspeisen, dann sparen wir wenigstens Energie. Aber gut, vielleicht kommt der Strom nach dem Untergang dann endlich aus der Steckdose und nicht mehr vom Atomkraftwerk um die Ecke. Ob die Betonhülle des Kraftwerks dann in mausgrau, staubgrau oder aschgrau ausgeliefert wird, besprechen wir dann bei Twitter und Facebook. Oder auch nicht.

 

Bild-Quellen: iqdesigner239.deviantart.com

Lars Sobiraj am Sonntag, 05.02.2012 17:12 Uhr

tagsTags: julian assange gulli glosse ansgar heveling leigh van bryan baschar al-assad

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1 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • DebianIgnatz am 06.02.2012 17:37:32

    ich freu mich schon auf den 22. Dezember, wenn nach dem ganzen Aufruhr Katerstimmung angesagt ist :P Dann wird wohl AXE nach der »Final Edition« eine »Die-Welt-ist-doch-nicht-untergegangen-Edition« rausbringen ... Grueße Ignatz ...

  • Ghandy am 05.02.2012 17:12:24

    Fürchtet ihr den Weltuntergang, weil der Mayakalender am 21. Dezember dieses Jahres aufhört? Da bleibt noch viel Zeit, sagt ihr? Ja, stimmt. Aber bis dahin kann auch noch so einiges passieren, an was die Maya nicht in ihren entferntesten Träumen geglaubt und folglich auch nicht in ihrem Kalender ...

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