
Julian Assange in einer künstlerischen Darstellung
Julian Assange galt schon lange als jemand, der sich im Rampenlicht durchaus wohl fühlt. Nun will er sogar seine eigene TV-Sendung moderieren. Wie ein WikiLeaks-Mitarbeiter in einer von Assange autorisierten Pressemitteilung erklärt , soll es dabei um durchaus anspruchsvolle politische Themen gehen.
Es sei ein wichtiger Moment in der Geschichte, so der WikiLeaks-Sprecher. Im Mittleren Osten sorgten die Aufstände und Revolutionen des letzten Jahres nach wie vor für stetige Veränderung. Auch im Westen herrschten unruhige Zeiten, so heißt es; dort habe "der Niedergang der Rechtsordnung den Bankrott früher führender politischer Institutionen und Ideologien demonstriert." Und auch das Internet sieht WikiLeaks als Schauplatz für gesellschaftlichen Wandel. Es sei niemals zuvor "so stark, oder so sehr unter Beschuss" gewesen.
Angesichts dieser gesellschaftlichen Veränderungen seien sich viele Menschen der Notwendigkeit bewusst, "die Welt um uns herum radikal zu überdenken", so der WikiLeaks-Sprecher. WikiLeaks und Assange als Vorkämpfer vieler gesellschaftlicher Veränderungen könnten dabei eine zentrale Rolle übernehmen. Assange sei "eine der bekanntesten revolutionären Figuren" der Welt, ein "Pionier für eine gerechtere Welt" und gleichzeitig "ein Opfer politischer Repression", so heißt es. Daher sehe er es als seine Aufgabe an, Vertreter verschiedener gesellschaftlicher Positionen in seiner Show zusammen zu bringen und über ihre Ideen für eine bessere Zukunft zu befragen. "Durch diese Serie werde ich die Möglichkeiten für unsere Zukunft in Gesprächen mit denen, die sie formen, erforschen," so Assange selbst, "Bewegen wir uns in Richtung Utopia oder Dystopia und wie können wir unseren Kurs setzen?" Die Sendung sei "eine aufregende Gelegenheit, die Vision meiner Gäste in einer neuen Art von Sendung zu diskutieren, die ihre Philosophien und Kämpfe in einer tieferen und klareren Art untersucht, als es zuvor getan wurde."
Wieviel von diesen vollmundigen Ankündigungen Assange wird wahr machen können, muss sich natürlich erst zeigen. Dies dürfte nicht zuletzt auch davon abhängen, ob er es tatsächlich schaffen wird, einflussreiche und interessante Gesprächspartner für seine Sendung zu begeistern - idealerweise solche, die tatsächlich kontroverse Ideen vertreten. Selbst absoluten Verfechtern von WikiLeaks dürfte es nämlich nach einer Zeit langweilig werden, wenn immer nur Ideen diskutiert werden, die sich miteinander und mit denen von Assange weitgehend decken.
Von all dem werden sich die Zuschauer ab Mitte März selbst überzeugen können. Ab dann nämlich soll die Sendung in zunächst zehn wöchentlichen Episoden von je einer halben Stunde ausgestrahlt werden. Wo und auf welchem Fernsehsender die Sendung zu sehen sein wird, ist noch nicht bekannt; in der Pressemitteilung ist lediglich von "über 600 Millionen Zuschauern über Kabel, Satellit und terrestrische Sender" die Rede. Allerdings wäre es verwunderlich, wenn eine Sendung von derartigem Interesse für die Netzgemeinde nicht auch früher oder später ihren Weg ins Internet finden würde.
Update 1 (25.01.2012, 12:37 Uhr):
Einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" zufolge wird die Sendung zunächst beim russischen TV-Sender "Russia Today" (RT) laufen. Der Spiegel beruft sich dabei auf einen Tweet der RT-Chefredakteurin, in dem diese begeistert mitteilte: "Die erste TV-Show von Julian Assange läuft bei UNS!!!" sowie auf eine offizielle Mitteilung des Senders vom heutigen Mittwoch. In letzterer wurde auch mitgeteilt, dass die Sendung in England aufgezeichnet wird, wo Assange derzeit unter Hausarrest steht. Die erste Folge soll in der Woche vor Assange Anhörung vor dem Supreme Court, dem obersten Gerichtshof Großbritanniens, ausgestrahlt werden. Die Anhörung wird am 1. und 2. Februar stattfinden. Wen Assange in der Sendung zu Gast haben wird, teilte RT bislang noch nicht mit.
Der Sender RT ist keineswegs unumstritten. Der Spiegel schreibt: "Russia Today ist eine russische TV-Sendergruppe, die von der Grundkonzeption an US-Nachrichtenkanäle wie CNN erinnert. Das Programm wird weltweit und in diversen Sprachen über Kabel und Satellit ausgeliefert. RT gehört der staatlichen russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti. Oppositionelle und unabhängige Medien werfen den russischen Staatskanälen immer wieder allzu große Nähe zum Kreml vor." Unter WikiLeaks-Anhängern ist der Kanal allerdings recht beliebt, da zu diesem Thema häufig Berichte zu finden waren, die kontroverser als die vieler westlicher Medien wirkten. Dies könnte allerdings durchaus den Hintergrund haben, die westlichen Regierungen, mit denen sich WikiLeaks derzeit bevorzugt anlegt, zu diskreditieren.
Update 2 (26.01.2012, 00:15 Uhr):
Wie WikiLeaks angesichts der Kritik an Russia Today in einem Tweet betont, hat der Sender lediglich eine Sende-Lizenz. Die TV-Sendung selbst wird unabhängig produziert. Assange habe die volle Kontrolle über die Inhalte, betont man.
Bild-Quellen: "Julian Assange" by Felix-2@DeviantArt
Text-Quellen: wikileaks.org
Annika Kremer am Donnerstag, 26.01.2012 00:15 Uhr
Und ob er jetzt RT oder AJ nimmt, alles ist besser als der amerikafreundlichste Sender CNN. Aber das ist wie immer Ansichtssache ... Er sollte den schon nehmen, wenn er sich zufällig anbietet. Am besten wäre sogar FOX. Man will ja nicht die aufklären, dies eh schon w ...
Naja, er kann sich vermutlich nicht wirklich aussuchen. Bestimmt hätte er auch Aljazeera nehmen können. Aber ob er nun bei den Kommis oder den Mullas auf Sendung geht, ist doch auch egal und vermutlich hat er weniger belastendes Zeug über die Russen, als über die Mullas...[ ...
Russia Today? Das war es dann. Assange will wohl absolut jeden Rest Glaubwürdigkeit verlieren den er noch besitzt. Naja, er kann sich vermutlich nicht wirklich aussuchen. Bestimmt hätte er auch Aljazeera nehmen können. Aber ob er nun bei den Kommis oder den Mullas ...
Kann diesen Typen mal wer beenden? Für Assange war Wikileaks wohl eher nur ein Mittel zum Zweck um bekannt zu werden oO Was der hier abzieht ist ja abnormal. Das! ist abnormal: Modern Talking [QUOTE=VacuumClea ...
Russia Today? Das war es dann. Assange will wohl absolut jeden Rest Glaubwürdigkeit verlieren den er noch besitzt. ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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