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Wochenrückblick - Die Gulli-Glosse (51/2011)

Gulli:Glosse (Logo)

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Weiße Weihnachten? In den meisten Gegenden Mitteleuropas wartete man darauf in diesem Jahr vergeblich. Da passt es nur zu gut, dass auch viele andere Dinge in der letzten Woche nicht ganz so waren, wie man sie sich, ein romantisiertes Idealbild aus der Kindheit vor Augen, wünschen würde. Was alles wo bei wem eher suboptimal war - der Wochenrückblick der gulli:News deckt auf.

Vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis - hatten viele Zocker ihren Spaß, erfreuten sich an schnellen Servern und fehlerfreien Missionen und genossen so das neue MMORPG "Star Wars: The Old Republic" schon direkt zu Anfang in vollen Zügen? Leider nein. Zwar wurde das Spiel selbst von den meisten Gamern als durchaus vielversprechend eingestuft, die technische Infrastruktur erschien jedoch zunächst einmal in etwa so stabil wie der Hyperraum-Antrieb des Millenium Falcon ("Wenn es hilft, steig' ich aus und schieb an."). Bald häuften sich langsame Server und frustrierende Wartezeiten. Einige Spieler berichteten zudem über Abstürze bei bestimmten Missionen (gut, das Problem hatte Luke Skywalker auch des öfteren). Die Macht durchdringt und umgibt uns zwar und hält die Galaxis zusammen, aber um die Gameserver von TOR zusammen zu halten, reichte es offenbar nicht. Zum Ende der Woche hin ging Publisher Electronic Arts sogar so weit, das Spiel als "ausverkauft" zu kennzeichnen, was natürlich bei einem Download-Spiel irgendwie so logisch ist wie das Wort "Datendiebstahl", aber hoffentlich hilft, den Ansturm auf die Server wenigstens halbwegs in kontrollierte Bahnen zu lenken. Möge die Macht mit EA sein… sie können es offenbar brauchen… 

Ein Wunschtraum blieben mit dem Firefox-Browser oftmals auch schnelle Website-Ladezeiten. Der Browser bot zwar viele Vorzüge - er ist quelloffen, verfügt über eine Vielzahl unterschiedlicher Erweiterungen und schnitt auch in Sachen Sicherheit und Kompatibilität meist durchaus nicht schnlecht ab - legte aber, um mal bei der Symbolik des vorigen Absatzes zu bleiben, häufig die ganze Dynamik eines imperialen Sternenzerstörers an den Tag. Das soll sich nun ändern: der neue Firefox ist angeblich bis zu 30% schneller als der Vorgänger. Besonders aufwändige Websites sollen schneller geladen werden. Gibt es auch hier womöglich ein Happy-End? Das wird sich zeigen.

So gar nicht überraschende News der Woche: die USA werfen den Chinesen mal wieder vor, spioniert zu haben, und die Chinesen streiten es ab. Da bleibt nur zu sagen "alle Jahre wieder". Wir sollten den beiden Ländern da echt dankbar sein, schließlich gehört zu Weihnachten auch das Bewahren alter Traditionen und ein wohliges Gefühl der Kontinuität…

Dann beschäftigte uns in der letzten Woche natürlich auch noch die Anhörung Bradley Mannings. Der Wunschtraum lautete hier: die Obama-Regierung hält ihre Versprechen, transparenter und freiheitlicher zu sein als ihre Vorgänger, und die USA sind ein Rechtsstaat, in dem jeder einen fairen Prozess bekommt. Die Wirklichkeit… nun ja. Wo soll man anfangen. Zunächst einmal wahrscheinlich dabei, dass die Anhörung, um mal im Star-Wars-Universum zu bleiben, so ein bisschen das selbe Problem hatte wie die Prequel-Trilogie: jeder weiß eh schon, wie es ausgeht und wer am Ende die vielzitierte Karte hat. Allerdings hatte besagte Prequel-Trilogie wenigstens noch gute Special Effects. Bei der Manning-Anhörung bekam man noch nicht einmal so elementare Dinge wie ein fehlerfreies Telefongespräch und eine Video-Übertragung in den Medienraum auf die Reihe. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich schon längst nicht mehr, sondern haut einmal mehr den Kopf auf den Tisch. Inhaltlich blieb die Anklage bei der Mär von der "nationalen Sicherheit", die natürlich wichtiger ist als so Kleinkram wie Transparenz, Pressefreiheit oder auch die Achtung des Militärs vor Menschenleben und durch Mannings Aktionen total krass gefährdet wurde. Stimmt zwar nicht, macht aber Eindruck. Leider hatten die Vertreter der US-Regierung aber nicht nur einen Hollywood-reifen Plot, sondern auch noch jede Menge Beweise. Für die glorreiche Idee, sensible Chats nicht nur mitzuloggen (der Adium-Messenger erleichtert diese Dummheit leider erheblich), sondern die Logs dann auch noch mit einem Passwort zu verschlüsseln, das gerade zum gefühlt fünfhundertsten Mal zum Einsatz kommt, sollte Manning - nein, nicht vor's Kriegsgericht, aber die epische Wall of Shame wäre angemessen. Passwörter sind wie Unterhosen: niemals weitergeben, nicht mehrfach benutzen, oft wechseln. Manning als Geheimdienst-Analyst sollte diesen Satz durchaus mal gehört haben. Gut, im Vergleich zur bahnbrechenden Kompetenz der Leute, von denen Manning die Daten auf der vielzitierten Lady-Gaga-CD geklaut hat, wirkt das Handeln Mannings wie die Analysen von Alan Turing persönlich. Aber trotzdem. Man sollte ein Buch schreiben: "Subversion, Whistleblowing und Hackerzeugs für Dummies". Ich würde den Scheiß lesen. Eigentlich würde ich ihn sogar gerne schreiben. Aber wir schweifen ab. Mannings Fehler, auch wenn sie vermutlich vielen Nerds eine Gehirnerschütterung bescherten, sind natürlich nicht das eigentliche Problem. Das eigentliche Problem ist, dass ihn die USA genug hassen, um diese Fehler gnadenlos auszunutzen. Weil er sie blamiert hat. Weil er ihre Fehler offengelegt hat. Weil für ihn Transparenz mehr bedeutete als ein tolles Wahlversprechen, mit dem sich junge Menschen ködern lassen. Das sind, im Jahr 2011, ernsthafte Verbrechen im sogenannten Rechtsstaat USA, wegen denen man einen jungen Menschen am liebsten lebenslänglich wegsperren oder schlimmeres würde. Selbst Mannings Anwalt David Coombs scheint eher wenig optimistisch und buk im Schlussplädoyer mit der Aussage "30 Jahre würden auch reichen" so kleine Brötchen, dass davon noch nicht einmal eine auf Diät gegangene Kirchenmaus satt würde. In einer wirklich freiheitlichen Gesellschaft würde Manning eher 30 Jahre Luxusleben auf Staatskosten bekommen (naja, freiheitlich und Staat… halt auf Kosten der Allgemeinheit, Rest wäre noch zu klären) für seine Verdienste um eine informierte Öffentlichkeit. Naja, wie schon oben gesagt: Wunschdenken. Faktisch gesehen sieht es eher düster aus für Manning angesichts der in der Anhörung präsentierten Beweise (bei denen man sich teilweise schon fragte, wie zur Hölle sie in dieser Art an diesen Ort kamen, nicht, dass ich irgend etwas andeuten wollte) und auch WikiLeaks-Oberhoschi Julian Assange dürfte sich diese Weihnachten trotz der fast schon sommerlichen Temperaturen warm anziehen, wurde den Versuchen, ihm um jeden Preis eine "Verschwörung" anzuhängen, in der Anhörung doch neue Nahrung geliefert. Es ist schon alles schwierig. An wenigen Orten klaffen Wunsch und Wirklichkeit so weit auseinander. Ist halt bloß die Frage, ob sich eins von beidem ändert, und wenn ja was…

Trotz dieser eher wenig harmonischen und wunschgemäßen Geschichten wünsche ich allen Lesern noch schöne Rest-Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Die Gelegenheit, das wörtlich zu nehmen, ist ja mangels winterlichen Wetters dieses Jahr eher weniger gegeben, auch wenn der reichliche Konsum jahreszeittypischer Getränke sicher hilft. Macht es gut, bis nächste Woche. 

Annika Kremer am Sonntag, 25.12.2011 14:48 Uhr

tagsTags: cyberwar wochenrückblick firefox star wars star wars: the old republic bradley manning

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3 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Metal_Warrior am 27.12.2011 01:16:47

    Ein Traum - die Vergleiche waren ja richtige Pralinen, um mal beim weihnachtlichen Vokabular zu bleiben. Frohe Weihnacht und guten Rutsch zusammen! ...

  • Sempralon am 25.12.2011 19:01:57

    @Annika_Kremer ... das mit dem Star Wars Vergleich (das jeder das Ende der Geschichte kennt ...) ist eine tolle Sache! Da bekommt die chinesische Floskel "Der Weg ist das Ziel!" doch eine Bedeutung, nicht? :beer: ... fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch! :D ...

  • StaTiC am 25.12.2011 17:07:20

    beim unterhosenvergleich hab ich mich weggeworfen. frohe weihnacht ...

  • Annika_Kremer am 25.12.2011 14:48:26

    Weiße Weihnachten? In den meisten Gegenden Mitteleuropas wartete man darauf in diesem Jahr vergeblich. Da passt es nur zu gut, dass auch viele andere Dinge in der letzten Woche nicht ganz so waren, wie man sie sich, ein romantisiertes Idealbild aus der Kindheit vor Augen, wünschen würde. Was alle ...

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