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Update

Bradley Manning: Zweiter Tag der Anhörung (13. Update)

Bradley Manning - künstlerische Arbeit einer Unterstützerin

Bradley Manning - künstlerische Arbeit einer Unterstützerin

Die Anhörung des US-Soldaten und mutmaßlichen Whistleblowers Bradley Manning geht am heutigen Samstag - dem 24. Geburtstag des Verdächtigen - in die zweite Runde. Nachdem der zuständige "Investigation Officer" (IO), also der Vorsitzende der Anhörung, Vorwürfe der Befangenheit ablehnte, könnte es heute erstmals um die eigentlichen Vorwürfe gegen Manning gehen.

Bereits vor Beginn der Verhandlung kam eine interessante Information ans Tageslicht: das Armee-Berufungsgericht lehne einen über Nacht von Mannings Anwalt David Coombs verfassten Berufungsantrag ab. Lieutenant Colonel Paul Almanza wird also die Anhörung auf jeden Fall weiterführen. Der heutige Verhandlungstag begann um 10 Uhr Ortszeit (17 Uhr deutscher Zeit). Es sind wieder zahlreiche Journalisten vor Ort, die teilweise auch zeitnahe Updates über Social-Media-Dienste oder "Liveblogs" herausbringen. Aus dem Gerichtssaal selbst darf allerdings nach wie vor nicht berichtet werden, da elektronische Geräte verboten sind.

Ein Artikel des Miami Herald beinhaltet das erste seit der Festnahme an die Öffentlichkeit gedrungene Foto Mannings. Dies sorgte unter den zahlreichen Manning-Unterstützern, die die Anhörung im Internet verfolgen, für einige Aufmerksamkeit. Auch sonst zeigt sich wieder, dass Manning durchaus eine weltweite Unterstützergemeinde hat: heute finden anlässlich der Verhandlung und Mannings Geburtstag zahlreiche Solidaritäts-Demonstrationen, darunter auch eine Demonstration in Berlin, statt. 

Update 1 (17:03 Uhr):

Die Verhandlung ist derzeit aufgrund technischer Probleme pausiert. Eine Zeugin der Verteidigung, eine Mitarbeiterin des "United States Army Criminal Investigation Command" (CID) rief von Hawaii aus an und der IO konnte ihre Aussage nicht verstehen. Derzeit wird daran gearbeitet, das Problem zu beheben. Der Zeugin wurde gesagt, sie solle 30 Minuten nach ihrem ersten Anruf - etwa in einer Viertelstunde - noch einmal anrufen. 

Update 2 (17:47 Uhr):

Wie Brian Bennet, Korrespondent für nationale Sicherheit bei der Los Angeles Times, berichtet, wohnen dem heutigen Anhörungstag etwa 30 Pressevertreter bei. Das sind etwa halb so viele wie gestern. 

Derweil berichtet Wired-Reporter Kim Zetter, dass Julian Assanges gestern gestellter Antrag, über die Vorgänge bei der Anhörung informiert zu werden, abgelehnt wurde. Der WikiLeaks-Gründer hatte den Antrag gestellt, da er sich als Betroffenen des Verfahrens sieht. Er befürchtet Berichten zufolge, Manning könnte zu einer Aussage gegen ihn - und womöglich andere WikiLeaks-Mitarbeiter - gedrängt werden.

Die Anhörung wird mittlerweile mit der Befragung der Zeugin fortgesetzt. Reporter Raf Sanchez vom Daily Telegraph beklagt schwierige Bedingungen für die Medienvertreter. Er kritisiert, der Bildschirm im "Media Room", auf den die Anhörung übertragen wird, sei mitten in der Zeugenaussage wieder zugeschaltet worden.

Blogger Kevin Gosztola spekuliert, dass bei dem derzeitigen, von zahlreichen Unterbrechungen bestimmten Tempo die Anhörung bis zum 23. Dezember dauern könnte.

Update 3 (18:00 Uhr):

Die Aussage der Zeugin deckt offenbar einige Unstimmigkeiten auf. Die Agentin, Special Agent Graham, hatte in einer eidesstattlichen Versicherung gesagt, Manning habe "über ein Jahr lang" Geheimnetzwerke der Armee gehackt und Geheimdokumente unautorisiert kopiert, gab aber in der heutigen Verhandlung zu, dass sie sich diesbezüglich nicht sicher sein könne. Manning war außerdem nur von Oktober 2009 bis Mai 2010 (dem Zeitpunkt seiner Festnahme) im Irak stationiert.

Update 4 (18:46 Uhr):

Die Anhörung ist derzeit - nach einer ersten Befragung über die Haftbedingungen, denen sich Manning in der Untersuchungshaft ausgesetzt sah - erneut pausiert. Anschließend sollen Zeugen der Verteidigung zu den Ermittlungen im Fall Manning sowie zur IT-forensischen Untersuchung der für den Fall relevanten Computer aussagen. Kim Zetter beklagt, auch diese Pause sei Problemen mit Telefonverbindungen geschuldet. Er könnte "nicht glauben, dass das Gericht das Telefon nicht vorher getestet hat", so der Wired-Reporter.

Update 5 (19:19 Uhr):

Im Kreuzverhör Grahams ging es um die Durchsuchung von Mannings Räumlichkeiten und die Beschlagnahmung und IT-forensische Untersuchung seiner Computer. Außerdem gelang es der Verteidigung nach Aussage von Gosztola, festzuhalten, dass das von WikiLeaks unter dem Titel "Collateral Murder" veröffentlichte Video nicht der Geheimhaltung unterliegt. Außerdem wurde, so Ed Pilkington, über Mannings Transsexualität - er hatte angeblich bereits ein "Alter Ego" namens Breanna Manning - gesprochen. Dies ging von Mannings eigenem Verteidiger aus, weswegen davon auszugehen ist, dass Manning mit einer offenen Behandlung dieses Themas einverstanden ist.

Update 6 (19:48 Uhr):

Special Agent Graham sagte offenbar aus, eine Kopie des "Collateral Murder"-Videos sei, fertig für einen Postversand verpackt, in Mannings Quartier gefunden worden. Unter den anwesenden Journalisten herrscht derweil Verwirrung über Grahams Aussage, das Video sei nicht als geheim eingestuft gewesen. Außerdem wurde Special Agent Calder Robertson - ebenfalls telefonisch, da er sich derzeit in Deutschland aufhält - befragt. Er führte die IT-forensische Untersuchung von Mannings Computern und Datenträgern durch.

Wie in Kevin Gosztolas Liveblog nachzulesen ist, sind WikiLeaks-Anwältin Jennifer Robinson sowie Amanda Jacobsen, Anwältin beim Center for Constitutional Rights, bei der Anhörung zugegen. Sie reichten nach Ablehnung des ersten Antrags, ihnen als rechtliche Vertreterinnen Julian Assanges Zugriff auf sämtliche relevanten Prozessinformationen zu geben, einen weiteren Antrag ein.

Die Verteidigung versuchte offenbar mehrfach, die Befragung auf Mannings sexuelle Orientierung und seine möglichen sozialen Probleme beim Militär zu lenken. Auf Nachfrage, ob diese Fragen relevant seien, versichterte Coombs stets, der Geisteszustand seines Mandanten sei für den Prozess von Bedeutung, daher müsse er diese Fragen stellen. Einige der anwesenden Journalisten sehen dies als Indiz dafür, dass Coombs tatsächlich argumentieren will, Manning hätte keinen Zugriff auf Geheimdokumente erhalten dürfen. Wahrscheinlicher ist allerdings die vom "Bradley Manning Support Network" argumentierte Variante, dass Coombs Mannings Probleme als strafmildernde Umstände im Falle einer Verurteilung präsentieren will. 

Die Verhandlung wurde zwischenzeitlich pausiert, um zu Mittag zu essen, und vor wenigen Minuten wieder aufgenommen. 

Update 7 (21:06 Uhr):

Die Anhörung ist derzeit erneut pausiert. Viele Journalisten nutzen die Pause, um Informationen über die Geschehnisse der letzten Stunden zu veröffentlichen.

Raf Sanches erklärt, die US-Behörden hätten zunächst vermutet, Manning habe Informationen an einen ausländischen Geheimdienst weitergegeben. 

Der Journalist und Buchautor Denver Nicks berichtet, nach Angaben eines der zuständigen Ermittler sei unter Mannings in den USA befindlichen persönlichen Sachen eine bislang nicht erwähnte SD-Karte mit Geheiminformationen gefunden worden. Womöglich brachte Manning diese während eines Heimaturlaubes aus dem Irak mit. Ferner soll der Ermittler ausgesagt haben, dass gegen eine Person namens Jason Katz ermittelt worden sei, nachdem Katz, ein Mitarbeiter des Energieministeriums, damit "geprahlt" habe, das Video des Garani-Luftschlages entschlüsselt zu haben. Dieses Video zeigt angeblich ebenfalls Fehlverhalten von US-Luftstreitkräften und wurde bereits viel diskutiert. Manning erwähnte es in seinen Chats mit Adrian Lamo. WikiLeaks gelangte angeblich in den Besitz des Videos und forderte vor rund zwei Jahren Supercomputer-Zeit an, um es zu entschlüsseln. Es ist nicht bekannt, ob die Entschlüsselung seitdem gelungen ist. Den Tipp, gegen Katz zu ermitteln, sollen die Behörden laut Kevin Gosztola von Adrian Lamo erhalten haben, der auch Manning an die US-Behörden auslieferte. Auf Katz' Computer sei tatsächlich das Garani-Video gefunden worden, berichtet Gosztola. Ob Katz festgenommen und angeklagt wurde, ist bislang nicht bekannt.

Ferner, so Nicks, soll Coombs erneut darum ersucht haben, weitere Zeugen befragen zu dürfen. Dies wurde vom IO jedoch auch diesmal abgelehnt. Von Coombs ursprünglicher, 48 Zeugen umfassender Liste waren lediglich zwei Personen zugelassen worden. 

Update 8 (22:38 Uhr):

Ein von Kim Zetter verfasster Wired-Artikel geht auf die Tatsache ein, dass nach Aussagen von Toni Graham Manning offenbar allein aufgrund der Informationen in den mit Adrian Lamo geführten Chats hin festgenommen wurde. Dem zufolge überprüfte die US-Regierung zuvor nicht, ob Manning tatsächlich schuldig ist beziehungsweise ein begründeter Verdacht besteht.

Neue Informationen aus der Anhörung gibt es derzeit nicht, da seit rund zwei Stunden ohne Pause verhandelt wird und die anwesenden Pressevertreter somit keine elektronischen Geräte nutzen dürfen. 

Update 9 (23:32 Uhr):

Die Verhandlung ist wieder pausiert. 

Vor der Pause wurde Captain Steven Lim, der Befehlshaber von Mannings Analyse-Einheit im Irak, befragt. 

Coombs erhob offenbar heftige Vorwürfe gegen die US-Armee. Nicks zufolge kritisiert Mannings Anwalt Fehler in der Kommando-Kette und die unangebrachte Geheimhaltung von Dokumenten. Außerdem betont Coombs dem zufolge, dass durch die Manning vorgeworfenen Leaks kein ernsthafter Schaden an der nationalen Sicherheit angerichtet worden sei. 

Einem Bericht des freien Journalisten Matt Williams zufolge erhielt Manning "Zugriff zu geheimen Informationen selbst nachdem die Armee von psychologischer Instabilität und gewalttätigen Ausbrüchen wusste". Williams spricht von "schockierenden Beweisen". Ähnliches berichten auch andere anwesende Journalisten. 

Ed Pilkington kommentiert die von Lim beschriebene schockierend schlechte Sicherheitslage bei Mannings Einheit. Es seien CDs - offenbar mit sensiblen Informationen - quer über den Boden verstreut gewesen. Ähnliches beschreibt Sanchez: Lim habe ausgesagt, es sei gängige Praxis für Soldaten gewesen, auf Computern, die an geheime Netzwerke angeschlossen waren, Musik zu hören und Computerspiele zu spielen

Update 10 (23:48 Uhr):

Zudem wurde Troy Bettencourt, einer der Ermittler im Fall Manning, befragt. Bettencourt sagte aus, er hätte Mannings Verlegung in den Irak zu verhindern versucht, wenn es seine Entscheidung gewesen wäre. Außerdem erklärte der Ermittler, WikiLeaks habe Einreichungen "ermutigt". Dies begründet er unter anderem mit einer auf WikiLeaks veröffentlichten "Most Wanted" Liste von Geheimdokumenten, in der die Öffentlichkeit eintragen konnte, welche Informationen von besonderem Interesse für Leaks sind. 

Ein Vorgesetzter Mannings beschrieb vor Gericht das Informationssicherheits-Training, das Mannings Einheit zuteil wurde. Er berichtete außerdem, Manning habe eine Disziplinarstrafe erhalten, weil er mindestens drei Videos über seine Arbeit auf YouTube veröffentlicht habe, die unerwünschte Begriffe wie "Top Secret" und "classified" (also "als geheim eingestuft") enthalten hätten. Soldaten dürfen der Aussage zufolge nicht öffentlich bekannt geben, dass sie Zugriff auf Geheiminformationen haben, um sich nicht zum Ziel für feindliche Agenten zu machen. 

Kevin Gosztola äußert mittlerweile ebenfalls die Vermutung, die Verteidigung wolle argumentieren, dass Manning emotionale und Verhaltensprobleme gehabt habe und daher keinen Zugriff auf Geheiminformationen hätte haben sollen

Update 11 (00:20 Uhr):

Die Anhörung ist für heute beendet. Angesichts der zahlreichen heute besprochenen Informationen ist aber noch mit interessanten Berichten und Stellungnahmen der Anwesenden zu rechnen.

Update 12 (00:32 Uhr):

Wie Gosztolas Liveblog zu entnehmen ist, wird die Verhandlung am Sonntag weitergeführt. Gulli:News wird wieder in der bisher praktizierten Form berichten. 

Update 13 (11:37 Uhr):

Ein von Kim Zetter verfasster Wired-Bericht erklärt, einer der Ermittler habe ausgesagt, dass sich auf Mannings Computer eine Kopie der Chatlogs zwischen Manning und Lamo befunden habe. Dies würde die Echtheit der Logs beweisen.

Bild-Quellen: "Behind Bars" by Shalindria1981@DeviantArt

Annika Kremer am Sonntag, 18.12.2011 11:37 Uhr

tagsTags: whistleblowing usa us army wikileaks bradley manning

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21 Reaktionen zu dieser Nachricht
  • Annika_Kremer am 19.12.2011 13:23:43

    Ihr seid also für eine Auslieferung von Julian Assange? ...

  • Debunker am 18.12.2011 15:30:48

    Kann eigentlich nicht, da beispielsweise Special Agent Graham laut Berichten erst von ihrem Mobiltelefon aus und dann aus ihrem Büro angerufen hat. Und wer sagt uns, dass Special Agent Graham überhaupt existiert, bzw. am Telefon spricht? Klar, übertr ...

  • VacuumCleaner am 18.12.2011 15:16:06

    Es geht ihm wohl ums "könnte". Möglich ist es, dass musst du zugeben. Es ist auch möglich, dass Manning freigesprochen wird. Das ist genauso wahrscheinlich ;) Wieso sollten da Zeugen mit Waffen bedroht werden? Vor allem - wer sollte das tun? Das Urteil ste ...

  • Hamat am 18.12.2011 12:38:27

    Finde es ganz schön krass,dass es soviele 'Unstimmigkeiten in der Verhandlung gibt. Ich hoffe,dass es für manning relativ glimpflig ausgeht,was aber bis jetzt mehr als unwahrscheinlich ist:confused: ...

  • keksautomat am 18.12.2011 10:38:51

    Guck weniger Fernsehen... :rolleyes: Es geht ihm wohl ums "könnte". Möglich ist es, dass musst du zugeben. Außerdem ist hier das Argument mit "du hörst nur die Stimme, du siehst nicht wie er auf Fragen reagiert, ob er Angst hat " etc. sehr stark meine ...

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