
Bradley Manning - künstlerische Arbeit einer Unterstützerin
Mannings Verteidiger David Coombs bemüht sich im Vorfeld, die Öffentlichkeit über den Fall Manning auf dem Laufenden zu halten. Nachdem er bereits einen Antrag auf Herausgabe bestimmter Dokumente öffentlich gemacht hatte (gulli:News berichtete) stellte er nun auch eine Liste von Zeugen, die er vorladen will, ins Internet. Die Liste umfasst insgesamt 48 Personen. Sie ist allerdings nur in einer stark redigierten Version online verfügbar.
Das Dokument legt nahe, dass Coombs versuchen wird, Mannings fragilen mentalen Zustand sowie die Tatsache, dass es zahlreiche Warnungen davor gab, Manning ins Kriegsgebiet zu versetzen, zu betonen. Unter den von Coombs aufgelisteten Zeugen sind Militärangehörige, Computerexperten, Psychologen und FBI-Agenten. Daneben sollen sogar US-Präsident Barack Obama und Außenministerin Hillary Clinton als Zeugen aussagen. Auf dem Microblogging-Dienst Twitter wurde das Gerücht verbreitet, Clinton hätte große Angst, als Zeugin aussagen zu müssen. Der Wahrheitsgehalt dieser Aussage lässt sich jedoch nicht überprüfen.
Coombs stellt Manning in dem Dokument als verstört und einsam dar. Ein Psychologe, der Manning kurz vor dessen Festnahme untersucht habe, habe ihn als Gefahr für sich und andere eingestuft. Ein anderer Psychologe, der Manning etwa ein halbes Jahr vorher untersuchte, wird mit der Einschäzung zitiert, Manning stehe unter großem Stress und reagiere übertrieben sensibel auf Kritik. Manning sei außerdem schwer damit zurecht gekommen, nicht offen über seine Sexualität - Berichten zufolge ist er transsexuell - reden zu können und sei von Kollegen schikaniert worden. Auch dies sollen Zeugen, darunter Kollegen Mannings, bestätigen.
Coombs versucht offenbar, eine Verantwortung der Armee für die Vorgänge zu belegen. Warnungen bezüglich Mannings mentalem Zustand seien nicht weitergegeben worden und Manning habe trotz seiner emotionalen Probleme weiterhin Zugriff auf sensible Geheimdaten gehabt.
Obama soll offenbar deswegen als Zeuge vorgeladen werden, weil er im Verdacht steht, das Gericht unangemessen beeinflusst zu haben. Obama hatte auf einer Veranstaltung im April gesagt, Manning habe "das Gesetz gebrochen", was von vielen Menschen als Vorverurteilung des Verdächtigen ausgelegt wird. Clinton soll in ihrer Eigenschaft als US-Außenministerin eine Aussage dazu machen, dass die geleakten Botschafts-Depeschen Untersuchungen zufolge weniger Schaden anrichteten als öffentlich behauptet.
Ebenfalls weiterhin in der Diskussion ist die Weigerung der US-Regierung, Juan Mendez, den UN-Sonderberichterstatter für Folter, ein vertrauliches Gespräch mit Manning führen zu lassen. In einer Online-Diskussion übte Mendez deutliche Kritik am Verhalten der Obama-Regierung. Offenbar reagiert die Regierung derzeit gar nicht mehr auf Anfragen Mendez' und gibt keinerlei Informationen an die UN weiter. Der UN-Sonderberichterstatter betonte: "die Frage der Verantwortlichkeit wird nicht verschwinden". Ein Transkript der kompletten Diskussion ist online einsehbar.
Das Bradley Manning Support Network versucht derweil, zusätzliche Spenden für Manning zu sammeln. In einer Pressemitteilung heißt es: "Unsere Herausforderung: Steht zu Bradley, bis der Prozess vorbei ist". Unterstützer sollen sich zu einer monatlichen Spende für die Dauer des Prozesses verpflichten. Das Unterstützer-Netzwerk erklärt, es habe sich mit den "mächtigsten und am schlimmsten blamierten Regierungsangehörigen der Welt" angelegt. "Wir haben es mit großen Hindernissen zu tun, aber wir haben die Wahrheit auf unserer Seite. Und, ebenso wichtig, wir haben die Unterstützung von Leuten wie euch," schreiben die Aktivisten.
Das Support Network befürchtet, die US-Regierung ziele auf einen möglichst langwierigen Prozess ab, um Manning "totzuschweigen oder einzusperren". Die Aktivisten planen daher, "sicherzustellen, dass Brads Geschichte erzählt wird [und] dass er jede mögliche Verteidigung hat". Das Netzwerk sucht nach eigenen Angaben 100 Menschen weltweit, die mindestens 100 US-Dollar - umgerechnet etwa 75 Euro - pro Monat zu spenden bereit sind. Man freue sich aber auch über kleinere Beträge. Die regelmäßigen Spenden sollen dem Unterstützer-Netzwerk "die finanzielle Stabilität geben, eine aggressive Verteidigung für Brad zu schaffen, ihm die beste juristische Vertretung zu verschaffen, sicherzustellen, dass er die benötigten Sachverständigen an seiner Seite hat, die Öffentlichkeit über seinen Fall zu informieren, und gegen Versuche einzutreten, die Öffentlichkeit und die Presse von seinem Prozess fernzuhalten". Momentan kann allerdings nur per eCheck oder Kreditkarte gespendet werden, was sich für einige Spendenwillige als Problem herausstellen könnte.
Update:
Wie David Coombs mitteilt, wurden am gestrigen Mittwoch 38 der 48 von der Verteidigung genannten Zeugen von der Regierung abgelehnt. Bei den restlichen zehn Personen handelt es sich um Zeugen, die ohnehin auch auf der Liste der Anklage standen. Coombs legte nun Widerspruch gegen die Ablehnung ein. Mit einer Entscheidung rechnet er noch in dieser Woche.
Bild-Quellen: "Behind Bars" by Shalindria1981@DeviantArt
Text-Quellen: Bradley Manning Support Network Bradley Manning Support Network The Guardian
Annika Kremer am Donnerstag, 08.12.2011 21:18 Uhr
Darüber haben wir damals auch berichtet ;) siehe hier. ...
In diesem Zusammenhang auch interessant: Die Petition zu einer offiziellen Stellungnahme des White House zu Bradley Manning wurde mit einer Abweisung jedweder Stellungnahme beantwortet: https://wwws.whitehouse.gov/petitions/!/petition/free-pfc-bradley-manning-accused-wikileaks-whistleblower/k ...
Weniger als zwei Wochen vor dem ersten Anhörungstermin gibt es zahlreiche Neuigkeiten über den mutmaßlichen WikiLeaks-Informanten Bradley Manning. So wurden einige Informationen zur Strategie der Verteidigung bekannt. Zudem kündigten Manning-Unterstützer Spenden- und Solidaritätsaktionen an. ...
Lars Sobiraj am 20.05.2012, 16:54 Uhr
Im US-amerikanischen iTunes Store wurden statt dem Begriff "Jailbreak" lediglich Sternchen zwischen dem Anfangs- und Endbuchstaben angezeigt. Davon waren letztlich alle Kategorien betroffen. So wurden neben Apps auch Klingeltöne, Podcasts, Musikstücke, ganze Alben und eBooks zensiert angezeigt. Laut den Untersuchungen von Shoutpedia waren mehrere Monate lang 95% aller Begriffe davon betroffen.
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